Nach einer Weile öffnete sich der Berg, und heraus traten zwei blaugekleidete Huldreweiber, die Jons Frau zwischen sich führten. Sie war ganz unkenntlich geworden und ähnelte sich selbst nicht mehr. Ihr Gesicht war aufgedunsen und blau, und ihr ganzes Aussehen war das eines Trollweibes; auf ihrer Stirn stand ein Kreuzeszeichen, das ihre ursprüngliche Hautfarbe hatte, und Pfarrer Halvdan erklärte später, wenn er darüber befragt wurde, daß dies das einzige Zeichen sei, das sie von ihrem früheren Dasein behalten hätte.

Als die Frau aus dem Berge herausgetreten war, sagte sie: »Du bist also hergekommen, Jon. Was willst du denn?« Der Bauer war stumm geworden, der Pfarrer aber fragte ihn, ob er seine Frau mit zurücknehmen wolle, oder ob er ihr sonst etwas zu sagen hätte; darauf antwortete der Bauer »Nein«. Der Pfarrer wies dann die Weiber wieder in den Berg hinein, verschloß ihn hinter ihnen und drückte die Tür gehörig in die Öffnung hinein, damit diese Weiber niemandem mehr irgendeinen Schaden zufügen könnten. Später aber hat Pfarrer Halvdan selbst gesagt, daß er nicht alle Ritzen zugestopft hätte, denn nie habe er beabsichtigt zu verhindern, daß jemand hineinkomme, wohl aber, daß jemand herauskäme. Von dieser Zeit ab wird die Stelle an der Nordseite der Olafsfjordsmule, wo Pfarrer Halvdan den Berg aufschloß, Halvdanstor genannt. Glaubwürdige Leute erzählen, daß sie rot in der Farbe sei, und daß sie nicht wie der übrige Teil des Berges aussieht, und daß besonders unten ziemlich große Risse sind, nämlich die, an denen der Pfarrer nichts tun wollte.

Der Bauer und der Pfarrer kehrten auf demselben Wege, den sie gekommen waren, wieder zurück und erreichten Fell, ehe die Leute aufgestanden waren. Sie stiegen vom Pferd, nördlich vom Kirchhof, an derselben Stelle, an der sie aufgestiegen waren, und der Pfarrer zäumte das Grauchen ab. Als er ihm aber den Zaum abgenommen hatte, schlug er ihm damit auf die Lende; der Graue wurde wütend und schlug mit dem Hinterfuß nach dem Pfarrer; dieser aber sprang zur Seite, und der Schlag traf die Kirchhofsumzäunung, in der eine Öffnung durch den Pferdehuf entstand, die man, nach der Aussage der Leute, nie wieder hat in Ordnung bringen können, wie man auch versucht hat, sie auszufüllen.

Es wird auch erzählt, daß von diesem Tage ab niemanden auf Malmö ein Unglück betroffen habe; es hat aber auch niemand gewagt, länger als zwanzig Jahre dort zu wohnen.

Sagen vom Pfarrer Erik in Vogsosar

1. Das Bettelweib

Einmal kamen, wie es häufig geschah, zwei Männer zu Pfarrer Erik und baten ihn, sie das Zaubern zu lehren. Er antwortete, daß er nichts von Zauberei verstünde, sie dürften aber gern die Nacht über bei ihm bleiben. Sie nahmen die Einladung mit Dank an.

Am Morgen bat Erik seine Gäste, vergnügungshalber mit ihm auf die Felder um den Hof hinauszureiten. Als sie ein kurzes Stück vom Hof entfernt waren, begegnete ihnen ein altes Weib. Sie hatte ein Kind an der Brust und bat Erik um eine kleine Gabe. Erik war zornig über ihre Bitte und sagte, daß er ihr nicht das allergeringste geben würde. Die Alte sagte, sie sei eine arme Witwe und sehr bedürftig, und sie klagte gottsjämmerlich. Erik aber wurde immer aufgebrachter gegen sie und sagte, daß er es satt habe, das ewige Jammern von Bettlern mitanzuhören. »Es wäre am besten, Euch Landstreicher umzubringen!« Das und noch viel mehr sagte Pfarrer Erik der Alten, sie aber bat ihn nur um so flehentlicher.

Da sagte Erik zu den Männern: »Ihr müßt mir die Alte da umbringen, wenn ich Euch etwas lehren soll!« Der eine Gast antwortete: »Nie hätte ich gedacht Erik, daß Ihr ein so gottvergessener Mensch seid, und nie werde ich solche Untat ausführen, welcher Lohn mir auch dafür geboten würde.«

»Ich aber glaube nicht, daß ich mich dadurch von Sira Erik fortjagen lasse,« sagte der andere Gast, »ich bin gewillt, die Alte zu töten; diese Landstreicher haben sowieso nichts Besseres verdient, als daß man sie umbringt. Ich denke, solche Lumpen müßten dankbar sein, wenn sie das Leben verlieren.«