Aber allmählich weht der Abendwind kühler von Westen, wo schon die zackige Linie des Tharandter Forstes schwarz gegen den im letzten Abendschein grell gelben Himmel steht. Noch eine kurze Rast im behäbigen Erblehngericht von 1695 und eine halbe Stunde sanftes Abwärtsschreiten über die Hochfläche erst, dann am Berghange, in dessen hohen Fichten schon die Käuzchen sich ernst und leidenschaftlich suchen, dann nimmt uns mit einbrechender Mondnacht das anheimelnde Gewirr der alten stillen Straßen des leise einschlummernden Tharandt auf.

Wanderbilder aus den Grenzgebieten der Oberlausitz und Nordböhmens

Vom Architekten Professor Richard Michel, Görlitz

5. Von Zittau zur Bertsdorfer Kirche[8]

Das mächtig aufsteigende Werk des genialen Friedrich Schinkel, die Westfront der Johanniskirche, im Rücken lassend, entlang der engen Weberstraße, vorüber an einigen der besten alten bürgerlichen Prachtbauten des »Zittauer Barocks« und an der mittelalterlichen, ehedem unter freundlich rotem Ziegeldach dreinschauenden »Weberkirche«, durch die »Webervorstadt« und »Alte Burggasse« wandernd, gelangt man bald hinter der einstmaligen Burgmühle auf »Altzittaus Gründungsstätte« mit dem Burgberg und dem Burgteich.

Schutzdämme mit kraftvoll aufragenden knorrigen deutschen Eichen umsäumen Matten und Gehege in der zwischen Mandau und Burgmühlgraben gelegenen Umgebung dieses historischen Winkels, der im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einer anziehenden Hainanlage ausgebildet worden ist.

»Hier entstand Zittau«

so lautet die Inschrift des Denksteins auf dem Burghügel zur Kennzeichnung der Stelle, auf welcher im dreizehnten Jahrhundert wahrscheinlich die erste Schutz- und Wehrstätte burgartig angelegt wurde.

Vom vorderen Burgdamm, nächst der Mandau, zeigt sich dem Auge ein schönes Landschaftsbild, das die geschlossene Kette des Iser-, Jeschken- und Lausitzer Gebirges mit feiner Linie segmentförmig als Hintergrund säumt. Tafelfichte, Jeschken, Hochwald und Lausche treten klar in den ihnen eigenen Formen hervor.

Im Mittelgrund, hinter dem Mandauufergelände mit den aufsteigenden Wiesenhängen erhebt sich links die Olbersdorfer, rechts die Hörnitzer Kirche, dazwischen, hinter entfernter liegenden Geländewellen der weißleuchtende Turm der Bertsdorfer Kirche, als ein seit altersher dem Wanderer entgegenwinkendes, weithin sichtbares Wahrzeichen.