Vom westlichen Dammende, welches eine mächtige alte Eiche schützt und schirmt – eine Reckin ihrer Edelart, – um deren Fuß ihres etwa 1,75 Meter im Durchmesser starken Stammes eine holzgezimmerte Bank den Wanderer zur Rast einladet, führt der Weg weiter am Mühlgraben-Stauwehr vorüber über die steinerne Mandaubrücke nach Hörnitz. Hier, das durch ein Turmpaar flankierte, giebelreiche, massig gedrungene Althörnitzer Schloß. Ein vom kunstsinnigen Zittauer Bürgermeister Hartig 1651–1654 errichtetes Baudenkmal hervorragender Art der deutschen Spätrenaissance, das sich auszeichnet durch Verhältniskunst und wuchtende Massenwirkung, wie solche hier besonders die Südseite zeigt.

Beim Anschauen des gesamten Schloßbereiches mit dem Park und Gutshofe versenken sich die Gedanken in die alte Bauweise, in das Großzügige des Baugeistes vergangener Geschlechter, unter welchen die Gestaltung solcher einheitlicher Baugruppen in der Landschaft, mit den Elementen dieser, so durchgeführt werden konnte.

Großartig eindrucksvoll wirkt beispielsweise das durch wunderlich verzweigtes Geäst und feines graugrün schillerndes Laub der mächtigen Kronen zweier Silberpappeln gezierte Einfahrtstor des Schloßguthofes.

Dem Baugeist einer hundert Jahre späteren Zeit verdankt das unweit entfernte ehemalige Neuhörnitzer Schloß, das der Zittauer Kaufmann Gottfried Hering 1751 errichten ließ, seine gute Gestaltung.

Der zwischen beiden schloßherrlichen Anlagen liegende, Alt- und Neuhörnitz trennende wohl älteste Ortsteil »Wall« genannt, gleicht der Anlage einer Wasserburg kleinsten Maßstabes. Ein noch teilweise vorhandener, durch Quellwasser gespeister Wassergraben umgibt eine auf kleiner Insel liegende Wohnstätte. Die in unmittelbarer Nähe rundherum errichteten alten kleinen Fachwerkhäuschen ergänzen die eigenartige Anlage, deren Entstehung mutmaßlich mit der der Zittauer Burgbergwarte erfolgt sein mag in grauer Vorzeit.

Von der von Hörnitz nach Bertsdorf ansteigenden, über einen Geländesattel führenden Landstraße sieht man, nah und fern, rundum in eine liebliche, wechselreich geformte Landschaft – ein Mosaik von zahlreichen Ortschaften des östlichsten Sachsenlandes mit dem schönen Stadtbild Zittaus.

Über dem Sattel, an der Straßensenkung, beginnt einladend der Anfang der hier versteckt in der Dorfbachmulde eingebetteten Ortschaft Bertsdorf, die sich in der Richtung zur Lausche, welche zwischen den Höhen des Jonsberges und Breitenberges den Hintergrund füllt, hinzieht, und allmählich im Gelände hervortretend, hinaufführt bis an den Fuß des Pocheberges.

Zu beiden Seiten des klar dahinrieselnden Dorfbaches und der Straße, sowie an und auf Wiesenhängen bauen sich mannigfach in alter Bauart die Wohnstätten des Häuslers, Webers, Handwerkers, Kleinbauern und die Gebäudemassen ansehnlicher Gutshöfe auf, mit verschiedenartigen, alterhaltenen Gefach-, Ständer-, Riegel-, Bretterwerk und Umgebinden, mit großflächigen, nur durch Dachluken und die Esse belebten Stroh- und Ziegeldächern, an deren Traufen vielerseits die Holzrinne sich zeigt. Steinerne Haustürstöcke mit manchem eigenen Schmuck und sonstigem Überbleibsel guter, sinniger Kleinkunst ausgestattet, sowie die im Pfarrhause gut erhalten gebliebene alte Bemalung einer Holzdecke, legen Zeugnis ab vom Können der vormals volkskünstlerisch tätig gewesenen Kräfte.

Über den Bach sich wölbende alte Quadersteinbrücken verleihen ihrer Umgebung idyllisch-malerische Reize. Die schiefwinklige Straßenbrückenanlage am Kirchgeländefuße mit zinnenartiger Brustwehrkrone, die einzelnen oberlausitzer Brücken solcher Art eigentümlich ist, möge als ein nachahmenswertes Beispiel besonders erwähnt sein. An dieser Steinbrücke ist eingemeißelt die Jahreszahl 1812.