Dem heutigen ersten Nachtrag, den ich meiner Arbeit zur sächsischen Steinkreuzforschung folgen lasse, füge ich Listen über Nachträge, Veränderungen und Neuentdeckungen in gleicher Einteilung und Zählung bei, wie sie 1914 begonnen wurden. Auf verschiedene Anregungen hin habe ich auch ein alphabetisches Verzeichnis aller photographischen Abbildungen des vorliegenden und der früheren drei Hefte bearbeitet, um die Benutzung der Bildersammlung von hunderteins Nummern zu erleichtern. Während ich früher ausschließlich eigene photographische Aufnahmen der Größe 13 × 18 Zentimeter als Vorlagen liefern konnte, habe ich neuerdings bei entlegenen Fundorten auch einige fremde Bilder verwenden müssen. Den drei Urhebern sage ich auch hierdurch verbindlichsten Dank.

Abb. 82 Böhla bei Großenhain

Das Interesse an den alten Steinkreuzen, das ich seit Jahren mit meinen Schilderungen zu wecken versuche, hat sich bis heutigen Tages nicht allein in vielen hunderten von persönlichen Anfragen und Zuschriften, sondern häufig auch durch die freiwillige Fürsorge für gefährdete Stücke geltend gemacht. So haben mancherorts heimatliebende Männer persönlich zu Hacke und Spaten gegriffen, um nach vorheriger Anfrage versunkene Steine zu heben und sachgemäß wieder aufzustellen. Das vielfach versetzte Steinkreuz mit der Armbrust am Bahnhof Weißig bei Dresden hat einen malerischen Platz unter den alten Linden auf der nördlichen Straßenseite erhalten. Das schwere Kreuz von Gorknitz bei Pirna, Nr. 66 (Abb. 55 und [Abb. 83]), das bis an die Arme versunken war, ist herausgeholt[3] und das Oberauer eiserne Kreuz Nr. 153 (Abb. 75 und [84]) an gesicherterem Platz in höherer Gestalt wieder aufgestellt worden. Das Gröbaer ist aus dem Gutshof nach der Friedhofsmauer gewandert, in Liebstadt wurden die beiden Kreuze wieder ordentlich befestigt ([Abb. 101]), in Mügeln auf dem Friedhof erhielt das Kreuz einen neuen Platz ([Abb. 100]), in Auerbach i. V. ließ der Bürgermeister die beiden vermauerten Stücke (Nr. 3) aus der Ufermauer des Göltzschbachs herausnehmen und zu den beiden andern nach dem Stadtpark bringen, das Crostwitzer Kreuz Nr. 34 erhielt einen anderen Platz ([Abb. 85]) und schließlich hat man im Herbst vorigen Jahres auch das Fischheimer Porphyrmal wieder zutage befördert, das 1911 in etwas tragikomischer Weise auf dem Acker begraben worden war ([Abb. 78]).

Abb. 83 Gorknitz bei Pirna (Vgl. Abb. 55)

Einen besonderen Einblick in die Bedeutung der allgemeinen Volkserinnerung gewährt der Fund von Bockwen. Schon 1919 erhielt ich die Mitteilung, daß am Nordrand der Straße Bockwen–Reichenbach bei Meißen ein versunkenes Kreuz liege. Bei eigener Besichtigung fand ich aber nur einen Stein, der wenige Fingerbreit aus dem Boden herausragte; abgerundet und verwittert aussah, und nicht im geringsten auf eine besondere Gestaltung unter der Erde schließen ließ. Ein paar Jahre später wurde ich eingeladen, der Ausgrabung des »Kreuzes« beizuwohnen und tatsächlich kam aus dem gewachsenen Lehmboden nach mehrsonntäglicher harter Arbeit das stattliche alte Mal wieder zu Tage. (Abb. 86.) Jahrhunderte mögen vergangen sein, ehe der schwere Block auf der »Kreuzwiese« am Rande der alten Straße in den festen Grund einsinken konnte und sicherlich ist der Querbalken, über dem bereits wieder Erde und Rasendecke lagerte, auch schon vor vielen Jahrzehnten von der Oberfläche verschwunden gewesen. Trotzdem war die Kunde von dem Kreuz im Volksgedächtnis mit solcher Sicherheit erhalten geblieben, daß eine Gruppe jugendlicher Helfer planmäßig mit Schanzzeug von Dresden und Meißen auszog, um den versunkenen Stein zu heben.

Als Gegenstück hierzu und als Beispiel eines verächtlichen Bubenstreichs schlimmster Sorte sei das schöne Steinkreuz im Großen Garten zu Dresden erwähnt, das seit undenklichen Zeiten schräg über eine steinerne Walze gelehnt am Wege lag (Nr. 45, Abb. 22); im August 1920 ist es nächtlicherweile zerschlagen worden. Die staatliche Gartenverwaltung hat zwar die Trümmer sorgfältig mit Zement zusammengeflickt, das ganze Kreuz aber aus Besorgnis vor neuen Roheiten flach auf den Boden gelegt, so daß es jetzt einen höchst kümmerlichen Eindruck macht.

Abb. 84 Oberau bei Meißen a. E. (vgl. Abb. 75)