Daß Herd und Heimat sei

Von Fremden frei.

Abb. 2 Szene aus dem Volksstück: »Die treue Frau von Kriebenstein« Vor dem Zelte des Markgrafen

So hat die Dichterin den einfachen Stoff der Sage verfeinert und im rein Menschlichen vertieft: das Sehnen unserer Zeit nach Versöhnung der Gegensätze und nach Freiheit wird ergreifend zum Ausdruck gebracht, deutsche Treue siegt über slawische Tücke.«

Abb. 3 Grabissa und der Markgraf
Links vom Tore Hanfried, des Markgrafen Bube

An das Festspiel schloß sich zunächst eine längere Pause, in der die Gäste sich über das Gesehene aussprechen und Hunger und Durst stillen konnten. In verschiedenen Räumen der Burg wurde duftender Kaffee und Kuchen verkauft, anderswo gab es ein Bier- und Würstchenzelt, außerdem wurden Süßigkeiten aller Art feilgeboten. Der Reinertrag davon wie von den Eintrittsgeldern floß in die Kassen der Hausfrauenvereine, die dadurch Mittel gewannen für Krankenpflege und nachbarliche Nothilfe. Im zweiten Teil des Festes zeigte sich der Meienberger Jugendbund in einem prächtigen Bauerntanze, den eine altertümliche, aus Wien bezogene Musik begleitete, außerdem wurden Kinderreigen getanzt, eine Bettelmusikantenschar trat auf, und Student Görner sang Landsknechtslieder zur Laute. Aber das beweglichste Bild bot doch der allgemeine Tanz im Rittersaal. Da wogte Alt und Jung, Vornehm und Einfach in Drehern und Walzern, die nach den sonst üblichen »Schiebetänzen« Auge und Ohr wahrhaft entzückten. Und was nicht tanzte, das wallte die geheimnisreichen Treppen hinauf und hinab, die in die romantische Halle des Oberstockes führten, aus der man in die gotische Burgkapelle eintritt mit dem schönen Flügelaltar und der blau-goldenen Decke, dem gewachsenen Felsen, der hier in langer Klippe zutage tritt, und den alten Bildern. Ja sogar bis zum Boden hinauf flutete der Gästestrom, wo man unter uraltem Gebälk die geschnitzten Truhen und den großen Webstuhl der Hausfrau bewunderte. Noch heute steht mir diese Sommerabendstunde inmitten der festlich froh bewegten Menge, die dankbar das ihr hier geschenkte Vertrauen rechtfertigte, in lebhafter Erinnerung, und ich würde es tief beklagen, wenn dieses herrlich verlaufene Burgfest in Kriebstein das einzige seiner Art bleiben sollte. Zunächst ist wohl in Kriebstein selbst etwa im Sommer 1926, eine Wiederholung des für den Ort geschaffenen Festspieles, vielleicht sogar in derselben ausgezeichneten Besetzung der Rollen möglich; die Wiederholung dieses Burgfestes mit zwei- bis dreijährigen Pausen wird hoffentlich eine schöne Regel und feste Gewohnheit werden, auf deren Wiederkehr sich immer größere Kreise der halb bäuerlichen und halb industriellen Umgegend freuen. So wird ja auch in Rothenburg ob der Tauber fast alljährlich zu Pfingsten dasselbe der Geschichte des Orts entsprossene und der Stadt angepaßte Festspiel mit großem Erfolg aufgeführt. Aber es gibt auch andere Burgen in Sachsen mit volksfreundlichen Besitzern. Und fast um jede dieser Burgen schwebt ein dramatisch gestaltbares Stöfflein, das man nur einzufangen und durch den rechten dichterischen Genius behandeln zu lassen braucht, und der wichtigste Mittelpunkt eines wiederkehrenden Festspieltages ist geschaffen, eines Festspieltages, der alle Schichten der Bevölkerung vereint und den öden Parteihader im tiefsten Burgverließ begräbt. Wer seine Burg solchem edlen Spiel und so hoher, beglückender Freude öffnet oder zum Gelingen des Ganzen andere Opfer bringt oder auch selbst hilfreiche Hand anlegt, der wisse, daß er in rechter Weise mitbaut am neuen Vaterland und an der großen deutschen Volksgemeinschaft, die das wichtigste Ziel aller künftigen Entwicklung ist. Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz wird gern ratend und helfend zur Seite stehen.

Abb. 4 Der Markgraf und die Staupitzin Rechts dahinter im Mantel und Helm der Ritter von Staupitz, rechts vorn Hanfried, dahinter die Heymannschmiedin