Ein Buch von Kinderland und Heimat von Max Zeibig

II. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz[2]

Mit diesem für den Heimatfreund und jeden stillen Lauscher und Seher vielversprechenden Titel hat uns der Heimatschutz ein neues schönes Bändchen in der Reihe seiner Heimatbücher im schmucken grünen Gewande auf den Weihnachtstisch gelegt. Heinrich Sohnrey hat ihm ein gehaltvolles Geleitwort mitgegeben, das die innigen Gemütswerte, die Kraft und Freude, welche in diesem Buch aus der Heimat und für die Heimat sprudeln, so recht würdigt. Ein Wort, das am Schlusse einer der tiefempfundenen Schilderungen steht, hat mich besonders festgehalten: »Wir können nicht irre gehen, wenn wir nach den Sternen schauen!« Dieses Wort und der Titel klingen mir zusammen mit Wilhelm Raabes Wort: »Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen.« Dieses Wort gibt in kurzer gedrängter Form den wertvollen tiefen Inhalt, geistigen Gehalt und das Gefühl an, welches in dem Buche lebt. Es läßt uns durch bunte Gassen, helle Straßen, durch Wald und Feld, durch Berg und Heide, durch Kinderland und Heimat ziehen und achthaben auf allerlei Großes und Kleines, Altes und Neues, Liebes und Leides, und läßt uns dabei nach den Sternen schauen, und innerliche Freude und Gewinn davontragen. In reichen farbenbunten Schilderungen und mit innigem Gefühl sind Bilder der engeren und weiteren Heimat gegeben, so daß das Herz höher schlägt, und die Sehnsucht lebendig wird, alle die Herrlichkeiten um uns mehr und mehr zu suchen, sich eigen zu machen und innerlich zu erleben, alle, welchen die Augen noch verschlossen sind oder welchen das Leben nur grau, trübe und müde ist, heranzuführen an diesen Jungbrunnen unsrer Kraft und innerlicher Gesundheit, daß sie froh und frisch und helläugig werden und stark im Erleben der Heimat und im inneren Besitze der Heimat. – Aus der Jugend, die ihm Dresden und seine herrliche Umgebung verklärt, aus dem Mannesalter und Berufsleben in der Lausitz und dem altehrwürdigen malerischen Bautzen, aus der Heide, ja auch aus Thüringen und den schlesischen Gebirgen kommen die Stimmungen, welche sich zu Bildern formen, die Gedanken, welche in echt deutschem Naturleben und Beseelung aus dem Stofflichen ins Geistige und dichterisch Geschaute emporführen, zu den Sternen schauen lassen und alles Sein und Geschehen mit innerer Wärme umfassen zu verstehen und ans Herz zu nehmen suchen.

Sich dieser Führung durch heimatliche Fluren anzuvertrauen bedeutet eine innere Freude und Gewinn und weckt Stimmungen, welche hoch über den Alltag erheben. Wenn unsrer Jugend so die Augen und das Herz aufgingen für die Heimat, daß jeder draußen ein Entdecker immer neuer Freude, sich selbst ein Schöpfer eines eigenen inneren stillen Königreiches selbstgefundener, tiefempfundener Heimatschönheiten sein kann, dann mag und wird aus tiefgewurzelter Heimatliebe wieder der Baum lebendigen bewußten Deutschtums, deutschen Stolzes und deutscher Kraft erwachsen. Gebt darum dies Buch in die Hände der Jugend. Wenn ihr wandert, nehmt es mit und bei stiller Rast lest einen Abschnitt und lauscht auf die Stimmungen, welche in euch und um euch lebendig werden. Stille Lauscher, stille Seher, nicht laute Lärmer! Wenn ihr im engeren Kreise daheim oder unter Freunden vom Wandern plaudert, dann schlagt das Buch auf, und ihr werdet fühlen, wie eure Erinnerung lebendiger, farbiger wird, wie die Stimmung froher Wanderzeit in euch erwacht zu neuem vertieften seelischen Erleben, wie auch in bitterer Zeit ein Trostgefühl und frohgemute Kräfte daraus erblühen können.

Möge das Büchlein viele froh machen, ihre Augen öffnen und ihre Herzen erheben, daß sie es lernen: »Wir können nicht irren, wenn wir nach den Sternen schauen.«

Gustav Rieß, Freiberg

[2] Preis M. 15,– für die Mitglieder des Heimatschutzes, sonst M. 18,–. Bestellkarte in diesem Heft.

Zur Geschichte des Storches in Westsachsen

Von Rud. Zimmermann

In seinem Beitrage »Störche und Storchnester im östlichen Sachsen« (Mitteil. Sächs. Heimatschutz VI, 1917, Seite 99 bis 112) stellte Klengel weitere Mitteilungen auch über die Störche und Storchnester in Westsachsen in Aussicht. Zusammen mit weiteren Nachrichten über den ostelbischen Bestand gab er diese dann im folgenden Jahrgange (VII, 1918, Seite 34 bis 46), beschränkte sich dabei aber, soweit das Land westlich der Mulde in Frage kam, lediglich nur auf ein recht knappes Zitat aus Heyders Ornis Saxonica. –