So falsch wie eine Schlange, die auf der Erde rumkriecht,
So falsch ist ein Junggeselle, wenn er sein Mädel verführt.
Und wenn er sie verführet hat, auf off’ner Straß’ läßt er sie steh’n,
Da denkt sie in ihrem Herzen, wo soll ich nun weiter hingehn?
Der Apfel ist schön rosenrot, schwarze Körner sind darin.
Und wenn der Bursch geboren wird, trägt er einen falschen Sinn.
Ein falscher Sinn, ein froher Mut, das ist der Burschen Gebrauch,
Drum gibt es so viele in Friedersdorf, die lieben die Falschheit auch.
(Friedersdorf.)
In vielen Liedern treten dramatische und epische Bestandteile neben den lyrischen stärker hervor. Mehr oder weniger reine Balladen entstehen. Dazu gehört das schon von Herder im Elsaß aufgezeichnete Lied vom Grafen: »Ich stand auf hohem Berge«, das mit geringen Abweichungen in der ganzen Lausitz verbreitet ist, ferner das Lied: »Es war einst eine Jüdin«, das in etwas umgestalteter Weise den Stoff der Königskinder behandelt und nach der Weise des Grafenliedes gesungen wird. Eine andre Ballade, die mit dem so sehr beliebten Anfang anhebt: »Es stand ein’ Lind’ im tiefen Tal, ist oben breit und unten schmal«, an den sich aber wenigstens drei verschiedene Lieder anschließen, die inhaltlich kaum etwas Gemeinsames haben, enthält einen schönen Liebesgruß, der schon seit dem Ruodlieb (1030) eine beliebte Gedichtform darstellt. Das Mädchen schickt mit dem Boten an ihren Liebsten, der sie vermeintlich verlassen hat, folgende Wünsche: