sie tuen beid’ dieselbe Sach’:

»Sie dreh’n sich, sie dreh’n sich nach dem Winde!«

(Aus »Heimatstimmen« von Bernhard Schneider.)

»Überdies bemerke ich nun schließlich noch, daß man auch fünfundzwanzig Windmühlen zählen kann.« Diese Nachricht aus dem Jahre 1857 gibt uns die alte Chronik des Südlausitzer Industrieortes Neugersdorf. Der Chronist beschreibt darin die Aussicht vom Kirchturme des genannten Dorfes. Fünfundzwanzig Windmühlen innerhalb des Gesichtskreises eines »Zweihundertvierunddreißig Stufen« hohen Turmes in Berg- und Hügellandschaft ist viel, da fast alle im Stundenkreise des erwähnten Standortes liegen. Eine derartige Windmühlenhäufung findet sich in der ganzen Oberlausitz nicht wieder, so daß die Bezeichnung Windmühlenlandschaft für dies Blickfeld zu Recht bestehen kann. Die umstehende Skizze zeigt die Verteilung der Windmühlen im Gelände.

Gegenwärtig kreisen hier nur noch sechs Windmühlen ihre Flügel: Je eine in Hetzwalde, Oberleutersdorf (Eibauer Flur), Kottmarsdorf und drei in Oderwitz. Auf manchen Hügeln steht noch einsam das Wohnhaus, wo einst so viele Dorfbewohner ein- und ausgingen. In Schankstätten wandelten sich andre Windmühlen, und manchen Windmühlengrund furcht wieder der Pflug zur Keimstatt fürs liebe Brot. Die Übersicht berichtet über Standort, Erbauung und gegenwärtigen Befund einer Anzahl Windmühlen, die auf der Skizze angegeben sind, soweit es dem Verfasser nach eingeholten Erkundigungen möglich war.

StandortErbautAbgetragenGegenwärtiger Befund
Beckerbergwindmühle in Eibau17591889Gasthaus
Röthemühle, Eibau1790um 1885Wohnhaus steht noch
Klingermühle, Leutersdorfum 18001891Wohnhaus steht noch
Hetzwalder Windmühle1802Noch in Betrieb
Knochenmühle, Ebersbach1803um 1882Fabrik
Dutschkemühle, Kottmarsdorf1840Steht noch, aber außer Betrieb
Felsenmühle, Spreedorf18421894Gasthaus
Burgmühle, Kottmarsdorf1843Noch in Betrieb
Zimmermannmühle, Eibau1844Noch in Betrieb
Beerbergmühle, Neugersdorf18461903Wohnhaus steht noch
Müllersche Windmühle, Neugersdorf18051835Wohnhaus steht noch
Hohlfeldtmühle, Neugersdorf18191863Wohnhaus steht noch
Wemmemühle, Ebersbach1867Schuppen
Röthigmühle, Spreedorf1895Wohnhaus steht noch
Hofewegmühle, Ebersbach1914Wohnhaus steht noch
Spitzkunnersdorfer Mühle1898Wohnhaus steht noch
Hainbergmühle1871um 1890Wohnhaus steht noch
Zimmermannmühle, Neueibau1913Wohnhaus steht noch
Neumannmühle, Oderwitz1867Noch in Betrieb
Birkmühle, Oderwitz1817Noch in Betrieb
Berndtmühle, Oderwitz1847Noch in Betrieb
Adlermühle, Oderwitz18071905Wohnhaus steht noch
Dienelmühle, Oderwitz1905Gasthaus

