Eine Tuschzeichnung vom Jahre 1755 ([Abb. 6]) läßt uns erkennen, wie das alte Schloß in seinen besten Tagen ausgesehen hat. Wir finden da im Mittelpunkte des Bildes auch noch die graziöse, barocke Gartenanlage mit Orangeriegebäude, wie solche damals zu jedem besseren Schloßanwesen gehörte. Nur die völlig verbaute Orangerie und ein Rest des Gartentores, nebst einem Gartenhäuschen sind davon bis heute erhalten geblieben. Auch der große, im Bilde vorn links sichtbare Gebäudekomplex des alten Katharinenhofes hat längst schon einem Neubau weichen müssen.
Abb. 6 Schloß Großhennersdorf bei Herrnhut
Soll das auch das Schicksal des alten Wasserschlosses sein? Die Brüdergemeinde in Herrnhut, die Besitzerin des Anwesens, hat in der jetzigen schweren Zeit nicht die Mittel übrig, den großen Gebäudekomplex zu unterhalten. Die Belegung mit Kriegsgefangenen in den Kriegsjahren hat ein weiteres getan, den Bestand zu gefährden. Sollte es aber nicht trotzdem möglich sein, dem alten Schlosse, das ja in einem der schönsten Teile unseres Sachsenlandes gelegen ist, neues Leben zu geben?! Sind nicht im Lande Sport- und Wandervereine genug vorhanden, denen hier ein schönes Heim geschaffen werden könnte?!
Abb. 7 Schloß Großhennersdorf bei Herrnhut
Ganz gewiß sind zunächst Mittel vonnöten, den verbrauchten Bau zu sichern und ihn wieder wohnlich zu gestalten, doch wird es ohne weiteres möglich sein, dies schrittweise, von Jahr zu Jahr fortschreitend zu bewerkstelligen. Sicher ist aber, daß hier in herrlichster Lage damit ein Asyl geschaffen werden könnte, wie es sich unsere deutsche Jugend nicht besser wünschen und erträumen könnte.
Die Kriechtiere und Lurche unseres sächsischen Vaterlandes[1]
Von Rud. Zimmermann, Dresden
Mit Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers