Es sind zwei Worte, die so schlicht und bescheiden klingen, und doch vermögen sie uns über die Armutei unseres Lebens zu erheben; denn sie haben etwas von jenem unverlierbaren Reichtum in sich, der seit Jahrhunderten in den deutschen Seelen lebte. Man kann reich sein und unendlich arm an Freuden, und man kann arm sein und großen Herzensreichtum besitzen; wir müssen nur das unsagbar große Glück erkennen, das im Kleinen verborgen ruht. Ein solches Glück ist uns in aller Not die Heimat.
Früher wanderten wir hinaus in die weite Welt, wohl gar um die ganze Welt; die Heimat selbst aber blieb uns oft ein verschlossenes Buch. Jetzt bannt uns die Not an die Scholle. Vielleicht liegt hier in allem Unglück ein Glück. Wir werden untereinander inniger zusammengeschmiedet. Es geht eben nicht mehr an, daß wir dem Volke Klassenhaß predigen, wenn anders wir uns nicht unser eigenes Grab graben wollen; wir werden fester im Boden verwurzelt und erkennen staunenden Auges die großen Schönheiten der Heimat. Als wir im Felde waren, brannten unsere Seelen in Heimweh, nun, da wir heimgekehrt sind aus Schlacht und Grauen schmeicheln wir dem schmerzensreichen Wort aus harten Kriegsjahren und erkennen in ihm den Garten glückseliger Kinderzeit und sehen in ihm die heilsame Trösterin bis in die Abendschatten unseres Menschenlebens. Und so liegt in dem Worte Heimat eine selige Hoffnung auf bessere Zeit.
Unsere Kinder nehmen wir in frommer Andacht bei den Händen und erziehen sie im tieferen Sinne des Heimatschutzes, lehren sie über und hinter die Dinge sehen, bauen ihre Herzen zu Hütten, darinnen die Heimatliebe erblüht aus Freude an der Heimatschönheit und darinnen Heimattreue wächst als gesunde Frucht. Solche Heimatgefühle aber sind die besten Grundlagen zu einem bewußten Deutschtum, zu dem wir uns und unsere Jugend erziehen müssen, wenn wir endlich einmal aus all dem deutschen Leid heraus wollen.
Wo wir die Spuren der Heimat suchen und auf ihren Wegen gehen, ist uns im deutschen Lied ein treuer Begleiter zur Seite. Fremd ist der stillen schönen Heimat der Gassenhauer, jener Sang, der sich wie eine feile, geputzte Dirne buhlerisch aufdrängt, jener Sang, der immer geistloser und verblödeter wird und einer allgemeinen Entsittlichung nicht nur in der Großstadt, sondern auch auf dem einst so gesunden Lande den Weg liebedienerisch bereitet. Die Heimat will ein Volkslied, das in seiner Schlichtheit ist wie eine Blume im tiefen Wiesengrunde, das da klagt:
»Es ist bestimmt in Gottes Rat,
das man vom Liebsten, was man hat,
muß scheiden,«
das da scherzt:
»Horch was kommt von draußen rein!
Holla hi, holla ho,