Jahrzehntelang genügten Seidels Baulichkeiten dem Bergverkehr, bis der Friedrich-August-Turm entstand, den das Sachsenvolk aus Anlaß des 1854 erfolgten Ablebens Königs Friedrich August II., der am 9. August dieses Jahres zu Brennbüchel in Tirol tödlich verunglückt war, auf dem Rochlitzer Berg errichtete. Der Bau, entworfen vom Freiberger Professor Heuchler, ward im Sommer 1855 begonnen und am 18. Mai 1860, dem Geburtstag des Verewigten, in Gegenwart Königs Johann geweiht. Durch die Errichtung des in Porphyr gehaltenen, gebietenden Turmes erhielt die westsächsische Heimat ein weithin sichtbares Wahrzeichen, von dessen Zinnen man einen prächtigen Fernblick bis nach den Hohburger Bergen, bis Halle, Naumburg und dem Fichtelberg, sowie dem übrigen Erzgebirge genießt, das ungezählte Scharen von Fremden anzieht, zu deren Beköstigung ein Steinmetz 1860 eine hölzerne »Interims-Restauration«, die das folgende Jahr in eine steinerne umgewandelt ward, ins Leben rief.

Außer diesen beiden landesgeschichtlichen Denkmälern weist der Rochlitzer Berg noch verschiedene Denksteine auf, darunter ein Mordkreuz. Die bedeutendsten Denkmäler sind aber die sehenswerten Steinbrüche, die in ihrer Eigenart wohl einzig in Deutschland dastehen und vielleicht noch eine gesteigertere Beachtung verdienen, als sie bisher gefunden haben.

Der Einfluß der Gesteinsindustrie auf das Naturleben des Rochlitzer Berges

Von Rud. Zimmermann

Mit Abbildungen nach Aufnahmen des Verfassers

Nur selten wohl wird sich der Verfechter des Heimatschutzgedankens mit einem Steinbruchsbetrieb in einer landschaftlich schönen Gegend abfinden können. Denn allzu häufig nur – ich erinnere bloß an die Zerstörungen des Siebengebirges durch die Steinbruchsindustrie und die ganz ähnlichen Erscheinungen auch in unserem schönen Elbsandsteingebirge – werden durch ihn unersetzliche Schönheitswerte vernichtet, hervorragende Landschaftsbilder für ewige Zeiten zerstört. Ganz anders dagegen liegen die Verhältnisse in bezug auf die Gesteinsindustrie des vielbesuchten Rochlitzer Berges, die zwar auch stark verändernd auf dessen Bild eingewirkt und zweifellos gleichfalls manche Schönheitswerte zerstört, aber in noch größerem Maße solche auch wieder geschaffen hat. Der Besucher des Rochlitzer Berges, der auf schattigen Waldwegen von Rochlitz oder Wechselburg kommend und aus dem Waldesdunkel tretend, plötzlich vor den mächtigen, gipfelumsäumenden Tuffbrüchen steht, wird von dem Bild, das sich ihm darbietet, ganz eigen berührt sein. Und der tiefe Eindruck, den die Steinbrüche auf ihn machen werden und den er auch mit sich fort nehmen wird, wenn er seine Schritte wieder talwärts lenkt, wird ein noch größerer sein, wenn er gar noch von der Zinne des Friedrich-August-Turmes, durch den treue Sachsenliebe einst das Gedächtnis eines seiner naturliebendsten und naturverständigsten Fürsten ehrte, die Blicke über den weiten Bergwald, zu dessen wechselvoll abgetöntem Grün das helle Rot der in den Wald gebetteten Steinbrüche eine so eigenartige Gegenwirkung bildet, zu den blauumdunsteten Höhen in der Ferne schweifen läßt.

Aus den Rochlitzer Steinbrüchen:
Abb. 1 Blick auf die senkrecht emporsteigenden Gesteinswände

Die Geschlossenheit des den Rochlitzer Berg bedeckenden Waldes, dessen einst so schöne Misch- und alten Buchenbestände heute allerdings zum größten Teil nur noch der Vergangenheit angehören, hat durch den Steinbruchsbetrieb eine nicht wegzuleugnende Einbuße erlitten, und das Urteil des Forstmannes, der die Verhältnisse vielleicht nur einseitig vom rein forstwirtschaftlichen Standpunkt aus werten wollte, würde sich daher auch nicht immer mit dem unseren decken. Dem rein forstlichen Verlust aber steht ein ungleich höherer Gewinn in dem Wechsel entgegen, den die Steinbrüche in ein zwar an sich schon hervorragend schönes, durch diesen Wechsel aber noch wesentlich gewinnendes Landschaftsbild tragen. Die Steinbrüche des Rochlitzer Berges sind nicht, wie das so vielfach der Fall ist, an den Hängen des Berges angelegt, um diese zu entblößen und sie ihres belebenden Pflanzenschmuckes zu berauben, sondern sie gruppieren sich größtenteils wie ein Kranz um den Gipfel des Berges und sind von hier aus in die Tiefe getrieben. Die dabei entstandenen senkrechten, oft zu ganz beträchtlichen Höhen emporragenden Wände, deren lichtes Rot durch angesiedelte Algen von gelben und grauen Farbflecken übertupft erscheint und in dessen prächtige Farbenwirkungen oft auch noch auf schmalen Felsleisten angesiedelte grün-goldene Moose und andere Pflanzen weitere wechselnde Töne tragen, sind von einer ganz eigenen Wirkung. Wo dazu noch an abgebauten Stellen der Boden sich mit einer neuen Pflanzendecke überkleidet hat und auf raumengen Felsvorsprüngen niedrige, aber derbe Kiefern sich angesiedelt haben, entstehen Bilder von ganz besonderer Schönheit und seltenen Reizen.