Als der Mann an Land gekommen war, ging er auf die Insel hinauf und gab dem Bären ein Zeichen, ihm zu folgen. Er ging voran nach seinem Heim und ließ sogleich die beste Kuh im Stall melken und ihn so viel frisch gemolkene Milch trinken, wie er nur konnte; dann ging er vor dem Bären in seinen Schafstall, ließ die beiden besten Schafe aus seiner Herde herausnehmen und schlachten, band sie an den Hörnern zusammen und legte sie quer über den Rücken des Bären. Dieser kehrte nach dem Meere zurück und schwamm zu seinen Jungen hinaus.
Und nun war viel Freude auf Grimsö; denn während die Inselbewohner mit Erstaunen dem Bären nachschauten, sahen sie ein Boot vom Festland kommen und mit gutem Wind nach der Insel segeln. Darin hofften sie die beiden anderen Abgesandten mit dem Feuer zu sehen.
Der Bär, der mit der Tonne rang
In den Westfjorden liegt irgendwo ein Hof unterhalb eines steilen Berges, auf dem einmal ein reicher Bauer wohnte. Hoch oben auf dem Grat hatte er einen großen Schuppen, in dem er seine Fische und andere Sachen aufbewahrte. Vom Hof ging ein gerader Weg den Berg aufwärts, dicht an dem Schuppen vorbei. Er war wie mit einer Mauer eingefaßt; denn große Steine lagen in Reihen zu beiden Seiten, während er am Boden ganz eben war.
Dem Bauern war es aufgefallen, daß, wenn es abends dunkel geworden war, in der Regel ein Bär kam, der den geraden Weg zu dem Schuppen hinaufstieg und an seine Fische ging, und der ihm auf diese Weise schon manchen Schaden zugefügt hatte. Da hatte er sich eine List ausgedacht, um dem Petz abzugewöhnen, seine Fische zu fressen. Er ließ nämlich eine riesengroße Tonne anfertigen, die gerade den Weg sperrte, wenn sie von dem Berge heruntergerollt wurde, füllte sie mit Steinen und schlug den Boden gehörig fest. Nun ließ er die Tonne auf dem Bergrücken liegen, wo der eingezäunte Weg begann und wartete dort selbst, bis der Bär kam. Dieser erschien zur gewohnten Zeit und ging nichts ahnend den Berg hinauf. Als er aber beinahe ganz oben war, wälzte ihm der Bauer die Tonne entgegen. Der Petz konnte nun nicht weiter. Die Tonne hatte Eile, sobald wie möglich bergab zu kommen, während Petz mit aller Gewalt versuchte, sie in ihrem Lauf zu hemmen. Umdrehen konnte er sich nicht; denn dann hatte er die Tonne dicht auf den Fersen; auch konnte er nicht über die Tonne hinüberspringen; denn er brauchte all seine Kraft, um ihr Widerstand zu leisten, damit sie ihm nicht auf dem Kopf fiel. Auf diese Weise rang er die ganze Nacht mit der Tonne und glitt langsam zurück vor ihr, bis sie beide unten auf ebener Erde standen. Da war der Petz nahe daran, vor Müdigkeit umzufallen, und schlich sich davon, indem er nach der Tonne schielte.
Der Bauer aber verfolgte ihn mit seinem Gelächter und hatte seitdem in seinem Schuppen Ruhe vor ihm.
Wie die Seehunde entstanden sind
Über den Ursprung der Seehunde wird erzählt, daß, als Ägyptens König Pharao Moses und die Juden über das Rote Meer verfolgte und darin mit seinem ganzen Heer ertrank, wie man ja aus der Bibel weiß, der König und alle seine Männer zu Seehunden wurden, und darum ähneln die Knochen der Seehunde so sehr denen der Menschen. Seit jener Zeit leben die Seehunde wie eine Familie für sich auf dem Meeresboden, haben aber ganz die Gestalt, Natur und Eigenschaften des Menschen unter dem Fell bewahrt. Es ist ihnen als eine Gnade gestattet, jede Johannisnacht, oder wie andere sagen, jede Heiligedreikönigsnacht aus den Fellen zu kriechen; dann gehen sie an Land, nehmen menschliche Gestalt an und singen und tanzen wie andere Menschen.
Das Seehundsfell
Ein Mann aus Myrdal im Osten ging eines Morgens früh, ehe die Leute aufgestanden waren, an einigen Felsen vorbei und kam an den Eingang einer Höhle. Da hörte er, daß in dem Hügel gelärmt und getanzt wurde, draußen aber sah er eine große Menge Seehundsfelle. Er hob eins von ihnen auf, nahm es mit nach Hause und verschloß es in seiner Truhe. Etwas später, im Laufe des Tages, kam er wieder an den Eingang der Höhle; da saß dort ein junges und schönes Mädchen, das ganz nackt war und bitterlich weinte. Das war der Seehund, dem das Fell gehörte, das sich der Mann mitgenommen hatte. Der Mann gab dem Mädchen Kleider, tröstete es und nahm es mit nach Hause.