Abb. 6 Verlandeter rechter Elbarm, von der Insel aus gesehen
(Aufnahme von Adolf Heckmann, Coswig)

Trotz der teilweisen Zerstörung ihrer ursprünglichen landschaftlichen Eigenart ist die Gauernitzer Elbinsel heute noch eine Perle unter den Naturschönheiten unserer Heimat, deren dauernde Erhaltung vom Standpunkte des Natur- und Heimatschutzes aus dringend erwünscht ist. Wem wäre noch nicht das Herz aufgegangen vor Freude über die Schönheit der Heimat, wenn er von einer Bergeshöhe in der Umgebung das malerische Schattenbild der baumbestandenen Insel im Abendsonnengold oder im Vollmondschein vom blinkenden Elbstrom sich abheben sah?!

Auch in wissenschaftlicher Hinsicht ist die Insel heute noch wertvoll. »Der Botaniker und Pflanzengeograph findet in ihrem Baum- und Strauchbestand sowie in der damit verbundenen Bodenflora Reste des ehemaligen Auenwaldes, der in der Vorzeit das ganze Elbtal bedeckte, heute aber nur noch an ganz wenigen Stellen vorhanden ist. Ein solcher Ort ist die Gauernitzer Insel; sie zeigt trotz aller menschlichen Eingriffe den alten Elbauenwald in großer Ursprünglichkeit und wird dadurch zu einem botanischen Naturdenkmal ersten Ranges.« (Prof. Dr. Schorler.)

Die Insel ist weiter der Wohnplatz einer reichen Vogelwelt, die in den Frühlingstagen ihre Jubelstimmen von den hohen Baumriesen erschallen läßt und in den alten hohlen Bäumen noch ungestört ihre Brut hegen kann. Noch haben die Vögel eine Freistatt auf dem von Möwen umgaukelten Elbeiland.

Der Freund unserer schönen Heimat wird es deshalb dankbar begrüßen, daß durch die Bemühungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und durch das Entgegenkommen der Vertretung des jetzigen Besitzers der Herrschaft Gauernitz eine Vereinbarung zustande gekommen ist, nach der die ursprüngliche Eigenart der Insel, vor allem auch ihr landschaftliches Bild erhalten bleiben soll, trotzdem sich eine forstliche Nutzung des Inselwaldes erforderlich macht. Es ist ein hoher idealer Wert, der hier geschützt und geschont wird. Mögen auch materielle Opfer damit verbunden sein, der Besitzer ehrt sich selbst durch die Erhaltung dieses eigenartigen Naturdenkmals. Künftige Geschlechter werden ihm dankbar dafür sein, daß er die Ideale noch hochgehalten hat in unserer schweren Zeit, die uns so vieles raubte.

Weit vorgegriffen haben wir der Zeit in unserem Bericht über die Herrschaft Gauernitz. Bis 1804 blieb sie in den Händen der Zinzendorfe: in diesem Jahre ging sie mit allem Zubehör an den Oberforstmeister von Hopfgarten über. Nach seinem Tode geriet die Besitzung mit einer Schätzung auf 193 458 Taler 45/6 Groschen in Konkurs und wurde im Jahre 1819 vom Fürsten Otto Viktor von Schönburg-Waldenburg für 110 000 Taler erworben. Damit ging ein neuer Glücksstern auf für unser Gauernitz. Fast dreißig Jahre lang blieb freilich das Schloß noch unbewohnt. Erst als die Revolutionäre im Jahre 1848 das Residenzschloß in Waldenburg eingeäschert hatten, erwählte der Fürst Gauernitz zu seinem Sommeraufenthalte. Nach dem Tode des Fürsten Otto Viktor im Jahre 1859 kam das Besitztum als Quadrogenitur des Fürstlichen Hauses Schönburg-Waldenburg an dessen jüngsten Sohn den Prinzen Karl Ernst, der seinen dauernden Wohnsitz in Gauernitz nahm und das Schloß in kunstsinniger Weise umgestaltete. Prinz Karl Ernst starb im Jahre 1915; der Besitznachfolger wurde der Enkel des Verstorbenen Prinz Karl Leopold.

Halten wir noch einen Umblick im Schlosse selbst und in seiner nächsten Umgebung. Das umfangreiche Schloß gliedert sich in einen Mittelbau, der mit zwei Flügelbauten, dem Hohen Bau und dem Regentenhaus, den an den Park anschließenden Ehrenhof auf drei Seiten umgibt. Der Regentenflügel trägt einen Turm, der hohe Bau zeigt einen feingegliederten Renaissancegiebel. Der geräumige Wirtschaftshof wird durch das Schloßgebäude, durch Torbauten mit überbauter Einfahrt und durch die Wirtschaftsgebäude begrenzt. Unter den letzteren ist besonders die bereits erwähnte ehemalige Schloßkapelle bemerkenswert. Der Hohe Bau wird nach dem Park zu durch eine Säulenhalle abgeschlossen. Im Untergeschoß dieses Schloßteils sind noch Reste der ursprünglichen Bauanlage erhalten: zwei gotische Torbogen, die einst ins Freie führten, heute aber in die Innenräume einbezogen sind.

Abb. 7 Neudeckmühle im Tale der Wilden Sau hinter Gauernitz
(Aufnahme von Adolf Heckmann, Coswig)