Und nun ereignete sich wirklich das Unerhörte, daß die erloschene Pfeife von neuem in Brand gesetzt wurde und das große Schweigen von neuem anfing. Die alte Uhr schlug noch manche Viertelstunde mit merkwürdig zitternder Stimme. Sie teilte wohl die Stimmung des alten Berthold, der still und versonnen in seiner dunklen Ecke saß und sich seinen Erinnerungen hingab. Er sah seine Jugend in seinem geliebten und gehüteten Kinde wiederkehren, er sah den Burschen, der, treu wie Gold, wohl nach menschlichem Ermessen imstande war, sein Kind vor Leid zu bewahren und ihm ein liebes, warmes Nest zu bereiten. Er dachte an seine treue Lebensgefährtin, die längst unter dem grünen Rasen schlief und der er wohl bald folgen würde und berichten konnte, daß sein Kind treu behütet zurückblieb. In seinem Auge glänzte etwas – nein, Gott bewahre! – eine Träne war es nicht. Später ging die Tür und hinter der Schwelle hörte man noch lange heimliches Flüstern, als wären die alten guten Hausgeisterchen wieder lebend geworden und huschten über den Flur. Der Mond kam über die Berge herauf und sein silberner Strahl flimmerte auf den Eiszapfen und den Millionen Sternchen an den Fenstern des Häuschens. Schließlich verstummte auch das Flüstern. Ein junger Bursche trat aus der niedrigen Tür und stapfte durch den tiefen Schnee. Droben auf dem Berge schaute er noch einmal nach dem Häuschen zurück, das sein Liebstes barg, warf seine Mütze in die Höhe und jauchzte laut in den dunklen Wald hinein.
Abb. 1 Hetzwalde mit Windmühle (»Hetzemühle«) vom Beerberg aus gesehen
Eine vergehende Windmühlenlandschaft in der südlichen Oberlausitz
Von A. Eichhorn, Glashütte
Aufnahmen von Max Nowak, Dresden
Die Windmühle (Rudolf Löwenstein)
Die Mühle dreht die Flügel
dort droben auf dem Hügel;
der Müller sieht zum Fenster ’naus