Es verrann nun eine lange Zeit, und man begann, den Wurm in dem Fluß zu merken. Er fügte Menschen und Tieren, die über den Fluß wollten, Schaden zu. Zeitweise reckte er sich bis auf die Flußhügel hinauf und spie auf entsetzliche Weise Gift. Das schien zu einem großen Unglück zu führen, von dem niemand wußte, wie man ihm begegnen sollte.

Da nahm man Zuflucht zu zwei Finnländern. Sie sollten den Wurm töten und das Gold bergen. Sie warfen sich in den Fluß, kamen aber bald wieder in die Höhe. Sie sagten, daß sie es hier mit einer großen Übermacht zu tun hätten, und daß es keine leichte Sache sei, den Wurm zu töten und das Gold zu bergen. Sie erzählten, daß unter dem Golde noch ein Wurm läge, und daß dieser viel schlimmer sei als der erste. Sie fesselten den Wurm mit zwei Stricken, von denen der eine um den Bauch, der andere aber um den Schwanz befestigt wurde.

Deshalb kann der Wurm seitdem weder Menschen noch Tieren schaden; es geschieht aber zeitweilig, daß er einen Buckel auf dem Rücken macht, und wenn dieser zu sehen ist, glaubt man gern, daß das ein Vorbote schlimmer Geschehnisse sei, zum Beispiel Hungersnot und Grasmangel. Diejenigen, die an diesen Wurm nicht glauben, sagen, daß vor gar nicht zu langer Zeit ein Pfarrer gerade an der Stelle, an welcher der Wurm zu liegen schiene, den Fluß durchquerte. Das sagen sie aber, um damit zu beweisen, daß er gar nicht da ist.

Der dankbare Rabe

Es wird erzählt, daß einmal einige Höfe in Vatnsdal auf dem Nordland durch einen Bergsturz, der vom Vatnsdalberg kam, vernichtet wurden. Unter diesen Höfen war einer, der Guldberastad hieß. Die Tochter des Bauern auf Guldberastad hatte die Gewohnheit, immer, wenn sie aß, ihre Speise mit dem Hofraben zu teilen. Als sie ihm einmal, wie sie es zu tun pflegte, die Speise, die sie ihm geben wollte, zum Fenster hinausreichte, wollte sie der Rabe nicht nehmen. Das Mädchen wunderte sich darüber, und dann ging sie hinaus mit ihr. Der Rabe kam dicht an sie heran, wollte aber trotzdem die Speise nicht nehmen, obgleich er die ganze Zeit über zeigte, daß er Appetit hatte, so daß das Mädchen ihn bis auf den Heimacker verfolgte, ein kurzes Stück Weges vom Hof. Kaum aber waren sie dort hingelangt, als das Mädchen starkes Getöse oben vom Berge hörte, und plötzlich kam ein Bergsturz von dort herab; er lief zu beiden Seiten des Raben und der Bauerntochter vorbei und berührte die Stelle, auf der sie standen, nicht. Dagegen ging die Lawine über den Hof hinweg und vernichtete ihn mit allem, was da war, Lebendigem und Totem. So belohnte der Rabe die Bauerntochter für die Speise die sie ihm gegeben hatte.

Die Ursache aber, daß der Bergsturz nicht über die Stelle hinwegrollte, wo der Rabe und das Mädchen standen, war die, daß Bischof Gudmund der Heilige einmal auf seiner Durchreise sein Zelt an diesem Ort aufgeschlagen hatte. Ehe er aber von dort aufbrach, weihte er den Zeltplatz, wie er es oft zu tun pflegte, und deshalb konnte an dieser Stelle niemand von einem Unglück betroffen werden.

Asmund und Signe

Es lebte einmal ein König in seinem Reich; er war verheiratet und hatte mit seiner Gemahlin zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn hieß Asmund, die Tochter aber hieß Signe. Es waren die hoffnungsvollsten Königskinder, die man zu jener Zeit kannte, und sie wurden in allen Künsten, die Königskindern zu lernen ansteht, erzogen. Sie wuchsen nun auf, zu Hause beim Vater, und jeder Wunsch wurde ihnen erfüllt. Der König schenkte seinem Sohn Asmund zwei Eichbäume, die draußen im Wald standen, und es war ein Vergnügen für den Sohn, sie auszuhöhlen und verschiedene Kämmerchen in den Stämmen einzurichten. Signe folgte ihm häufig und bewunderte die Eichbäume und bekam Lust, sie mit ihm zusammen zu besitzen. Er erfüllte ihren Wunsch, und nun trug sie allerlei Edelsteine und Kleinodien, die ihr die Mutter geschenkt hatte, dorthin.

Da geschah es einmal, daß ihr Vater in den Krieg zog; in seiner Abwesenheit aber wurde die Königin krank und starb. Da gingen die Geschwister hinaus in den Wald und setzten sich in die Eichbäume, nachdem sie sich auf ein Jahr mit Lebensmitteln versehen hatten.

Nun ist zu melden, daß in einem anderen Lande ein König herrschte, der einen Sohn, namens Ring, hatte. Ring hatte von der großen Schönheit Signes erzählen hören und entschloß sich, um sie zu freien. Er bekam von seinem Vater ein Schiff für die Reise, hatte guten Wind und kam nach dem Lande, in dem Signe zu Hause war. Als er aber zur Königshalle hinaufgehen wollte, begegnete ihm auf dem Wege eine so schöne Frau, daß es ihm schien, als hätte er nie zuvor ihresgleichen gesehen.