Abb. 1
Plohn, Altar, geöffnet nach der Wiederherstellung
Manch schönes Kunstwerk wäre da zu nennen, das im Laufe der letzten Jahre seine Auferstehung von einem Kirchenboden herab gefeiert hat. So hat unter anderem die große, freundliche Kirche zu Mildenau im Erzgebirge sich eine kleine »Pieta« von edler Formensprache wiedergeschenkt, die nun heute zusammen mit Teilen alter Flügelaltäre das Kircheninnere ziert. Eine größere, sehr schöne Beweinungsgruppe wurde in gleicher Weise für die Kirche zu Hilbersdorf wieder vorgerichtet, und es ist erfreulich zu bemerken, daß mehr und mehr doch gerade diesen, durch Tradition und Kunstwert gleichermaßen geadelten Erzeugnissen einer vergangenen Zeit wieder Liebe und Verständnis entgegengebracht wird. Freilich sind auch, trotz aller Bestrebungen von Denkmalpflege und Heimatschutz noch immer betrübliche Fälle von Vernachlässigung, Gleichgültigkeit, wenn nicht Schlimmerem zu verzeichnen.
Abb. 2
Hilbersdorf, Gruppe der Pieta vor der Herstellung
Mit der sich wieder regenden Bautätigkeit beginnt auch vielen Ortes wieder die Pflege der Kirchengebäude in Fluß zu kommen. Im Kriege noch wurde die kleine, reizvoll im Landschaftsbilde gelegene Kirche zu Harthau bei Chemnitz auf Anregung des Landesamtes erneuert und so vor dem Schicksal des Abbruchs, das ihr nach Errichtung der neuen Kirche drohte, glücklich gerettet. Noch während des Krieges trat man dem Gedanken näher, den stimmungsvollen Kirchenraum als Gedächtnishalle im Sinne einer Kriegerehrung auszugestalten und 1915 wurde bereits in diesen Blättern darauf eingegangen. Jetzt scheint der Gedanke Form zu gewinnen und seiner Verwirklichung entgegenzugehen.
Abb. 3
Innenansicht der Kirche zu Großrückerswalde (Zustand Mai 1921)
Die prachtvolle alte Wehrkirche zu Großrückerswalde bei Marienberg, eine der wenigen und schönsten der von ihrer Art in Deutschland überhaupt erhaltenen, hatte durch Wind und Wetter auf ihrer stolzen Höhe stark gelitten. Die Gemeinde hat sich nun in dankenswerter und nachahmenswürdiger Weise entschlossen, die für einen Kirchenneubau dereinst angesammelten Gelder für die Erhaltung des schönen, alten Gotteshauses auszugeben. Mit den Erneuerungsarbeiten ist bereits begonnen worden.
Es wäre zu wünschen, daß dem guten Beispiel auch andern Ortes gefolgt würde. Manch unscheinbar gewordener alter Bau könnte so zu neuem Leben erwachen und mancher Zeuge vergangener großer Tage erhalten werden.