Daß ferner bei dem großen Reichtum der Steinbrüche an Hecken, die in den auflässigen Teilen oft so üppig wuchern, auch die Zahl der Buschbrüter eine ziemlich reiche ist, bedarf wohl kaum eines besonderen Hinweises. Namentlich die Grasmücken in sämtlichen vier, der Rochlitzer Vogelfauna angehörenden Arten: der Dorn-, der Zaun-, der Garten- und der Mönchsgrasmücke, sind regelmäßige Bewohner derartiger Stellen.

Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 11 Großer Buntspecht an der Nisthöhle in einem Kirschbaum

Reich ist in den Steinbrüchen auch das seit meiner Jugendzeit sonst im Bereiche des Rochlitzer Berges aber stark zurückgegangene Kriechtier- und Lurchleben entwickelt. Die flinke Zauneidechse zunächst ist eine der auf dem Rochlitzer Berge abgenommenen Arten, die auch die Steinbrüche nicht mehr in den Mengen bevölkert, als wie ich sie noch als Knabe sah; der rotbäuchige Bergmolch, der einst geradezu in Massen die zahlreichen Steinbruchstümpel bevölkerte, ist weniger häufig geworden, und der in Schwarz und leuchtend Gelb gekleidete Feuersalamander, dessen ganze Schönheit nur der voll empfinden wird, der ihn einmal nach einem warmen Gewitterregen aus einem dunklen Spalt des von grünem Moos überkleideten roten Gesteins hat hervorkommen sehen, ist heute auch nicht annähernd mehr in den Mengen vorhanden, wie vor wenigen Jahrzehnten noch. Ein sinnloses Sammeln, bald – wie beim Bergmolch – von einer zwar naturfreudigen, aber in falschen Bahnen sich betätigenden Jugend, bald – wie beim Feuersalamander – von gewerbsmäßigen Fängern, denen ja nichts in der Natur heilig ist, trägt wohl die Hauptschuld an dem bedauerlichen Rückgange. Vielleicht wäre es aber wohl noch schlimmer um das heutige Vorkommen dieser Arten bestellt, wenn nicht die Steinbrüche ihnen und noch anderen ihrer Sippe: der goldgekrönten Ringel- und der spärlicheren glatten Natter, dem lebhaften Grasfrosch und der vielgeschmähten, dabei aber doch so nützlichen Erdkröte Schlupfwinkel in so reichem Maße darbieten würden, daß immer noch ein großer Teil von ihnen sich allen Verfolgungen zu entziehen vermag.

Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 12 Ringelnatter vor ihrem Schlupfwinkel

Der günstige Einfluß der Steinbrüche auf das Tierleben des Rochlitzer Berges, der aus den hier mitgeteilten Fällen zweifellos hervorgeht, würde noch augenfälliger werden, wenn wir unsere Betrachtungen auch auf die niedere Tierwelt ausdehnen und insbesondere die Insektenwelt in sie einbeziehen würden. Einer unserer größten und prächtigsten Tagschmetterlinge beispielsweise, der Eisvogel, verdankt sein Vorkommen der heute im Rochlitzer Bergwalde vorzugsweise auf das Steinbruchsgebiet beschränkten Aspe, und wie für ihn, liegen die Verhältnisse ähnlich auch noch für eine weitere Anzahl leichtbeschwingter Falter und andere niedere Tierarten. – – –

Aus der Tierwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 13 Eine Erdkröte verläßt ihren Schlupfwinkel

Aber es scheint auch, als ob der Steinbruchsbetrieb des Rochlitzer Berges neben diesen günstigen Einflüssen auf das Naturleben noch einen solchen entgegengesetzter Richtung ausübt.