Diesen Menschen jagte Erik fort und sagte, daß niemand ihn dazu bringen könnte, solchen hartherzigen Menschen etwas zu lehren. Den andern dagegen nahm er in die Lehre. Erik hatte eine Augentäuschung bei ihnen hervorgerufen, um sie zu prüfen, denn in Wirklichkeit hatten sie gar kein altes Weib gesehen.
2. Das Gesicht im Hügel
Ein junger Mann bat einmal Sira Erik um die Erlaubnis, mit ihm gehen zu dürfen, wenn er eines Sonntags abends den Hof verließe. Der Pfarrer sagte lange nein, weil er fand, daß er nicht viel Nutzen davon haben würde. Der Mann aber bat immer eifriger, und schließlich versprach denn Erik, daß er den jungen Mann gelegentlich mitnehmen würde.
Einige Zeit später nahm also Erik den Jüngling mit. Das Wetter war schön und hell. Sie gingen auf das Feld hinaus und kamen an einen Hügel. Der Pfarrer schlug mit einem Stäbchen auf den Hügel. Er öffnete sich, und ein ältliches Weib trat zu ihnen heraus. Sie begrüßte Erik sehr vertraulich und bat ihn hereinzukommen. Die beiden leisteten der Einladung Folge und kamen in eine Badstube hinein. Darin saßen viele Menschen ringsumher. Erik und sein Begleiter nahmen an der einen Seite der Tür Platz, der Pfarrer aber saß zu innerst. Niemand sprach ein einziges Wort, worüber der Begleiter des Pfarrers sich schier verwunderte.
Die Weiber gingen aus der Stube hinaus, kamen aber nach einem Weilchen zurück. Da trugen sie ein Messer und einen Trog in der Hand und gingen auf den Mann zu, der zu äußerst an der entgegengesetzten Seite der Tür saß. Sie packten ihn, legten ihn neben den Trog, zerschnitten ihn wie ein Schaf und steckten ihn in den Trog. Darauf nahmen sie den nächsten, und so einen nach dem andern, die ganze Reihe durch, und alles ging in derselben Weise zu. Niemand versuchte, sich zur Wehr zu setzen, und alle schwiegen ganz still. An Erik war kein Erstaunen über dieses Verhalten zu bemerken, sein Begleiter aber war sehr entsetzt darüber. Er sah, daß diese Weiber wohl kaum daran denken würden aufzuhören, bis alle entzweigeschnitten wären; denn als sie zu Sira Erik kamen, packten sie ihn und zerschnitten ihn genau wie die anderen. Da schrie der Mann laut auf, nahm Reißaus, stürzte zur Tür und aus der Stube hinaus. Er rannte heim nach dem Hof und dankte Gott für seine flinken Beine. Als er aber an den Eingang des Hauses kam, stand Pfarrer Erik in der Tür und stützte die Hand gegen den oberen Teil des Pfostens. Er lächelte, als er den jungen Mann sah und sagte: »Warum rennst du so sehr, mein Lieber?« Der Mann wußte nicht, was er darauf antworten sollte; denn jetzt schämte er sich, weil er einsah, daß der Pfarrer ihm eine Augentäuschung vorgemacht hatte.
Da sagte Erik: »Das habe ich mir gedacht, mein Lieber, daß du nicht vertragen kannst, etwas zu sehen!«
3. Der Pferdediebstahl
Sira Erik hatte sowohl die Hirten wie andere Burschen in Selvog gebeten, sich zu hüten, ohne seine Erlaubnis seine Pferde zu nehmen, indem er ihnen drohte, daß es ihnen dabei übel ergehen würde, und so hüteten sich alle Hirten wohl, seine Reitpferde anzufassen. Es waren jedoch einmal zwei Burschen, die sich nicht nach seinem Verbot richteten. Kaum aber waren sie auf die Rücken der Pferde gestiegen, als diese spornstreichs nach Vogsosar jagten, ohne daß die Burschen Gewalt über sie hatten. Sie wollten sich hinunterschwingen, da sie die Pferde nicht zum Stehen bringen konnten, das ging aber nicht, denn ihre Hosen waren an den Rücken festgewachsen. »Das geht nicht,« sagte der eine der Burschen, »wir müssen von den Pferden herunter, sonst fallen wir Meister Erik in die Hände, und da würde sich wohl keiner in unsere Haut wünschen.« Er holte ein Messer hervor und trennte den Schritt von seinen Hosen ab und kam auf diese Weise von dem Pferde herunter. Der andere dagegen war entweder nicht geschickt genug, dasselbe zu tun,oder wollte vielleicht seine Hosen nicht verderben. Die Pferde liefen heim nach Vogsosar, das eine mit dem heulenden Burschen, das andere mit dem Hosenfetzen auf dem Rücken. Als die Pferde auf den Hof kamen, stand der Pfarrer draußen; er strich dem ledigen Pferd den Fetzen vom Rücken, sagte aber zu dem Burschen, der auf dem andern Pferd saß: »Siehst du, es ist nicht gut, dem Pfarrer Erik in Vogsosar Pferde zu stehlen; komm jetzt herunter und nimm nie wieder meine Pferde, ohne mich um Erlaubnis zu bitten. Dein Kamerad war schlauer als du und verdiente, daß man ihn die Buchstaben kennen lehrte; denn aus ihm könnte etwas werden.«
Etwas später kam dann dieser Bursch zu dem Pfarrer. Dieser zeigte ihm den Stoffetzen und fragte ihn, ob er ihn wiedererkenne. Der Bursch ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und erzählte dem Pfarrer, wie alles zugegangen war. Der Pfarrer lächelte und forderte ihn auf, zu ihm zu kommen. Dieses Anerbieten wurde mit Dank von dem Burschen angenommen, der später lange im Hause des Pfarrers blieb und ihm sehr gehorsam war, und man sagt, daß der Pfarrer ihn viel alte Weisheit gelehrt habe.