Abb. 1 Titelblatt
Auf jeden Fall spricht das Buch für den hohen Stand, den das Buchbinderhandwerk damals eingenommen hat. Solid und dabei doch gefällig ist schon das lederüberzogene, zum Auseinanderziehen und Ineinanderschieben eingerichtete Behältnis. Der Rücken dieses Futterales trägt die Aufschrift »Stammbuch« und ist im übrigen so gestaltet, wie es bei den gedruckten Büchern der damaligen Zeit üblich war, so daß man das Stammbuch nicht nur auf den Tisch legen (wie wir es mit dem sogenannten »Album« zu tun pflegen), sondern auch – wohlverwahrt gegen Staub und Schmutz – in die Bibliothek neben andern Büchern einstellen konnte. Und nun das Buch selbst. Der Einband besteht aus rot und schwarz marmoriertem Pergament, dem reizvolle Goldornamente aufgepreßt sind, aus denen auf der Vorderseite die Anfangsbuchstaben des Namens, auf der Rückseite die Jahreszahl deutlich, wennschon nicht aufdringlich, hervortreten. Klappen wir den Deckel auf, so finden wir auf den beiden ersten Seiten an Stelle des Vorsatzpapieres einen Bezug von zartblauer Seide. Dann folgt auf den beiden nächsten Seiten links das Reiboldtsche Wappen, rechts der oben angeführte Titel, dessen zierliche in lichtroter Farbe gehaltene Umrahmung mit den blauweißen Wappenfarben gut zusammengeht.
Abb. 2 Reiboldtsches Wappen
Abb. 3 Allegorisches Wappen
Nun folgen dreihundertachtundfünfzig Seiten, von denen über dreihundert beschrieben oder bemalt sind. Wenn die Einzeichner adligen Standes waren, so ist auf der gegenüberliegenden Seite das Wappen in bunten Farben wiedergegeben. Ein Teil der Wappen ist von ebenderselben Hand gemalt, die auch das Titelblatt hergestellt hat. Diese Wappen zeichnen sich dadurch aus, daß sie in geschickter Weise in gekreuzte Palmen- und Lorbeerzweige gebettet sind, die rechts und links um das Wappenschild bis etwa zur halben Höhe herumgreifen; ein Schmuckgedanke, der sich bei den Wappenabbildungen im achtzehnten Jahrhundert öfters vorfindet. Der Maler, dem wir die Ausschmückung des Stammbuches verdanken, hat sich auf einem der letzten Blätter eingetragen. Unter seinem Künstlerwappen mit der Göttin Minerva, die eine Fahne in der Hand hält, stehen die Worte:
Plauen, am 3. des Hornung 1774.
Auf gnädigen Befehl des Hochwohlg. Herrn Besitzers habe dieses beifügen und mich zu Gnaden empfehlen wollen.
Christian Friedrich Zimmermann, Kunst- und Portraitmaler.