Ein andres Lied erzählt in neckischer Weise die Geschichte von der Bauersfrau, die dem Pfäfflein einen Hirsebrei mit einem halben Schock Eiern kocht, während der Bauer im Holze ist.

Ich muß gestehen, daß es mir nicht ganz unbedenklich erscheint, daß der Lausitzer mundartlich nur Scherzlieder kennt. Empfindet er seine Mundart selbst als komisch? Der Spaßmacher spricht Mundart. Oder ist sein innerstes Wesen überwiegend aufs Komische gerichtet, für Tragisches schwer zugänglich? Das glaube ich nicht. Vielleicht ist er zu verschlossen und zu unbeholfen, um seine tiefsten Empfindungen dem Worte anzuvertrauen.

Wenn wir im Vorangegangenen die Texte der Volkslieder einer Prüfung unterzogen haben, so müssen wir uns dabei bewußt bleiben, den unwesentlichen Liedteil betrachtet zu haben. Der Träger des Volksliedes ist die Melodie. Das wird dem Sammler oft in eindringlicher Weise deutlich. Die meisten seiner Gewährsleute können ihm das Lied nicht aufsagen, sondern nur vorsingen. Mit der Melodie stellt sich der Text ein. Ganz dürftige Texte sind um ihrer Melodie willen beliebt, während wertvolle Texte, wenn sie unsanglich sind, vernachlässigt werden. Im allgemeinen kann jedoch behauptet werden, daß Text und Melodie zu einer stilvollen Einheit verschmolzen sind. Text und Melodie offenbaren eine einfache, natürliche, undifferenzierte Empfindungsweise. Vor allem die Melodie bringt meist in hervorragender Weise typische Empfindungszustände, wie Ausgelassenheit, Freude, Lust, behagliche Zufriedenheit, Trauer, Schmerz zum Ausdruck. Gerade in dieser typisierenden Darstellung von Seelenzuständen liegt ein wesentlicher Grund der allgemeinen Beliebtheit des Volksliedes.

Nochmals: »Pflanzt Nußbäume«[11]

Von B. Voigtländer

Den Ausführungen Klengels in Heft 10 bis 12 des vorigen Jahrganges unsrer Mitteilungen wird jeder Natur- und Heimatfreund zustimmen; der Nußbaum ist tatsächlich nicht nur ein wertvoller Nutzbaum, sondern er befriedigt auch unser Schönheitsgefühl durch seinen hohen Schmuckwert. Da wir jetzt gezwungen sind, das Größtmöglichste aus unserem Boden herauszuwirtschaften, möchte ich noch auf einen anderen, weniger bekannten Nußbaum hinweisen, der wegen seiner hervorragenden Eigenschaften die gleiche Beachtung verdient, wie der bei uns zumeist angepflanzte gewöhnliche oder Walnußbaum, Juglans regia.

Es ist der amerikanische oder schwarze Nußbaum, Juglans nigra; er übertrifft in Schnellwüchsigkeit und Schmuckwert den Walnußbaum, ist für unser Klima genügend hart und stellt keine höheren Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit. Seine Schnellwüchsigkeit ist in dendrologischen Werken und Fachzeitschriften wiederholt dargelegt worden, außerdem bin ich in der Lage, ein treffliches Beispiel dafür aus eigener Anschauung anzugeben. Der Tharandter Forstgarten besitzt je einen, vor etwa dreißig Jahren gepflanzten Baum beider Arten. Während nun Juglans nigra in Brusthöhe bereits einen Umfang von ungefähr einen Meter hat, mißt Juglans regia erst gegen siebzig Zentimeter. Hierzu kommt noch, daß ersterer gegen fünfzig Meter hoch wird, während der letztere selten eine Höhe über zwanzig bis fünfundzwanzig Meter erreicht. An Holzzuwachs übertrifft also der schwarze Nußbaum den Walnußbaum ganz erheblich.

Juglans nigra hat eine schmälere Krone als Juglans regia, seine schmäleren Blätter stehen nicht so dicht, lassen also mehr Sonnenlicht durch die Krone. Die Anpflanzung wird sich also namentlich dann empfehlen, wenn die pflanzliche Umgebung des Baumes durch zu tiefen Schatten, wie ihn der Walnußbaum meist gibt, ungünstig beeinflußt würde. Einen Mangel hat der Baum allerdings; seine Früchte sind nicht so wertvoll wie die des Walnußbaumes. Da Schale und Kernhaus sehr dickwandig sind, bleibt für den Inhalt nicht viel Raum; der Kern bleibt klein und wird zudem wegen seines starken Ölgehaltes sehr leicht ranzig. Dieser Nachteil will mir aber nicht als ausschlaggebend erscheinen, da ich die Früchte des Walnußbaumes nicht als Nahrungsmittel, sondern nur als Naschgelegenheit ansprechen möchte. Meines Erachtens wiegt der hohe Wert, den der schwarze Nußbaum als Nutzholzerzeuger hat, den Mangel der Früchte mehr als doppelt auf. Das Holz des amerikanischen Nußbaumes wird in Zukunft noch mehr begehrt werden als schon jetzt, weil es ein sehr wertvoller Stoff für die Herstellung von Flugzeug-Propellern ist.

Auch in bezug auf Anpflanzung und Pflege ist die amerikanische Nuß nicht anspruchsvoller als die gewöhnliche Walnuß. Am besten fährt man, wenn man den Baum nicht pflanzt, sondern die Nüsse an Ort und Stelle legt. Die beste Zeit dafür ist der Herbst; man erreicht dadurch, daß ungefähr achtzig vom Hundert zum Keimen kommen, während bei der Frühjahrssaat nur bei etwa sieben vom Hundert ein Erfolg eintritt.

Ist man gezwungen, einen amerikanischen Nußbaum zu verpflanzen, so achte man darauf, daß das sehr fleischige und leicht eintrocknende Wurzelwerk vollständig erhalten bleibt, auch setze man es nicht unnötig lange der Luft und Sonne aus, sondern pflanze den Baum sofort wieder ein. Dies gilt übrigens für beide Nußbaumarten. Beachtet man diese Hauptregel, so wird man kaum Verluste zu beklagen haben.