Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 6 Weiblicher Gartenrotschwanz vor der Nisthöhle in einer Mauer
Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 7 Junger Hausrotschwanz an der Nisthöhle in einem Gesteinsspalt
Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 8 Junge Gebirgsstelze nach dem Verlassen des Nestes
Weit mehr noch als wie auf die verborgener lebenden Säugetiere spüren wir den Einfluß der Steinbrüche auf die der direkten Beobachtung ja weit zugänglichere Vogelwelt. Einige Arten, denen wir im geschlossenen Walde nicht oder doch nur vereinzelt begegnen würden, sind im Gebiet der Steinbrüche nicht selten, andere, den Wald zwar nicht meidende, erreichen in ihnen eine größere Häufigkeit. Ich denke da vor allem an unsere beiden Rotschwanzarten, die auf dem Rochlitzer Berge ganz besonders häufig sind und ausschließlich oder doch fast ausschließlich die Steinbrüche bewohnen, in denen sie auch wieder zu der ihnen ureigensten Nistweise zurückgekehrt sind. Nach den übereinstimmenden Versicherungen alter Steinbruchsarbeiter, die sich in jeder Weise auch mit meinen eigenen Erfahrungen decken, hat die Zahl dieser beiden Vögel in den letzten Jahrzehnten auffallend zugenommen. Namentlich beim häufigeren Gartenrotschwanz fällt diese Zunahme recht in die Augen. In einem Steinbruche traf ich im Frühjahre 1914 nicht weniger als fünf Brutpaare desselben – zwei davon nisteten an Arbeiterhäusern, drei aber in Gesteinsspalten – neben zwei vom Hausrotschwanz an, in einem anderen im Jahre vorher sogar sechs Paare des ersteren, die mit Ausnahme eines an einem Gebäude nistenden sämtlich in Felsspalten ihre Nester errichtet hatten, neben zwei Paaren des ebenfalls in Felsspalten nistenden Hausrötels. Auch die weiße Bachstelze bewohnt in ähnlich großer Zahl die Steinbrüche und nistet hier bald an Arbeiterhäusern, bald aber auch in geschützten Hohlräumen der Felswände. In diesem letzteren Fall teilt sie dann die Niststätten mit ihrer gelben Schwester, der Gebirgsstelze, deren Zunahme auf dem Rochlitzer Berge eine ganz besonders in die Augen fallende ist. Ich entsinne mich heute noch deutlich des Tages anfangs der neunziger Jahre, an dem ich die Art hier überhaupt zum ersten Male sah und über die Beobachtung der mir damals noch neuen daheim in jugendlicher Freude erzählte. Seit jener ersten Begegnung wurde sie zu einem meiner erklärten Lieblingsvögel und jede neue Beobachtung der damals noch seltenen bildete ein heute noch nicht vergessenes Ereignis. Jetzt ist sie schon eine ganz gewöhnliche Erscheinung und brütet alljährlich in wenigstens einem, häufig aber auch in mehreren Paaren in fast jedem der Steinbrüche. Aber auch andere Höhlenbrüter finden in den Felsklüften willkommene Nistgelegenheiten. Von Meisen sind es besonders die Kohl-, die Tannen- und die Blaumeise, ausnahmsweise auch die Sumpf- und die Haubenmeise, die regelmäßig in Gesteinsspalten oder in den Hohlräumen der überall gegen hereinbrechenden Abraum aufgeführten Schutzmauern nisten und denen sich auch gern der Kleiber zugesellt. 1916 während eines Urlaubes konnte ich in solchen Schutzmauern zum ersten Male auch den Mauersegler, der allsommerlich über den Gipfel des Berges seine Flugkünste treibt und den ich – Freund Heyder hatte ihn schon früher als Brutvogel des Rochlitzer Berges in Baumhöhlen des Waldes festgestellt – seit langem bereits im Verdacht hatte, auch »Steinbruchsvogel« zu sein, brütend nachweisen.
Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 9 Kohlmeise vor der Nisthöhle in einer Gesteinswand
Aus der Vogelwelt der Rochlitzer Steinbrüche:
Abb. 10 Tannenmeise an der Nisthöhle in einer Felswand