Abb. 3 Grenzfichte bei Bienhof
Weiter talaufwärts ist das Wasser des Baches in einem stark verschlammten und verwachsenen Weiher aufgestaut, und eine Mühle mit Gastwirtschaft bildet das letzte sächsische Grundstück der weltabgeschiedenen Siedelung. ([Abb. 5.]) Denn nun sind wir in voller Natureinsamkeit. Unten die Wiesenaue, rechts der Pfarrbusch mit dem »Pfarrgründel« und dem »Ilmenborn« (Ulmen?), links der böhmische Hang mit dem »Friedhöfel«. Kaum, daß die schmale Linie des Fußweges das Naturbild schneidet, so unberührt erscheint die Landschaft – und doch ist sie ein Kunstprodukt; denn erst ums Jahr 1875 wurde der Talboden planiert und der Bachlauf an den böhmischen Hang gedrückt. Wie das Tal früher aussah, erkennen wir weiter hinten, wo die Grenzsteine zum Bach herabsteigen, wo das Wässerlein in vielen Windungen zwischen Baumgruppen und Alpenheckenrosen sich schlängelt und spärlich bewachsene Steinhaufen die Grasflächen unterbrechen. ([Abb. 6.]) An diesem hinteren Talstück haftet seit langem der Name »Mordgrund« – warum, ist nicht nachweisbar.
Abb. 4 Erholungsheim Bienhof, rechts Zechelgut
Überhaupt ist so manche geschichtliche Frage über dieses Gebiet noch nicht gelöst. Wann nahmen menschliche Siedelungen von ihm Besitz? Wer gab den Namen Bienhof? Wann ward hier ein Eisenhammer eingerichtet?
Zum ersten Male berichtet eine Urkunde von 1503, daß Thimo von Colditz auf Graupen dem Herzog Georg von Sachsen das Dorf Rosental überläßt, und daß er dafür samt allen Besitzern der Herrschaft Graupen das Recht erhält, »zu allen gezceittenn – allerley jaget im walde vnnd geholtze, der Binhoff genant, – zu gebrauchen.« 1537 sagt ein Bericht: »Das Wasser, das zwischen der Schonewalder vom Mordgrundt rain kompt, rainett zwischen m. g. H. (meinem gnädigen Herrn) und denn Schonewaldern im Binhoff.« 1572 befiehlt der Landesherr seinem Rentmeister, die Kammerschreiber Thomas Eling und Barthel Grenitz einzuweisen, da er sie mit der »wüsten margk an der behemischen grentz im Amt Pirnaw gelegen, der Bünnenhoff genannt, erblich begnadet hat.« Sie sollen dort eine häusliche Wohnung bauen, auch eine geringe, mäßige Nahrung von Ackerbau und Viehzucht einrichten. Dieselben Besitzer nennt eine Urkunde von 1579: »An dem wüsten Ort der Landes Grentz bey Peterßwalde gelegen, welchen mann den Binenhof nennet und mit dem vor 6 Jahren der Kurfürst Barthel Grentz, Schössern zu Colditz und Thomas Elling, Kammerschreibern, begnadet hat, lassen sich oft die behemischen Wilbrechtsbeschediger hören.« Dabei wird auch schon eine Mühle an der Landesgrenze erwähnt. 1594 wird das »Gütlein, Bünhof (auch Bienhoff)« genannt, an Hans Georgen von Sebottendorff zu Rottwerndorff verkauft; 1597 wird Hans von Lindenau zu Ottendorf als Käufer vom Hammergut Haselberg nebst dem daranstoßenden Bienenhoff erwähnt; 1598 soll der Amtmann zu Pirna Herrn von Lindenau sein »verkauft Hammerguth und Bienenhoff« auf Revers leihen. 1599 wird das »Hammergut« Bienhof von Julius Kluge käuflich erworben. (Meiche.)
Abb. 5 Blick auf Mühle und Hammergut Bienhof
Aus den bisherigen Stellen geht hervor, daß der Name Bienhof früher an jener Stelle haftet, als die Herren von Bünau sich von Lauenstein aus in Ölsen festsetzten, daß also die Deutung als »Bünauhof« sich kaum aufrechterhalten läßt. Ferner gab es damals hier noch keinen Eisenhammer. Es scheint, daß eine kleine Hammerschmiede – vielleicht als Absenker von dem älteren Haselberger Hammer – gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts angelegt worden ist. Der Wassergraben hierzu floß hinter der jetzigen Jagdvilla hart am Abhange hin, wo sich seine Spuren noch nachweisen lassen. Demnach hat sich der Hammer in dem weggerissenen Hause an Stelle der Villa befunden. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war er aber schon nicht mehr im Betrieb, und der Name »Hammergut« dürfte dann das ganze Besitztum umfassen, das erst nachträglich in drei »Drittelhufengüter« aufgeteilt worden ist. Diese Teilung hat zwischen den drei Söhnen des erwähnten Kluge – Lorenz, Blasius und Julius – im Jahre 1659 stattgefunden. Die Familie Kluge hat lange hier gesessen: 1764 werden als Besitzer Christian, Johann Heinrich, Susanna und Johann Gottlieb Kluge, nebst Johanna Elisabeth Zechelin (wohl ebenfalls eine geborene Kluge) als Besitzer genannt; 1790 ist Johann Gottlieb Zechel Mitbesitzer.