Aus der Tierwelt des Rochlitzer Berges:
Abb. 14 Blindschleiche beim Verlassen ihres Schlupfwinkels.

Unter den Waldbäumen des Rochlitzer Berges nahm einst die Weißtanne einen breiten Raum ein. Heute hat sie aufgehört, bestandsbildender Waldbaum zu sein; die wenigen, hier und da noch in den Mischbeständen stehenden, fast immer kränkelnden Stücke sind stumme Zeugen vergangener Zeiten. Forstlich ist der Baum nicht mehr hoch zu bringen. Es ist das eine Erscheinung, die man in unserem Vaterlande nun zwar auch an anderen Orten beobachtet und die man meines Wissens in erster Linie auf die Verunreinigung der Luft durch die Rauchgase unserer hochentwickelten sächsischen Industrie zurückführt. Ob immer und in welchem Maße dies zu Recht geschieht, vermag ich nicht zu entscheiden. Meines Erachtens wirken an ihrem Rückgange hier und da aber auch noch andere als die eben angeführten Ursachen mit. Die Tanne stellt ziemlich hohe Anforderungen auch an den Feuchtigkeitsgehalt der Luft und des Bodens und ist gegen eine Abnahme desselben empfindlicher als andere Waldbäume. Eine Abnahme der Bodenfeuchtigkeit scheint aber auf dem Rochlitzer Berge stattgefunden zu haben. Darauf deuten nicht nur eine ganze Anzahl heute trockener Quelläufe an den Hängen des Berges hin, sondern sie geht auch hervor aus dem Umstand, daß heute noch fließende Quellen zum Teil wasserärmer geworden sind, als sie es in meiner auf dem Rochlitzer Berge verlebten Jugendzeit waren. Diese Abnahme der Bodenfeuchtigkeit aber dürfte im wesentlichen ihre Ursachen in dem Steinbruchsbetriebe haben. Infolge seiner räumlich großen Ausdehnung kommt ein beträchtlicher Teil der atmosphärischen Niederschläge dem Walde nicht mehr zugute; ein Teil verdunstet über den freien Flächen der Steinbrüche sofort, ein anderer Teil aber sammelt sich in ihren tiefergelegenen Stellen in Form kleinerer oder größerer Tümpel an und wird von hier gleichfalls, wenn auch allmählicher, der Verdunstung zugeführt. Aber auch nicht unbeträchtliche Mengen der über dem Walde selbst niedergehenden Niederschläge verbleiben nicht mehr in dem Waldboden, sondern strömen in Gesteinsspalten und Rissen jenen Wasseransammlungen in den tieferen Teilen der Steinbrüche zu und verdunsten hier ebenfalls wie jene direkt.

Es dürfte nicht ausgeschlossen sein, daß dieser Einfluß der Steinbrüche auf die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit des Waldes, der zwar nicht für sich allein, sondern wohl mit der schon erwähnten Verunreinigung der Luft durch Rauchgase an dem Rückgang der Tanne auf dem Rochlitzer Berge beteiligt sein mag, sich in seinen Wirkungen auch auf andere feuchtigkeitsliebende Pflanzen äußert.

Die Vogelwelt unserer Obstalleen

Von Rud. Zimmermann

Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers

Beobachtungen, die ich vor dem Kriege an der von Rochlitz nach dem Rochlitzer Berge führenden, mir von meiner Kindheit an vertrauten und von mir regelmäßig begangenen, in dem hier in Frage kommenden Teile von Obstbäumen bestandenen Staatsstraße über die daselbst nistenden höhlenbrütenden Kleinvögel machte und die dabei einen vorher kaum geahnten Reichtum an solchen ergaben, wurden die Ursache, daß ich in der Folge nicht nur noch schärfer auf die Vogelwelt der genannten Straße achtete, sondern meine Beobachtungen auch auf andere Gegenden ausdehnte und dabei vor allem auch Material zur Frage der Bedeutung unserer Vogelwelt für die Obstalleen zu erlangen versuchte. Im nachfolgenden nun soll über diese Beobachtungen, die in vielfacher Hinsicht recht interessante sind, etwas eingehender berichtet und dieser Bericht zunächst mit einer Schilderung der Verhältnisse an der oben genannten Straße begonnen werden.

Die Staatsstraße Rochlitz–Rochlitzer Berg, in Rochlitz kurzweg die Bergstraße genannt, wird in ihrem ersten, hier nur in Frage kommenden Teil von Feldern begrenzt, während auf eine Strecke von etwa 500 Meter Länge an der einen Seite auch der Wald an sie herantritt, der ihr auch sonst nicht fern bleibt und an den weitesten Stellen kaum viel über 500 Meter von ihr weg liegt. Der regelmäßigen Beobachtung unterstanden in den Jahren 1913 und 1914 eine Strecke von etwa 500 Meter, 1919 und 1920 aber von gegen 1500 Meter Länge, von der ein kleiner, etwa 200 Meter langer Teil von Kirschbäumen gesäumt, der größere aber beiderseits von Apfelbäumen bestanden ist.

An der kleineren, nur apfelbaumbestandenen Straßenstrecke wurden