Im Kurfürstentum Sachsen fanden die Anläufe zum Hof- und Staatspostbetrieb, die auf 1500 zurückgehen, eine außergewöhnliche Förderung durch August den Starken (1694–1733).

Trotz des geschichtlichen Zerrbildes, das der Film neuerdings von ihm für den Sensationsbedarf des Kinos zusammengestückelt hat, ist diesem glanzvollen und ideenreichen Fürsten eine ganze Anzahl großzügiger Pläne zu danken, die er zumeist ganz persönlich mit sicherem Blick aufgriff und mit zielbewußter Energie verfolgte.

Sein schönheitsliebender Sinn umkleidete dabei in eigenartiger und höchstpersönlicher Weise die Erscheinungen des alltäglichen Lebens mit künstlerischen Formen. Weit über die heutigen grünweißen Grenzpfähle hinaus finden wir deshalb noch jetzt neben den monumentalen Schauplätzen seiner prunkvollen Hofhaltung, neben den beredten Zeugnissen seiner Liebe und seines unvertilglichen Hasses, auch eine ganze Anzahl Schöpfungen, die fast aus dem Geiste neuzeitlicher gemeinnütziger Ideen geboren erscheinen.

Das Postwesen, dessen Nutzen und Bedeutung er bei seinen verschiedenen Besuchen auf der Leipziger Messe selbst kennen gelernt hatte und für den regen Verkehr mit befreundeten Höfen selber andauernd in Anspruch nahm, gab ihm Anlaß zu einer Reihe von Staatserlassen, denen seine Landeskinder zwar samt und sonders mit sorgenvollem Kopfschütteln und ehrerbietigstem Protest begegneten, die ihre Probe aber doch vor dem Urteil der Geschichte glänzend bestanden haben. Trotz des Heerestrosses und der goldenen Prunkkarossen, die seinen Reisezug bildeten, durchschaute er mit scharfem Blick die ganze Jämmerlichkeit des Verkehres von Stadt zu Stadt. In einer Zeit, die weder Straßen noch Wegweiser noch Landkarten kannte, wird auch die mündliche Auskunft durch das Landvolk im allgemeinen nicht weit über die eigene Flur hinausgereicht haben. Neben Förderung des Straßenbaues, Beaufsichtigung des Vorspanndienstes und Festlegung der Posttaxen schuf er deshalb den Plan, nach dem Vorbild römischer Cäsaren, in sämtlichen Städten seiner Kurlande und vor all ihren Toren wappengeschmückte Säulen zu erbauen, auf denen die Wegrichtung und Entfernung der Hauptorte in Meilen oder Wegstunden einzuzeichnen wären. An den Poststraßen selbst sollten sodann von Viertel- zu Viertelmeile kleinere Merkzeichen aufgestellt werden, die über das nächste Ziel Auskunft gaben und die Entfernungen kenntlich machten.

Die künstlerischen Entwürfe zu diesen Distanzsäulen und Meilenzeichen stammten von der Hand des schönheitsliebenden Fürsten selber. Die Vorliebe für den schlanken, nadelartigen Obelisken, den wir bei seinen Jagdzeichen und Marksteinen in kleinem Ausmaß z. B. noch heute als Bezeichnung von Flußübergängen oder in Riesengröße als Richtpunkte seiner Zeithainer Truppenschau in der Landschaft antreffen, zeigt sich in mehrfacher Wiederholung auch bei der Handzeichnung der Poststeine.

Abb. 1 Handzeichnung aus Schramm

Die Distanzsäulen trugen auf quadratischer Grundlage einen mehrfach profilierten Sockel und darüber einen abgestumpften Obelisken, dessen Oberteil mit dem plastisch ausgehauenen kursächsischen und königlich-polnischen Wappen versehen war. Neben den schwarzgetönten Inschriften half farbiger Anstrich der Wappenschilder und Vergoldung der darüber schwebenden Krone das künstlerische Bild vervollständigen.

Zur Bezeichnung der ganzen Meile sollte jeweilig ein schlanker Obelisk auf einfacherem Unterbau, für die halbe Meile eine hermenartige Säule von eigenartiger Gestalt und für die Viertelmeile eine breite profilierte Steinplatte gesetzt werden.

III. Die Aufstellung der Postmeilenzeichen