»Seit dreißig Jahren war ich bemüht, meine Geburtsstadt Freiberg in seinen öffentlichen Anlagen durch kleine Monumente und durch einige Privatbauten vor den Toren zu verschönern. Die … möge aus dieser freimütigen Behelligung meinen Eifer für die Ehre Freibergs hochgeneigtest erkennen.«

In der Zeichnung wird von ihm durch die in das Dach eingezeichnete unterste Firstlinie die Höhe des künftigen flachen Daches angedeutet.

Auf diese Eingabe erging sofort Anordnung an den Stadtrat, den Bau einzustellen.

Am 19. Juni bereits fand außerordentliche Ratssitzung statt, in welcher es Heuchler nicht gut gegangen sein mag. Sofortiger Bericht wurde beschlossen und die Reise des Bürgermeisters und Stadtbaumeisters nach Dresden, um mit dem Kreisdirektor und dem Landbaumeister Hänel Rücksprache zu nehmen, da es »nicht nur im Interesse des Baues, sondern auch vornämlich zur Wahrung der obrigkeitlichen Autorität dringend wünschenswert erscheint, die Entscheidung herbeizuführen.«

Nicht mehr der unbeschädigte Wert des Baues, sondern die unbeschädigte Autorität von nicht sachverständigen Laien wurde als Banner im Kampfe aufgepflanzt.

Abb. 1 Das Freiberger Rathaus mit dem alten hohen Ziegeldach vor 1857. (Skizze nach Heuchler)

Dieser Bericht ist acht enggeschriebene Seiten lang und ist ein Zeugnis für die Bewegung, welche das Vorgehen Heuchlers im Ratskollegium bewirkt hatte. Die Schäden des Rathauses werden natürlich gewaltig übertrieben. Dann aber strotzt der Bericht von persönlichen Angriffen auf Heuchler, die jede Sachlichkeit vermissen lassen. Sein Vorgehen wird hämisch, ungehörig, gehässig genannt. Es wird angezweifelt, daß er »wirklich von lauteren Triebfedern beseelt und von wahrhaftem Eifer für die Sache und von aufrichtigem Sinne für das Gemeinwohl erfüllt wäre.« Es wird ihm vorgeworfen, daß er nicht vorher sich an den Stadtrat gewendet habe. »Wir müssen hiernach annehmen, daß er sich absichtlich der Wahrheit verschloß, um so desto sicherer mit seinen hinterrücklingen Plänen und ungescheuter zur Unzeit hervortreten zu können.« Seine Eingabe sei nur »das Produkt gekränkten Ehrgeizes oder sonstiger damit verwandter Seelenaffektion.«

Heuchler sei eine »Persönlichkeit, die eine fremde Ansicht nicht anerkennt und sich über alle durch die Gesetze gebotenen Formen solche nicht anerkennend, erhebt.« Es wird ironisch »seiner Talenten im Baufache, namentlich im Zeichnen und Ornamentenfache bis zu einem gewissen Grade gern alle Anerkennung« gezollt, nachdem er vorher als geschäftlich unzuverlässig hingestellt ist. An der Zeichnung wird bemängelt, daß das alte Dach zu niedrig gezeichnet sei. Der alte First läge in der Höhe der oberen Linie c. d., der neue in Höhe der mittleren Linie. Zum Schluß wird baldige Entschließung erbeten, damit »das Ansehen der Behörde und Gemeindeorgane durch dergleichen unwürdige und unlautere Mittel nicht gelähmt und in den Augen des hiesigen Publikums, dem schon lange zuvor – wahrscheinlich aus derselben unlauteren Quelle – die Nachricht einer verhangenen Baususpension erzählt worden ist, geschmälert« werde.

Dieses unsachliche Schreiben wurde nun in Dresden überreicht und mündlich erläutert. Die Entscheidung erfolgte sofort, ohne daß ein Sachverständiger nach Freiberg geschickt und ohne daß Heuchler auch nur noch einmal gehört worden wäre und zu den Anwürfen sich hätte äußern können, denn, wie es in dem Bescheide vom 27. Juni 1857 heißt, es sei dem Stadtrat nicht entgegenzutreten gewesen, »als ohnehin das Rathaus zu Freiberg keineswegs in einem solchen reinen Baustile ausgeführt ist, daß auf seine unveränderte Erhaltung vom architektonischen Gesichtspunkte aus ein … überwiegendes Gewicht gelegt werden könnte.«