Abb. 5 Die Schlußszene des Volksstücks »Die Frau von Kriebenstein«

Verfallende Schlösser in Sachsen

Von Landeskonservator Dr. Bachmann

Wer als Wanderer durch Sachsens Gaue zieht, den wird so manchesmal eine in Trümmern liegende alte Burg, eine malerische Ruine von den Höhen des Erzgebirges, im Elster- oder Muldental gegrüßt haben, ein stummer Zeuge sagenhaft gewordener Kämpfe, eine letzte Erinnerung an vergangene Geschlechter. Mancher wird sich auch wohl fragen, ob nur Krieg und Kampfeswirren allein so starken Verfall bedingten, haben doch oft dicht benachbart solchen Ruinen stattliche Schlösser und Herrensitze ihren Platz gefunden. Und in der Tat entstanden gar viele dieser Burgenreste in Zeiten des Friedens, als die adligen Geschlechter höfisch wurden und Fürstendienste nahmen, als ruhige Zeiten es ihnen ermöglichten inmitten ihrer Felder und Kulturen selbst sich anzusiedeln. Dann verfielen schnell die alten Zufluchtsorte auf Bergeshöhen, die kunstvoll gegründeten Wasserburgen im Sumpfgelände. Das wertvolle Bauholz, Dachziegel und alles sonst verwendbare wanderte zum Neubau hinüber und der Rest blieb den Stürmen, den Eulen und Dohlen überlassen. Die romantische Ruine war fertig, und die Volksphantasie eifrig geschäftig, sie mit verborgenen Schätzen, mit weißen Frauen und spukenden Rittern zu beleben.

Heute, so sollte man meinen, entstehen keine Ruinen mehr. Die nachfolgenden Zeilen mögen das Gegenteil beweisen.

Abb. 1 Wasserschloß Geilsdorf i. V.

Noch vor rund vierzig Jahren stand dicht neben dem stattlichen Rittergut Geilsdorf i. V. eine reizvolle, alte Wasserburg, aufrecht und wohlerhalten, von der Professor Steche, Sachsens erster Denkmalspfleger um 1888 im staatlichen Inventar folgende Schilderung gab. »Die von drei Seiten jetzt noch von Wasser umgebene, rechtwinklige Anlage mit vier vortretenden achtseitigen Ecktürmen, deren gewellte Hauben Feueressen krönen, wurde nach dem Jahre 1667 und wohl mit Benutzung der ursprünglichen Unterbauten durch die Grafen von Tattenbach, deren einer, Johann Ernst, Kammerherr des Kurfürsten Friedrich August I. war, erneuert und reich im Stile der Zeit ausgestattet. Das Schloß enthält eine vornehme Treppenanlage und stattliche Wohnräume nebst Saal, treffliche Gewölbe wie Figurennischen und erinnert in seinem gesamten inneren Wesen lebhaft an das Palais im Großen Garten zu Dresden, ist aber in rettungslosem Verfall und seiner Ausstattung bis auf geringe Reste entkleidet. Eine Restaurierung erfolgte laut Inschrift 1719.« Bedauerlich bleibt, daß sich damals niemand fand, der uns genaue Pläne und Abbildungen der wertvollen Anlage überlieferte. Schon in jenen Tagen war das Schloß unbewohnt, und der Schwamm, eine notwendige Folge der umgebenden, stagnierenden Wassergräben hatte Pfahlrostgründungen, Balken- und Mauerwerk durchwuchert. Stück für Stück sank das Gebäude in sich zusammen und heute kündet nur noch ein einziger Eckturm von vergangener Herrlichkeit, in wenig Monaten wird auch dieser letzte Rest des Wasserschlosses Geilsdorf verschwunden sein. Zum Gedenken möge hier den Heimatfreunden ein Bild gegeben sein, daß das Gebäude noch unversehrt zeigt. ([Abb. 1]).