Ausführlicher erzählt der Chronist die Geschichte der Windmühlen, wie folgendes Beispiel bezeugt. »Die Beerbergwindmühle. Diese wurde im Jahre 1846 von J. Gottlieb Hänsch aus Ober-Oderwitz auf ein Areal von 183 □Ruthen, das derselbe von dem Besitzer J. Gottfr. Hermann um 240 Thaler erkauft hatte, erbaut und am 8. August desselben Jahres gehoben. Bald darauf übernahm sein Schwiegersohn Johann Gottlob Palme, ebenfalls aus Ober Oderwitz, diese holländische Mühle und erbaute im Jahre 1850 ein Wohn- und Backhaus daneben, was im Jahre 1853 nahe daran war, abzubrennen. – Anno 1851 den 6 Octbr. erkaufte dieselbe der Wassermüller K. Gottlieb Richter ebendaher, und Anno 1852 den 20. Novbr. acquirirte diese unter Nr. 153 gebrachte Mühle der Bäcker Vincenz Gampe von Seifhennersdorf, gebürtig aus Cunnersdorf in Böhmen, um 1200 Thaler. Sie hat 2 Mahlgänge mit Graupenstampe und giebt jährlich nach Zittau 4 Thaler Windzins. Gegenwärtig ist sie an Fr. Aug. Förstern von hier um 50 Thaler verpachtet.« So lautet der Bericht des Chronisten vom Jahre 1857 über diese Windmühle. Die neue Chronik erzählt weiter: »Nach mehrfachem Besitzwechsel gelangte die Mühle in den Besitz der Familie Neumann und ging vom Vater auf den Sohn über. Dieser ließ die Mühle vor wenigen Jahren abbrechen, so daß sie nur ein halbes Jahrhundert gestanden hat. Es schwand mit ihr die letzte Mühle im Orte. Neumann verkaufte die Bäckerei 1903 und zog nach Oderwitz.« Die wenigsten Jahre ist die Windmühle am Hainberg in Betrieb gewesen, die 1871 erbaut und 1890 bereits wieder abgebrochen wurde. Was will diese kurze Spanne Zeit besagen gegen das Alter der Windmühlen von Moos bei Alexandria in Ägypten. Die zum Teil noch gut erhaltenen Mühlen (sechs- und achtflügelig) werden auf etwa dreitausend Jahre geschätzt.

Gelände zwischen Zittau, Kottmarsdorf und Landesgrenze (Tschechoslowakei)

Achtet man auf die Erbauungszeit der »Südlausitzer Windmühlen«, so muß auffallen, daß sie fast alle vom Jahre 1800 an »aufgestellt« worden sind. Diese Tatsache steht im Zusammenhange mit dem von der Stadt Zittau ausgeübten Mühlzwange. Die genannte Stadt hatte seit dem Dreißigjährigen Kriege bis 1800 fast alle Mühlen (Wassermühlen) der Umgegend in ihren Besitz gebracht und übte scharfen Mühlzwang aus. Nur in den »Ratsmühlen« durften die Bauern ihr Getreide mahlen lassen. »Aber mit der Zeit machten sich an diesen Grundstücken allgemeine große Baulichkeiten notwendig, und wenn das aus öffentlichen Mitteln geschah, so entstanden allzu hohe Kosten.« (Wauer, Geschichte der Industriedörfer Eibau und Neueibau). Zittau verkaufte darum nach und nach alle Mühlen, die außerhalb der »Flurzäune der Stadt lagen«. Weise berichtet in seiner Chronik von Ebersbach: »Die 4 Wassermühlen waren im Besitze des Rathes zu Zittau. Ende des vorigen Jahrhunderts verkaufte die Stadt Zittau diese Mühlen, und zwar: 1792 die Buschmühle an Gottlob Freude für 860 Thaler und einen jährlichen Wasserzins von 40 Thalern nebst 6 Scheffel gutes Landkorn zur Lichtmeß (die seither in Nutzung gehabten beiden Teiche wurden dem Käufer gegen eine jährliche Erbpacht von 14 Thalern überlassen), 1796 die Obermühle an Johann Christian Zumpe für 500 Thaler und 40 Thaler jährlichen Wasserzins; 1797 die Niedermühle an Christian Friedrich Wagner für 500 Thaler und 81 Thaler jährlichen Wasserzins; 1801 die Mittelmühle für 500 Thaler und 80 Thaler jährlichen Wasserzins an Johann Christoph Winkler«. »Am 4. Juni 1804 ordnete nun die Revisionskommission schlechthin an, es sollten alle Mühlen Zittaus, die außer den Flurzäunen der Stadt lagen, allmählich verkauft werden, weil man die Kämmereikasse von den immer wiederkehrenden großen Ausgaben für Bauten befreien wollte. Um nun diese Kasse möglichst wenig zu verwirren, sah man beim Verkaufe nicht darauf, die Preise, soweit es ging, emporzutreiben, sondern bedang sich lieber einen jährlichen Wasserzins aus, der dem bisherigen Pachtzins möglichst gleichkam.« (Wauer, Eibau, Neueibau.)