(Aufnahme von Georg Marschner, Dresden)
Abb. 7 Dorfstraße in Oelsen bei Gottleuba Die Straße führt durch ein Gehöft
(Aufnahme von Georg Marschner, Dresden)
Abb. 8 Kirche in Oelsen bei Gottleuba
Abb. 9 Aus Altenberg
(aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von Weicker und Wiese)
In Vorderzinnwald, unweit des Gasthauses »Zur Sächsischen Schweiz«, biegen wir rechts von der Straße ab und gelangen auf einem Fußwege durch den Wald an den weltbekannten Aussichtspunkt zum Mückentürmchen (achthundert Meter). Von hier aus führen die Straße und ein abkürzender Fußweg hinunter nach Graupen, der ältesten Zinnstadt des östlichen Gebirges ([Abb. 13].) Denn zu der Zeit, wo in Altenberg die ersten Häuser gebaut und die ersten Schächte geteuft wurden, war Graupen schon ein blühendes Gemeinwesen. Es steht fest, daß das böhmische Zinn um 1240 in den Handel kam und einen Preissturz des bis dahin den Weltmarkt beherrschenden englischen Zinns herbeiführte. Graupen (so benannt nach der Form der granatroten Zinnerzkristalle) wuchs vom unteren Ausgang der Schlucht in diese hinein und in ihr am reißenden Gießbach empor. Zahlreiche im Bergbau erfahrene Geschlechter wie die Breterer, Genshals, Glatz, Holkro, Hochmutt, Kölbel, Schwärzel, Hengst, Müntzer, wanderten damals und später in Graupen ein. Die meisten kamen aus Freiberg und später aus dem vor 1293 fündig gewordenen Zinnrevier von Ehrenfriedersdorf und Geyer, die Spitzhut aus Goslar. Ordnung, Gestalt und schließlich das Stadtrecht erhielt die neue Gemeinde durch das aus Osterland eingewanderte reichsunmittelbare Geschlecht der Herren von Kolditz. Schon Tino I. baute um 1330 in der Stadt die Rosenburg und an ihrem südlichen Ausgang die drei Bollwerke: den »alten Hof«, »zur Scheune«, »Vorwerk Kirchlitz«. Ein kleines Kulturbild des Anbaues am oberen Ende der Schlucht enthält die Urkunde vom Dezember 1416, in der den Brüdern Spitzhut und ihren Nachbarn »auf dem oberen Graupen« die Nutzung eines Waldes und einer Viehweide von den Kolditz verliehen wird »von dem Brunnen am Steige, so man gehet gegen Ebersdorf, genannt das Tränkbrünnlein, hinauf an demselbigen Steige bis an den Fuhrweg und von dem Fuhrweg hinauf bis an die große Buche, mit angehauenem Kreuze gemerkt, und von derselbigen Buche hin an dem Mückenberg an den Fuhrweg, der von dem Mückenberge gehet auf die Ladung.« Aber die erste Blüte der Bergstadt brach der für die gesamte deutsche Kultur in Böhmen verhängnisvolle Hussitenkrieg. Als am 16. Juni 1426 das Meißnisch-Thüringische Ritter- und Bürgerheer auf der »Bihanie« bei Aussig von den fanatisierten Massen des tschechischen Landvolkes geschlagen, sich in wilder Flucht nach dem Südausgang des Graupener Passes ergoß, um sich in den Schutzbereich der Burgen Lauenstein und Bärenstein zu retten, da verklemmte sich das Gewirr der Rosse und Wagen zwischen den Bollwerken, und am Abend lagen außer einer noch größeren Anzahl von Stadtbürgern mehr als dreihundert Ritter, die Blüte des Meißnischen Adels, unter den glutroten Trümmern des »Althofs« erschlagen. An Stelle des Vorwerks zur Scheune aber erhob sich der Sühnaltar der »Elenden Maria«, der Mittelpunkt der Kirche Mariascheune, aus der sich später das Jesuitenstift Mariaschein entwickelte. Auch die Rosenburg, die 1426 dem hussitischen Ansturm standgehalten hatte, wurde im Dezember 1429 bei einem neuen Hussitenzuge samt den letzten Resten von Graupen in Asche gelegt. Trotzalledem beteiligten sich am Wiederaufbau Graupens und Obergraupens fast noch mehr sächsische Bergleute und Bergherren als ehedem. Eine enge Verbindung zwischen Graupen und den angrenzenden Teilen Sachsens war die Folge davon. So wurde z. B. der Wochenlohn für die in und um Altenberg arbeitenden Bergleute anfangs in Graupen ausgezahlt, und um 1470 konnten Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht im Namen der »Mannen und Bürger von Freiberg«, die auf dem Mückenberge Zinn schürften, dafür aber eine Steuer nach Graupen entrichten sollten, also klagen: »Es ist auch von demselben Geysing die Stadt zum Graupen groß gebessert, mit dem Gewinne zum Geysing der Mückenberg gebaut und dadurch erst der Ort zu etwas geworden, der vorher eine Wüstung gewesen.« (HSA, W. A. V., Bl. 190.) Noch 1510 nahm Albrecht von Kolowrat, Stadtherr von Graupen, Herrn Christoph von Bärenstein für einen Jahressold von hundert rheinischen Gulden in seinen Dienst, damit er den sächsisch-böhmischen Grenzbezirk von räuberischem Gesindel reinige.
Abb. 10 Holzlaubenbau in Altenberg Das ursprüngliche Gebälk ist durch Ziegelpfeiler ersetzt
(aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von Weicker und Wiese)