Abb. 6 Mordgrund mit Rosa alpina

Das Jahr 1813 brachte den Bienhöfern böse Stunden. Am 6. November schleppten russische Soldaten den Häusler Gottlob Rehn zwischen ihren Pferden mit nach dem Bienhof, verprügelten und zerstachen ihn jämmerlich, zogen ihn bis aufs Hemd aus und ließen ihn gebunden liegen[6]. Am 9. November hielt ein Kosak einen brennenden Strohwisch an ein Dach, so daß dadurch der »ganze Bienenhof abgebrannt« und niemand etwas hat retten können. »Er hat dem Müller gesagt, wenn er dem Offizier nicht fünfzig Pfennige gäbe, käme er morgen wieder und würde auch die Mühle anbrennen.« Aus einer Eingabe der Gemeinde Hellendorf (19. Februar 1814) geht hervor, daß Bienhof in diesen Kriegstagen sechs Pferde, sieben Zugochsen, zwanzig Kühe, zwölf Kalben verloren hat, so daß kein Stück Vieh übriggeblieben ist. »Von den vier Wohnungen sind drei teils durch Brand, teils durch Niederreißen bis auf den Grund zerstört.« Das Einwohnerverzeichnis der Gemeinde Hellendorf von 1840 führt im »Hammerguth Bienhof« an: 1. Gottfried Zechel, 1/3 Hüfner, 2. Gottfried Kluge, 1/3 Hüfner, 3. Amtsverwalter Hendel auf Langenhennersdorf, 1/3 Hüfner (Schankgerechtigkeit), 4. Heinrich Kluge, Mühlenbesitzer, Dorfkramer und Schwarzbäcker. Nach der Einverleibung des Bienhofs in die Gemeinde Ölsen (1. Mai 1859) werden als übernommene Bewohner genannt: »Hammergutsbesitzer« Zechel, »Hammergutsbesitzer« Genäuß, Mühlenbesitzer Kluge, Tagearbeiter Renner.

Die Akten verraten noch mancherlei anderes, z. B. verbotenen Branntweinschank, lärmende Musik, Schlägereien zwischen Sachsen und Böhmischen – aber wir wollen rasch der Gegenwart zueilen und nur noch berichten, daß im letzten Jahrhundert die Besitzer mehrfach gewechselt, bis schließlich 1900 der Geheime Forstrat Klette die drei Güter von der Vorbesitzerin, der Stadtgemeinde Zittau, kaufte, um sich hier für die Ruhestandsjahre ein idyllisches Heim zu schaffen. Von Klette wurde das Landhaus erbaut, das wir nun besuchen wollen.

Beschattet von einem mächtigen Nußbaum grüßt uns der überdachte Eingang, an dem das freundlich einladende Schild »Unterm Heimatschutz« hängt. Eine geräumige, fast zu hohe Diele nimmt uns auf. Rings hängen an den holzgetäfelten Wänden farbige Naturaufnahmen all der seltenen Pflanzen des östlichen Erzgebirges. Auf einem Tisch liegen die Gesteine des Gebiets in Handstücken ausgebreitet. In bunten Vasen prangen Wiesenblumen und korallenrote Hirschholunderbeeren. Und nun ein Blick in die sieben reizenden Gastzimmer mit ihren weißlackierten Bettstellen, geblümten Steppdecken, mit Korbsesseln und Liegestühlen und an den Wänden heimatlichen Photographien erlesenster Art.

Wie ist diese anheimelnde Gaststätte entstanden? Als nach Klettes Tode die Gefahr bestand, daß das ganze Anwesen in fremde Hände käme, die vielleicht weniger schonungs- und liebevoll hier hausen würden – »neureiche« Jagdliebhaber etwa – da meinte unser Georg Marschner, der hier oben gar oft weilte: »Könnte nicht das ganze Bienhofgebiet eine Art Naturschutzpark und das Jagdhaus ein Arbeitszentrum zur Erforschung des östlichen Erzgebirges und zum Ausbau des Heimatschutzes in diesem Landesteil werden? Und da einmal Platz genug vorhanden ist, könnte man hier nicht denjenigen Männern, die sich uneigennützig in den Dienst der Heimatschutzbewegung stellen, eine Unterkunftsstätte schaffen und damit gleichzeitig eine Stätte, in der sich gleichgesinnte Mitarbeiter im beständigen Ideenaustausch neue Anregungen geben?« Der Vorstand des Heimatschutzes griff den Gedanken auf; edle Gönner ermöglichten durch Stiftungen die Pachtung und die innere Ausstattung. Der erste Teil der Aufgabe darf auch bereits als glücklich gelöst betrachtet werden; denn was Georg Marschner im Verein mit Arno Naumann namentlich in bezug auf die floristische Gliederung des östlichen Erzgebirges von ihrem Standquartier Bienhof aus geleistet haben, ist vorbildlich. Der zweite Plan ist noch im Ausreifen begriffen. Zahlreiche Gäste haben bereits die köstliche Abgeschiedenheit und Ruhe dieses Erdenfleckchens schätzengelernt, dem nur eins fehlte bisher: die bequeme Verpflegung. Seit kurzem ist auch diesem Übelstand abgeholfen; der neue Hausverwalter übernimmt die Verpflegung der Gäste gegen sehr mäßiges Entgelt. Bereits wird hoffnungsfroh weitergeplant: vier kleine Zimmer drüben im »Zechelhaus« harren noch der Ausstattung – und der Gönner hierzu. Denen aber, die unser Heim einmal aufsuchen wollen – und ihnen ist vor allem obiger Aufsatz gewidmet – ein herzliches Willkommen!

Bestimmungen über die Benutzung des Erholungsheims »Bienhof« des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz

1. Das Heim »Bienhof« steht verdienten Mitarbeitern des Sächsischen Heimatschutzes – Mitgliedern des Vorstandes und der Naturschutzabteilung, Wanderrednern, Vertrauensmännern – für Tage und Wochen zur Verfügung.

2. Nach Maßgabe der Zimmergröße und der Bettenzahl können gleichzeitig auch deren erwachsene Familienangehörige Unterkunft finden. Kinder unter 12 Jahren sind unerwünscht um der Ruhe willen.

3. Der Preis für eine Nacht einschließlich Zimmerreinigung und Benutzung des Eßgeschirrs beträgt bis auf weiteres 75 Pfg. Bettbezug, Handtücher, Kerze und Streichhölzer müssen die Gäste selbst mitbringen. Einige Petroleumlampen können gegen Erstattung der Kosten zur Verfügung gestellt werden.