PAETZERPIE
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HANS GVT
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MAAL AVF


Die vier großen Zeilen, die durch Horizontallinien von den übrigen getrennt sind, haben sich beiderseits noch auf die stark verstümmelten Kreuzesarme hinauserstreckt, sind aber bis auf den dritten Buchstaben der dritten Zeile, der ein D oder ein verkehrtes G oder C darstellen soll, ganz tadellos erhalten. Dagegen erscheint die Inschrift am Kreuzfuß unter dem zweiten Horizontalstrich stärker verwittert. Wahrscheinlich ist das Kreuz jahrhundertelang, wie manches andere, bis zum Querbalken im Waldboden versunken und dem zerstörenden Einfluß der Feuchtigkeit dadurch am Unterteil stärker ausgesetzt gewesen. Seltsamerweise erscheinen aber innerhalb der zwei Querlinien unter und zwischen den deutlich dastehenden vier Zeilen noch Spuren einer nahezu verwischten Schrift von halber Buchstabengröße, so daß man vielleicht annehmen muß, eine ältere wortreichere Inschrift sei später durch eine größere überdeckt worden. Da die Jahreszahl 1592 zweifelsfrei lesbar ist, so kann also dieses Kreuz oder wenigstens seine jüngere Inschrift mit der Untat von 1492 nicht in Zusammenhang stehen, wiewohl der Name Fritsch, wenn auch mit verwechselter Rolle, hier wiederum vorkommt.

Gleichfalls Dr. Meiches Forschungen im Dresdner Hauptstaatsarchiv verdanke ich die Bemerkung, daß das Kreuz von Boritz (Nr. 16) schon 1540 urkundlich erwähnt wird. Bei der Kirche wurden nämlich »Zinsen vom Feld unter dem steinernen Kreutz« vereinnahmt[4].

Auch über einige verschwundene Kreuze ließen sich noch nachträgliche Feststellungen gewinnen. Wie mir der Bürgermeister Hackebeil von Gottleuba mitteilte, hat er zufällig in alten Akten vom Jahre 1500 gelesen, daß ein Steinkreuz am Hellendorfer Weg einem Bauer als Schleifstein verkauft worden sei. Das fünfte der Königsbrücker Kreuze, das bereits zu Beginn der Steinkreuzforschung um 1890 mit verzeichnet wurde, soll mündlicher Auskunft zufolge im Jahre 1908 beim Bau eines Schuppens am Krankenhaus mit vermauert worden sein.

Abb. 93 Dippoldiswalder Heide

Das verschwundene Riesaer Kreuz Nr. 54 endlich findet sich auf einer im Heimatmuseum Riesa aufbewahrten Zeichnung des Rektors Bamann von 1866 abgebildet; es stand an der Ecke der Poppitzer Straße auf dem Platze des heutigen Restaurants »Stadt Freiberg« und ist seit längerer Zeit verlorengegangen[5].

Mit diesen Bemerkungen sei die Reihe der tatsächlichen Aufzeichnungen geschlossen und im übrigen auf die anhängenden Verzeichnisse I a, b und II verwiesen, in denen ich die Ergänzungen zu meinen Listen von 1914 sowie neue Funde zusammengestellt habe.