Ein Bauer von den Landinseln, der gut Freund mit Erik war, kam eines Frühjahrs, als die Fischzeit vorbei war, von Süden her aus Njardvig zu Pfarrer Erik. Er war beritten, denn er hatte sein Pferd den Winter über bei sich behalten. Als er nach Vogsosar kam, nahm ihn Pfarrer Erik, der vor dem Hause stand, gut auf und fragte dann: »Bist du gut beritten, mein Lieber?« Darauf antwortete der Bauer nein; das Pferd sei ebenso mager wie schlecht beschlagen, meinte er. Erik sagte: »Da mußt du dich beeilen, nach Hause zu kommen, denn deine Frau liegt im Sterben.« Der Bauer äußerte: »Ja, was soll ich nun tun?«

Erik trat auf das Pferd zu, sah die Hufeisen nach und spuckte unter die Hufe, und dann sagte er: »Steige jetzt zu Pferd, und reite, was das Zeug hält; es wäre ja möglich, daß es zähe im Aushalten ist. Wenn du nach Hause auf den Hof kommst, wirst du die Schreie deiner Frau bis hinaus hören; gehe dann mit großer Eile hinein, grüße nicht, sondern sage schroff: »Erik in Vogsosar will mit dir sprechen,« und sieh dann zu, wie es wird.« Der Bauer dankte ihm für den guten Rat und ritt davon. Das Pferd lief schneller mit ihm fort, als er sich besinnen konnte, und er erreichte sein Heim an demselben Tag. Bei der Ankunft hörte er das Geschrei seiner Frau, und er benahm sich genau so, wie Erik ihm geraten hatte. Mit der Frau nahm es eine solche Wendung, daß sie eine Stunde später wieder ganz gesund war.

An demselben Abend klopfte es hart an das Tor von Vogsosar. Erik ging hinaus, um zu öffnen, blieb ein Weilchen draußen und kam dann wieder herein. Er wurde gefragt, wer denn gekommen sei. Er antwortete: »Ach, es war nur jemand, der etwas mit mir zu sprechen hatte.«

Als der Bauer das nächste Mal zum Fischplatz zog, vergalt er die Hilfe, die Erik ihm geleistet hatte, reichlich.

9. Pfarrer Eriks Tod

Als Erik fühlte, daß sein Tod herannahte, wählte er selbst die Männer aus, die seine Leiche tragen sollten. Er sagte, daß, wenn er zur Kirche hinausgetragen würde, ein schwerer Hagelschauer sie überfiele; er bat sie aber, den Sarg von dem Augenblick an, in dem sie ihn aufhöben, nicht abzusetzen, bis sie ihn in die Kirche hineingetragen hätten. Dann würde der Schauer aufhören, sagte er, und man würde über der Kirche zwei Vögel sehen, einen weißen und einen schwarzen, die erbittert miteinander kämpften. Er bat sie, wenn der weiße Vogel in dem Kampf siege und sich auf den Dachfirst der Kirche setze, ihn auf dem Kirchhof zu begraben, siege dagegen der schwarze Vogel, und setze er sich auf die Kirche, so sollten sie ihn außerhalb des Kirchhofs bestatten; denn dann wäre es aus mit ihm.

Bei Eriks Tod geschah, was er gesagt hatte. Der Hagelschauer prasselte herab, und die Vögel kämpften miteinander; der weiße Vogel aber siegte über den schwarzen, und deshalb bekam Erik sein Grab innerhalb des Kirchhofs.

Der Mann von Grimsö und der Bär

Es geschah einmal auf Grimsö, daß das Feuer im Winter erlosch, so daß auf keinem Hof Feuer oder Licht angezündet werden konnte. Es war damals ruhiges Wetter, und der Frost war so scharf, daß der Grimsösund zugefroren war, und man glaubte, daß das Eis tragen könne. Da entschlossen sich die Bewohner von Grimsö, ein paar Leute auf das Festland zu senden, die Feuer holen sollten, und wählten dazu drei von den tüchtigsten Männern der Insel.

Sie zogen früh morgens bei hellem Wetter davon, und eine Menge Bewohner begleiteten sie auf das Eis hinaus und wünschten ihnen einen glücklichen Weg und baldige Heimkunft. Es wird nichts von der Wanderung der Ausgesandten berichtet, bis sie mitten im Sund an eine Wake kamen, die so lang war, daß sie ihr Ende nicht sehen konnten, und so breit, daß nur zwei mit knapper Not hinüberzuspringen vermochten, während der dritte sich nicht dazu imstande glaubte. Die anderen rieten ihm deshalb, nach der Insel zurückzukehren und setzten ihre Wanderung fort; er aber blieb am Rande der Wake zurück und verfolgte sie mit den Augen. Er wollte ungern unverrichteter Sache zurückkehren und entschloß sich daher, an der Wake entlang zu gehen, um zu versuchen, ob sie vielleicht an einer anderen Stelle schmaler wäre. Im Laufe des Tages wurde das Wetter trübe, und es zogen von Süden Sturm und Regen auf. Das Eis löste sich, und schließlich stand der Mann auf einer Eisscholle, die dem Meere zutrieb. Am Abend stieß die Scholle gegen einen großen Eisberg, den der Mann bestieg. Da entdeckte er unweit von sich einen Bären, der auf seinen Jungen lag. Er aber war verklammt und hungrig, und ihm graute jetzt vor dem Leben. Als der Bär den Mann erblickte, betrachtete er ihn eine Weile, erhob sich dann, ging auf ihn zu, umkreiste ihn und gab ihm ein Zeichen, daß er sich auf das Lager zu den Jungen legen sollte. Er tat das mit Furcht im Herzen. Dann legte sich das Tier selbst bei ihm nieder, breitete sich über ihn und säugte ihn mit seinen Jungen zugleich. Die Nacht verstrich; am nächsten Tage stand das Tier auf, entfernte sich ein kleines Stück vom Lager und winkte dem Manne nachzukommen. Als er auf das Eis hinausgekommen war, legte sich der Bär vor seine Füße nieder und gab ihm ein Zeichen, sich auf seinen Rücken zu setzen. Als er den Rücken des Bären bestiegen hatte, erhob sich dieser, rüttelte und schüttelte sich, bis der Mann von ihm heruntergefallen war. Mit dieser Probe war er für diesmal zufrieden, der Mann aber wunderte sich darüber. Es vergingen nun drei Tage; nachts lag der Mann auf dem Lager des Bären und saugte seine Milch, jeden Morgen aber hieß ihn der Bär sich auf seinen Rücken setzen, und dann schüttelte er sich, bis der Mann sich nicht mehr festhalten konnte. Am vierten Morgen konnte sich der Mann auf dem Rücken des Tieres halten, so viel es sich auch schüttelte. Gegen Abend ging es aufs Eis hinunter, den Mann auf dem Rücken, und schwamm mit ihm nach der Insel.