Abb. 3 Auf der Gauernitzer Insel
(Aufnahme von Gustav Zieschang, Kaufbach bei Wilsdruff)

Der heute noch vorhandene sehenswerte und wohlgepflegte Schloßpark ist um diese Zeit gegründet worden. Zu einer Berühmtheit brachten es aber zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts die Zinzendorfschen Obstkulturen, die Orangerie und die Lust- und Blumengärten, welche das Schloß umgaben. Die zeitgenössischen Berichte sind des Lobes voll über die Wunder, die es damals in Gauernitz zu sehen gab. Im Jahre 1717 wurden 260 verschiedene Obstsorten angebaut, und 1724 gab es in dem reichen Blumenflor allein 204 Nelkenarten. Wasserkünste, Gewächshäuser und Wintergärten im Geschmacke damaliger Zeit schlossen den Kreis der Gauernitzer Sehenswürdigkeiten.

Die Zinzendorfe pflegten aber nicht nur den Schloßpark, sondern ließen auch der idyllischen Gauernitzer Insel ihre besondere Obhut angedeihen. Sie hatte einst eine Länge von 1245 und eine Breite von 231 Ellen; ihre heutige Fläche beträgt 6,5 Hektar. In der Nähe flußabwärts befanden sich früher zwei heute nicht mehr vorhandene Heger von 995 und 430 Ellen Länge. Die Insel wurde parkartig mit Laubholz bepflanzt und mit Gartenanlagen versehen, die leider oftmals das Hochwasser zerstörte, wie alte Nachrichten überliefern. Von der Inselmitte aus führten strahlenförmig sieben mit Linden bepflanzte Wege nach dem Gestade, und zwar so, daß man durch sie von der Mitte der Insel aus einen freien Durchblick auf sechs Kirchtürme und Schlösser in der Umgebung hatte (Schloß Gauernitz, Schloß Scharfenberg, Kirchturm von Brockwitz, Kirchturm von Weinböhla, Turm der alten Coswiger Kirche, Wackerbarths Ruhe). Heute sind einige Durchblicke durch Häuser verbaut, die Lindenalleen aber zum Teil noch erhalten. In der Mitte der Insel steht eine steinerne, mit zierlicher Bildhauerarbeit (Schlange und Blumengewinde) geschmückte Säule, die folgende Inschrift trägt: »Friedrich August Graf von Zinzendorf und Pottendorf seiner Gemahlin Luise Sophie Johanne, des Grafen Otto Rubmann Friedrich von Bylanck Tochter, geb. d. 9. Oktober 1754«. Die Säule war früher von steinernen Bänken umgeben, die im letzten Jahre – ein trauriges Zeichen unseres sittlichen Tiefstandes! – von Rohlingen zerstört und vernichtet worden sind.

Abb. 4 Auf der Gauernitzer Insel (Säule und Lindenallee)
(Aufnahme von Gustav Zieschang, Kaufbach bei Wilsdruff)

Auf der Insel wurden einst Fasanen gehegt, auch viele wilde Kaninchen wurden angetroffen, weshalb man das »Elbeiland« um die Mitte des vorigen Jahrhunderts auch die »Kaninchen-Insel« nannte. Die Überflutungsgefahr scheint also doch nicht so groß gewesen zu sein, wie die Überlieferung behauptet, da sich die Tiere sonst nicht hätten halten können.

Abb. 5 Auf der Gauernitzer Insel (Gestade am linken Elbarm)
(Aufnahme von Gustav Zieschang, Kaufbach bei Wilsdruff)

Die Glanzzeit der Insel ging in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Ende. Von einer Insel kann heute eigentlich nur noch bei höherem Wasserstande gesprochen werden. Dadurch, daß der rechte Elbarm durch einen bei Niedrigwasser begehbaren Steindamm verbaut ist, wird die Insel die größte Zeit im Jahre zur Halbinsel. Der rechte Elbarm ist eine tote Wasseransammlung geworden, die der zunehmenden Versandung und Verlandung preisgegeben ist. Die entstandenen Wasserlachen sind heute leider berüchtigte Mückenbrutherde. Durch das Zusammendrängen der Wasserfluten in den linken Elbarm ist die Überschwemmungsgefahr für die Insel außerordentlich groß geworden. Durch diese Stromberichtigungen hat also die Insel sehr gelitten, sie ist nicht mehr das reizende Idyll von ehedem, wo eine Landung und ein Aufenthalt auf ihr einer kleinen Robinsonade gleichkam. Leicht zugängig, ist sie heute gar oft ein Tummelplatz von Rohlingen und Holzdieben.