Abb. 91 Thümmlitzwald bei Leisnig »Beatenkreuz«

In einer Provinzzeitung fand ich 1921 die Meldung, daß der unermüdliche Heimatforscher Professor Pfau im Rochlitzer Schloßmuseum zwei weitere Porphyrkreuze geborgen habe, die am eigenen Ort nicht mehr aufzustellen waren; auch im Hof des alten Franziskanerklosters zu Meißen a. E. wurde mir ein eingelagertes Kreuz von überraschender Größe und völlig unversehrter Erhaltung nachgewiesen. ([Abb. 92.])

Abb. 92 Meißen a. E.

Im Vogtland, wo schon vor Jahrzehnten der verstorbene Steuerrat Trauer besonders eifrige Nachforschungen gehalten und der Vogtländische Anzeiger in Plauen wiederholt längere Beiträge zur Steinkreuzkunde veröffentlicht hatte, wurden seit 1914 noch verschiedene Steinkreuze an offener Straße, darunter in Gospersgrün, Kemnitzbachtal und Kürbitz neu festgestellt. ([Abb. 98] und [99].) Das letztere, das an der Außenseite der Friedhofsmauer eingesetzt war ([Abb. 97]), ist übrigens im Jahre 1923 bedauerlicherweise bei Bauarbeiten völlig verschüttet worden. Ältere literarische Nachrichten sind dazu nirgends vorhanden und nur bei den zwei Gospersgrünern geht die Sage vom gegenseitigen Umbringen zweier Fleischerburschen. Bemerken möchte ich übrigens, daß das sogenannte Schäferkreuz bei Limbach i. V. und das Denkmal an der »Schwarzen Tafel« bei Reichenbach i. V. keine Kreuzesform besitzen und von mir deshalb nicht aufgenommen wurden.

Soweit es mir meine beengten persönlichen Verhältnisse erlaubten, habe ich auch diese neuen Funde – ähnlich wie alle zweihundertsechzig älteren Standorte – selbst besucht und photographiert. Nur bei einigen Stücken im Vogtland und bei Annaberg, von denen ich glaubhafte Kenntnis erhielt, bitte ich andere wanderfreudige Helfer um Nachprüfung und Ergänzung der heutigen Listen nach Gesteinart, Größe, Inschrift und genauem Standort. Anderseits habe ich andere Stücke, die mir ohne jede nähere Bezeichnung nur flüchtig genannt wurden, wie ein Kreuz »beim Harrachsfelsen« bei Braunsdorf und ein Kreuz »in Reuth« bei Plauen i. V., im Interesse der Genauigkeit noch gar nicht ins Verzeichnis aufgenommen, sondern bemühe mich erst, sicheres über ihr Vorhandensein und Aussehen zu erfahren. Die Heimatfreunde jener Gegenden ersuche ich also freundlichst um Unterstützung und Benachrichtigung durch Schrift und Bild.

An literarischen Funden ist für den sächsischen Bereich eine Reihe von Sühne-Urkunden nachzutragen, die Professor Dr. Meiche bei Besprechung meiner Arbeit von 1914 im Neuen Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde, Bd. XL, Heft 1/2, S. 189 ff. abgedruckt hat. Darin wird unter anderem ein Totschlag auf dem Tharandter Walde erwähnt, bei dem Jocuff Fritzsch den Greger Gunter von Naundorf im Jahre 1492 erschlagen hat. Da Meiche die Urkunde und das verordnete Sühnekreuz am Tatort mit einem der vorhandenen Steinmäler in Verbindung zu bringen sucht, so sei bemerkt, daß »Angermanns Kreuz« auf Forstort 35 des Naundorfer Reviers überhaupt keine Inschriftspur, sondern einen doppelten Kreis und darüber die Zeichnung eines Spitzhammers trägt, dagegen hängt vielleicht das neuentdeckte verstümmelte Stück an der großen Grillenburger Waldlichtung auf Forstabteilung 48, das Meiche noch nicht kannte ([Abb. 95] u. [96]), mit jener Tat zusammen. Es ist auf der Südseite ganz mit leidlich lesbarer Schrift bedeckt, nur fehlen davon an den abgestoßenen Kanten des Querbalkens rechts und links stets mehrere Buchstaben. Bei verschiedenem Sonnenstand konnte ich am Standorte selbst und später vor allen Dingen durch genaue Betrachtung meines Negatives 13 × 18 Zentimeter, das erfahrungsgemäß eine bessere Entzifferung gewährt, als jede positive Papierkopie, folgendes Schriftbild zusammenstellen:

1|5|9|2|


GE EGIDII IST G
ITZSCH VON N
EIG⅁EM ALLHIER E
SSEN WORDEN
VASS VIGOTA