Sie war ihm später sehr zugetan, weniger aber stimmte ihr Gemüt mit dem anderer Leute überein. Oft saß sie da und schaute über die See hinaus. Nach Verlauf einiger Zeit nahm sie der Mann zur Frau; sie lebten gut zusammen und hatten viele Kinder miteinander.
Der Bauer verbarg das Fell unter Schloß und Riegel in seiner Truhe und trug den Schlüssel bei sich, wohin er auch ging. Nach Verlauf vieler Jahre ruderte er eines Tages zum Fischfang hinaus und vergaß den Schlüssel zu Hause unter seinem Kopfkissen. Andere dagegen sagen, daß der Bauer mit seinen Leuten zum Weihnachtsgottesdienst gezogen sei, daß die Frau aber krank gewesen wäre und nicht mitgehen konnte; da soll er vergessen haben, den Schlüssel aus der Tasche seiner Wochentagskleider zu nehmen, als er sich umzog; als er aber abends nach Hause kam, war die Truhe geöffnet und die Frau samt dem Fell verschwunden. Sie hatte den Schlüssel gefunden und aus Neugierde die Truhe durchsucht und das Fell gefunden. Da konnte sie der Versuchung nicht länger widerstehen; sie sagte ihren Kindern Lebewohl, fuhr in das Fell und warf sich in die See.
Ehe die Frau in die See sprang, soll sie vor sich hingesagt haben:
»Ich will und will auch wieder nicht, –
Sieben Kinder hab’ ich auf dem Meeresboden,
Sieben Kinder hab’ ich auch hier oben.«
Es wird erzählt, daß der Bauer sich das sehr zu Herzen nahm. Wenn er später hinausruderte, um zu angeln, dann schwamm der Seehund oft um sein Boot herum, und es war, als liefen ihm Tränen aus den Augen. Von dieser Zeit an hatte er stets Erfolg bei seinem Fischfang, und das Glück suchte seinen Strand oft auf.
Häufig sah man, wenn die Kinder des Ehepaares an den Strand gingen, daß ein Seehund draußen in der See schwamm und sie begleitete, während sie auf dem Lande oder am Strande entlang gingen, und bunte Fische und hübsche Muscheln zu ihnen hinaufwarf. Nie aber kehrte ihre Mutter wieder aufs Land zurück.
Der Lindwurm im Lagarfluß
Es geschah einmal in alten Tagen, daß eine Frau auf einem Hof in der Nähe des Lagarflusses wohnte. Sie hatte eine erwachsene Tochter, der sie einmal einen goldenen Reif schenkte. Da fragte das Mädchen: »Wie kann ich den größten Nutzen von diesem Gold haben, Mutter?« »Lege es unter einen Lindwurm,« erwiderte die Mutter. Da nahm das Mädchen einen Lindwurm, legte das Gold unter ihn und tat dann alles in ihre Wäschelade. Dort lag der Wurm ein paar Tage. Als das Mädchen aber nach der Lade sehen wollte, war der Wurm so groß geworden, daß die Lade angefangen hatte, aus den Fugen zu gehen. Da erschrak das Mädchen, nahm die Lade und warf sie samt ihrem Inhalt in den Fluß.