Als Erik Pfarrer in Vogsosar war, wohnte in seinem Sprengel ein Bauer, der nie die Kirche besuchte, und der, um den Pfarrer zu ärgern, an den Feiertagen stets zum Angeln hinausruderte, sobald das Wetter es nur einigermaßen erlaube.
Einmal mußte der Pfarrer zur Kirche, um Gottesdienst abzuhalten. Da richtete der Bauer es so ein, daß er gerade dabei war, sich seine Lederhosen anzuziehen, als der Pfarrer bei ihm vorbeiging.
Der Pfarrer fragte den Bauern, ob er nicht auf seine Bitte heute dem Gottesdienst beiwohnen wolle. Der Bauer antwortete nein und begann, die Lederne anzuziehen. Der Pfarrer verließ ihn, hielt den Gottesdienst ab und ging nach der Kirchzeit denselben Weg heimwärts. Da traf er den Bauern, der immer noch auf derselben Stelle stand und nur das eine Bein hatte in die Hose stecken können. Der Pfarrer meinte, daß er wohl einen guten Fang getan habe, da er schon wieder an Land gekommen sei. Der andere schämte sich sehr, als er den Hergang erzählen mußte, daß er dort gesessen habe, seitdem sie sich getrennt hätten. Er bat nun den Pfarrer, ihn zu befreien. Der Pfarrer sagte; »Wenn du schon jetzt findest, daß dir der Teufel zu stark ist, wie soll es dann später werden?« Der Pfarrer gebot darauf dem Teufel, den Bauern fahren zu lassen. Er wurde befreit und besuchte von diesem Tage an fleißig die Kirche.
5. Erik und das alte Weib
Pfarrer Erik wollte einmal ostwärts über den Thjorsbach reiten. Auf dem Ritt kam er nach Oerebakke und wollte dort in den Kramladen gehen, um ein bißchen in seine Flasche gießen zu lassen (er nahm nämlich ganz gern einen Schluck). Als er in den Laden hineinging, sah er zwei alte Weiber draußen sitzen. Das eine Weib fragte, wer denn da ginge, worauf das andere antwortete: »Kennst du denn nicht den Grauen von Vogsosar? Er ist doch leicht zu erkennen.« Dann hörte ihr Gespräch auf. Erik aber setzte seinen Ritt fort.
Als er an den Hraunsbach gekommen war, sah sein Begleiter ein altes Weib hinter ihnen herlaufen und bat den Pfarrer, ein bißchen zu warten. Dieser aber sagte, dazu sei seine Zeit zu knapp, und sie ritten ziemlich rasch weiter, bis sie nach Sandholar, der Fährstelle am Thjorsbach, kamen, wo sie von den Pferden stiegen. Da kam die Alte, die noch rannte, nachdem sie sie von Oerebakke an verfolgt hatte, halbtot vor Müdigkeit und Mattigkeit, und ihrer ganzen Oberkleidung entledigt. Da wandte sich Erik zu der Alten und sagte: »Kehre nun wieder um, meine Liebe, nun hast du den Grauen von Vogsosar gesehen; unterlaß es aber in Zukunft, anständige Leute zu verhöhnen.«
Da kehrte die Alte um; der Pfarrer aber sagte zu seinem Begleiter, daß er das Weib habe hinter ihnen herlaufen lassen, um ihr abzugewöhnen, Schimpfnamen zu gebrauchen und anständige Leute zu verhöhnen.
6. Erik und der Bischof
Der Bischof von Skalholt hörte so viele Zaubergeschichten von Pfarrer Erik, daß es ihm schließlich zu bunt wurde und er sich entschloß, ihn abzusetzen. Eines Winters sandte er deshalb achtzehn Schüler zu Erik, die ihm den Rock ausziehen sollten. Als eines Tages schönes Wetter war, zogen sie davon, und nun sollten große Dinge geschehen.
Eines Morgens war Pfarrer Erik sehr früh aufgestanden und vor das Haus gegangen; als er wieder hineinkam, seufzte und stöhnte er. Er verbot seinen Knechten, das Vieh heute aus dem Stall zu lassen; denn das Wetter gefiele ihm nicht; und sie versprachen zu tun, was er wollte. Bald darauf zog ein entsetzliches Unwetter auf, mit Sturm und Schneetreiben, so daß man kaum auf den Füßen stehen oder aus der Tür gehen konnte. Nach dem Mittag wurde an die Tür geklopft, und das war einer von den Schülern, der ankam. Sie waren im Schneetreiben auseinander gekommen, erreichten aber alle Vogsosar, wenn auch jeder einzeln, und so verging der ganze Tag bis zum Abend, ehe sie wieder zusammen waren. Erik nahm sie freundlich auf und erwies ihnen alles erdenkliche Gute, und unversehens liebten sie ihn so, daß sie sich nicht entschließen konnten, den Auftrag des Bischofs auszuführen, ihm den Rock auszuziehen, und sie zogen daher unverrichteter Sache wieder nach Hause. Sie erzählten dem Bischof, wie sich alles zugetragen hätte, er aber war sehr wenig zufrieden damit und sagte, daß er selber Erik besuchen und sehen wolle, ob er seine Absicht ebenso schlecht ausführen würde. So verstrich der Winter, und es ging auf den Sommer.