Der ursprüngliche Schloßbau wurde von den Herren von Ziegler und den Grafen von Zinzendorf angelegt. In den Jahren 1862 bis 1866 unternahm Prinz Karl Ernst von Schönburg eine umfassende Erweiterung und Verschönerung des Schlosses; namentlich stammt die äußere Ausgestaltung in deutscher Renaissance aus dieser Zeit. In der Anlage und Ausstattung der Innenräume zeigt sich der vornehme Geschmack des prinzlichen Erbauers, der selbst ein feinsinniger Künstler war. Die prächtigen Festsäle, die in wundervollem Einklang abgestimmten Bibliotheksräume usw. entzücken das Auge des Besuchers. Erwähnenswert sind auch die Ahnengalerie der Zinzendorfe, die vom Prinzen Ernst in pietätvoller Weise angelegt wurde, sowie die Gemälde, die auf die Familie der jetzigen Besitzer Bezug haben.
Was aber den Schloßräumen besondere Schönheit und einen unvergleichlichen Reiz verleiht, das sind die Ausblicke auf den herrlichen Park, der das Schloß umgibt: ein Park deutscher Eigenart in meisterhafter Anlage. Baumriesen der verschiedensten einheimischen und fremden Arten, herrliche Durchblicke, trauliche Plätzchen, die einen bezaubernden Rundblick bieten hinaus in das Land, wechseln ab mit grünen Matten, blühenden Hecken und einem mit Reben überkleideten Laubengang, der im heißen Sommer eine köstliche Wandelbahn bietet.
Frühlingsboten
Von Dr. H. Beil, Pirna
Abb. 1 Märzenbecher (Leucojum vernum) (Phot. J. Ostermaier, Blasewitz)
Der Frühling naht! Die wärmenden Strahlen der Februarsonne sind zunächst das Einzige, was uns sein Kommen verkündet. Noch steht Baum und Strauch im kahlen Winterkleide. In den Dorfgärten an der Sonnenseite der kleinen Häuschen müssen wir seine ersten Boten, die Schneeglöckchen, suchen, die Weiden rüsten sich und legen ihren goldenen Frühlingsschmuck an. Aber gerade die ersten Boten des Frühlings, die wir Menschen alle Jahre wieder mit Ungeduld erwarten, haben wir so lange recht unfreundlich empfangen. Körbeweise wurden sie abgerissen, um, schon halb verwelkt, auf den Markt gebracht zu werden. Weit von der Großstadt muß man heute schon wandern, wenn man sich an wildwachsenden Frühlingsblumen erfreuen will, so weit, daß die echten Großstadtmenschen sich wundern, wenn man ihnen erzählt, daß diese Blumen, die sie nur als Gartenblumen kennen, auch auf freier Wiese wachsen, in entlegenen Gegenden, von deren Schönheit die meisten keine Ahnung haben, und es ist recht gut so, die Schönheit wäre sonst bald vernichtet. Mit ein paar solchen Pflanzen, die fast ausgestorben sind, sollen sich diese Zeilen befassen. Auf Wanderungen mit meiner geliebten Kamera habe ich sie aufgesucht und im Bild festgehalten. Das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) ist mir in Sachsen wild wachsend nie begegnet. Dagegen kommt der Märzbecher (Leucojum vernum)[4] noch in einigen Gegenden vor, trotz der Ausrottung durch unverständige Menschen. Da es ein Zwiebelgewächs ist, so ist das Ausgraben mit der Wurzel doppelt schädlich. Die Aufnahme stammt aus einem kleinen Seitental des oberen Polenztales. Während noch vor etwa 15–20 Jahren die Wiesen übersät gewesen sind mit Märzbechern, muß man jetzt schon suchen, um kleine Bestände zu finden. Welch prächtiges Bild die Wiesen früher geboten haben müssen, kann man sich vorstellen, wenn man die vom Besitzer einer Mühle eingezäunte Wiese sieht, auf welcher das Pflücken untersagt ist, und die ein Naturschutzgebiet im Kleinen darstellt.
[4] Siehe Aufsatz: »Vom Märzenbecher«, Band IV, 1915, Seite 367.
Abb. 2 Leberblümchen (Hepatica triloba)
(Phot. H. Beil)