Abb. 21 Hermann Vogels Märchenwald (oberes Vogtland)

Abb. 22
Oelsnitz (Vogtland)

Vom Falkenberg gleitet abschiednehmend der Blick hinüber in das altbekannte Bergland, wo droben auf den Spitzen die letzten Sonnenstrahlen feurig lohen, drunten in den Tälern aber schon die Dämmerung ihre Flügel ausbreitet. Dann heißt es gewaltsam sich losreißen von dem erhabenen Anblick. Eilend geht es tief hinab ins Markhausen-Tal gen Klingenthal. Ein hindernd im Weg stehender Gartenzaun muß überstiegen werden, denn der Zeiger der Uhr rückt unablässig weiter, und der Zug wartet nicht.

Ein naturliebend Herz aber ward entflammt beim Schauen des Landes um Klingenthal und Graslitz und diesmal das einer jugendfrischen, lebensprühenden, gertenschlanken Wanderin.

[1] Siehe Mitteilungen Heft 6, Band III: Das Kranichseemoor bei Carlsfeld im Erzgebirge, ein Naturschutzbezirk Sachsens von Professor Dr. Arno Naumann.

Bergwinter

Von Curt Sippel, Plauen

Einem kurzen vorweihnachtlichen Winter folgte eine schneelose Jahreswende. Tagtäglich spannte sich blauer Himmel über der schlummernden Flur, lockten warme Sonnenstrahlen zu neuem Werden. Schon waren die linden Lüfte erwacht, standen frühlingsahnend die braunen, warmen Schollen, schmückten sich die Haselnußstauden mit gelben Gehängen und steckten die Weiden ihre weißbraun schimmernden dicken Kätzchen auf. Nun armes Herze sei nicht bang, es wird sich alles, alles wenden! Aber der Überkluge brachte es nicht zu dem neubelebendem Stimmungsaufschwung, den ihm sonst die ersten Frühlingsboten erregten. Zu bald noch; es kommt der Rückschlag, sagte ihm seine unfehlbar überlegene Vernunft. Und sie hatte wie immer recht. Der Himmel verlor sein blaues Leuchten, unter trübem Gewölk verkroch sich Frau Sonne, nach Norden sprangen die Wetterfahnen.