Mag auch manchem zeitgemäß Denkenden ein solcher gesetzlich festgelegter Kunstschutz als Eingriff in private und angeerbte Rechte erscheinen, so wird doch jedem Freunde unserer Heimat und ihres Kulturbesitzes, der mit offenen Augen verfolgte, was in den letzten Jahren auf dem Kunstmarkte vorging, eine gesetzliche Handhabe willkommen sein, die hier ein Eingreifen gestattet und retten hilft, wo noch zu retten ist.
Trotz seiner ständig schwieriger sich gestaltenden finanziellen Lage hat das Landesamt im Kriege und in den folgenden Jahren die Arbeit nicht ruhen lassen und es soll hier in Kürze den Freunden unserer Bestrebungen aus der Fülle des bearbeiteten Materials einiges im Beispiel geboten werden.
Wie bisher, so lag auch in den vergangenen Jahren die praktische Arbeit des Landesamtes in der Hauptsache auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst, und beträchtlich ist die Zahl der Ölgemälde, Altaraufsätze, Kruzifixe usw., die in dieser Zeit als Kranke und Invalide in die Werkstätte des Landesamtes eingeliefert wurden, und die nun wieder in alter Schönheit die Dorf- und Stadtkirchen unserer sächsischen Heimat zieren. Mannigfaltig und zahlreich sind diese Krankheiten, und die jahrzehntelange Übung und Erfahrung der Künstler und Restauratoren der Werkstätten gehört dazu, deren Ursachen richtig zu erkennen und die geeigneten Heilmittel dafür zu finden.
Wie aber der kranke Mensch selten gut dabei fährt, wenn er einem Kurpfuscher sich anvertraut, so mag auch an dieser Stelle einmal eindringlich davor gewarnt werden, die Wiederherstellung kranker Kunstgegenstände Leuten anzuvertrauen, denen keine Erfahrung in diesen Dingen zugestanden werden kann. Gurlitts kleines Werk »Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler« kann hier ein guter Führer und Wegweiser sein.
Im Kriege noch wurde der mächtige Altaraufsatz aus der Nikolaikirche in Döbeln, der dringend der Erneuerung bedürftig war, in die Werkstätten des Landesamtes überführt. Das in Holzplastik und Malerei auf das reichste ausgestattete Kunstwerk ist ein Flügelaltar aus katholischer Zeit, und gehört mit seinen Abmessungen von fast elf Meter Höhe und fünf Meter Breite zu den größten der in Sachsen noch erhaltenen Altarschreine. Der Meister, der dies Kunstwerk schuf, ist nicht bekannt, doch rät Steche auf einen Meister Hans Degen aus Dobeleyn, der auch den Hauptaltar der Kreuzkirche in Dresden in den Jahren 1513 bis 1515 fertigte.
Die kostspieligen und umfangreichen Erneuerungsarbeiten wurden von den Künstlern des Landesamtes mit bestem Erfolg durchgeführt und der Altar Pfingsten 1919 an Ort und Stelle wieder aufgerichtet.
Der große, herrliche Altaraufsatz aus der Kirche zu Ehrenfriedersdorf, ein künstlerisch hoch zu bewertendes Werk des beginnenden sechzehnten Jahrhunderts, ist der Öffentlichkeit durch eine vieljährige Aufstellung in der Gemäldegalerie zu Dresden bekannt geworden. Auch dieser war dem Landesamt als dringend erneuerungsbedürftig anvertraut worden und wurde durch seine Werkstätten sachgemäß instand gesetzt. Jetzt ziert er nun wieder die malerische alte Kirche des Erzgebirgsstädtchens, deren massiver Turm noch heute das charakteristischste Wahrzeichen im Stadt- und Landschaftsbilde ist, wenn er auch seines hohen mittelalterlichen Wehraufbaues schon seit langem verlustig gegangen ist.
Ein recht interessantes Stück sächsischer Plastik des Mittelalters stellt ein Flügelaltar vor, der für die Gemeinde zu Plohn im Vogtlande im Jahre 1918 in den Werkstätten wiederhergestellt wurde. Eine fein empfundene und gut durchgebildete Madonnenstatue der spätgotischen Zeit steht im Mittelschrein vom Strahlenkranze umgeben, in den Flügeln zu beiden Seiten die Figuren der heiligen Katharina und der heiligen Barbara. Deutlich läßt aber bei diesem Beispiel die Umrahmung des Schreines die Übergangszeit und die Formensprache der nunmehr neu auftretenden Renaissance erkennen. Noch späterer Zeit entstammt die zugefügte hölzerne Predella. Der Altar, der lange Jahre in einem Raume des Plohner Rittergutes aufbewahrt wurde, ist nach der Erneuerung wieder in der Dorfkirche zur Aufstellung gekommen.
Die neue Jakobikirche zu Freiberg besitzt seit alters einen großen Schnitzaltar, den der Meister Bernhard Diterich, Bildhauer und Bildschnitzer zu Freiberg im Jahre 1610 anfertigte. Reich bewegte Reliefs in Holzschnitztechnik füllen hier die einzelnen Felder des architektonisch gegliederten Aufbaues. Das ganze Kunstwerk war jedoch derart vom Holzwurm zerfressen, daß eine durchgreifende Imprägnierung sich nötig machte, die im Herbst vergangenen Jahres durch die Werkstätten des Landesamtes mit vollem Erfolg und an Ort und Stelle durchgeführt wurde. Gleichzeitig wurde auch ein kleineres Schnitzaltarwerk desselben Meisters Diterich, das sich in der Kirche zu Kleinschirma befindet, erneuert.
Noch viele andere Kunstwerke von Wert harren in den sächsischen Kirchen der dringend nötigen Auffrischung, aber zu gering sind leider diesen Anforderungen gegenüber die Mittel, die zur Verfügung gestellt werden. So muß sich die Konservierungstätigkeit des Landesamtes in der Hauptsache auf kleinere Stücke beschränken.