Bergwind rauscht ums Haus, singt das Schlaflied und gibt die Töne zu des Wanderers Traummotiv »’s is Feieromd, das Tagwerk is vollbracht«.
Verstohlene Sonnenstrahlen dringen durch die Ritzen der Fensterläden ins Zimmer und bringen den Schläfer zum Erwachen. Wie schnell ist er da bei klaren Gedanken. Hei! Die Sonne scheint, da gibts Fernsicht! Ein Glück, das oft erst mit vielen vergeblichen Besuchen des Berges erkauft werden muß. So schnell wie heute hat er sich wohl lange nicht angekleidet. Auch die andern haben es eilig gehabt, sind schon im Gastzimmer versammelt. Schnell noch den Morgentrunk, dann aber hinaus zum rauhreifüberzogenen Turm und hinauf bis zum vereisten Eisengestänge.
In eine Wunderwelt blicken Augen, in ihrem Zauber versinken Gedanken, nur Entzücken erweckt das sonnige Bild so vieler Berge und Täler, über denen sich von den weiten, weißen Horizontlinien herüber der tiefblaue Himmelsdom wölbt. Erhaben ist der Eindruck, unverwischbar prägt er sich im Gedächtnis ein, unvergessen wird er bleiben.
Nur schwer können sich die Wanderer von dem Ort des Erdenentrücktseins trennen. Doch sie tragen Freude mit heim und Stolz, daß deutsches Land so schön ist.
Deutsche Heimat – deutsches Lied
Ein Beitrag für Beseelung der Zeit
Von Max Zeibig, Bautzen
Ein merkwürdig Jahr ist von uns gegangen und in das ewige Meer der Vergessenheit hinabgetaucht. Es strahlte Heiterkeit in einem sonnenhellen Frühling und brachte einen Sommer, der voll köstlicher Reife war. Der Herbst kam und stand in tiefem, lachenden Blau über uns, immer in Klarheit und Schönheit. Erst der späte November verhing den Himmel mit düstren Wolken, und die herbstlichen Schauer ließen daran denken, daß es ein dunkles, kummervolles, leiderfülltes Jahr gewesen.
Das Neue kam mit Sturm und Regen, ganz, als wollte es bedeuten, daß deutsche Notzeit ist, sonnenarm und freudenleer.
Ein Wort genügt, um diese Stimmung zu rechtfertigen: Oberschlesien! Verlornes Land ringsum im deutschen Reiche, und das deutsche Volk wird von Erschütterung zu Erschütterung geworfen. Bricht ja einmal ein lichter Hoffnungsstrahl in das Dunkel der Zeit, so wird er nur zu bald wieder von düsteren Wolken verdämmt. Der Grundzug unseres Lebens aber bleibt Leid. Freilich sind der Tränen schon viel geweint, und eine stille Ergebung hat dem lauten Schmerz Platz gemacht. Hierin liegt allerdings die Gefahr, daß das Volk in seiner Gesamtheit apathisch wird. Dann führt das Leid zur Schwäche. Wir müssen darum Quellen des Trostes und der Kraft suchen und daraus schöpfen. Solche Quellen scheinen mir Heimat und Lied.