Rauhreif

Weg nach Deutschenbora

In diese Zeit seines Schaffens, das ihm 1917 den Professorentitel als verdiente Ehrung eintrug, fallen Studienreisen nach Süddeutschland, in die Schweiz, nach Italien und Norwegen und schließlich auch eine halbjährige Kriegsfahrt als Landsturmmann, aus der heraus ihn eine ernsthafte Krankheit wieder seinem Berufe zuführte. Diese Reisen führen ihn, der schon Rumänien kannte, in reichere Landschaften. Er studiert auch auf Reisen, malt und zeichnet, und auch als Landstürmer füllt er seine Skizzenbücher mit den Maaslandschaften um das unglückliche Dinant. Immer, unter der hohen Sonne Italiens, angesichts der Schneegipfel der Alpen und der Fjordlandschaften Norwegens, bleibt ihm die Natur die Lehrmeisterin. Aber es geht ihm wie Ludwig Richter: von allen Reisen bringt er nur das geschärftere Auge, die vertieftere Liebe zur heimatlichen Landschaft mit, deren intime Reize zu malen er nie müde wird. Immer wieder stellt er seine Staffelei vor den Birken und Kiefern des Dresdner Hellers, vor den Waldhängen und Wasserspiegeln des Muldentals auf. Daß er »bedeutendere« Landschaften sah und erlebte und sie auch künstlerisch für seine Theaterdekorationen bewältigen mußte und doch den Kiefern und Birken, den Sanddünen und Aehrenfeldern, den Eichen und Gemäuern, den hohen Himmeln und stürmenden Gewölken seiner Hellerlandschaft treu blieb, zeigt, wie tief seine künstlerische Liebe im heimatlichen Boden verwurzelt ist. Alle Reisen in die Ferne vertieften diese Liebe, die nun in anderem Lichte steht als sie stünde, wenn Altenkirch nie über die windzerstreuten Sanddünen seines Hellers hinausgesehen hätte.

Lindenallee im Schnee

Reinsberg

Als er 1920 von der Leitung des Theatermalsaales zurücktrat, zog er sich nach Siebenlehn zurück, in die Heimat seiner Gattin und in jene Landschaft an der Mulde, in der er immer wieder starke Anregungen für sein künstlerisches Schaffen findet. Hatte ihn die Theatermalerei in seiner künstlerischen Entwicklung insofern gefördert, als er seiner Kunst nicht das tägliche Brot abzuringen brauchte, sondern ohne Sorgen das schaffen konnte, wozu es ihn künstlerisch trieb, so befreite ihn der Rücktritt nun in seiner Reife von beruflichen Bindungen. Er konnte sich nun völlig seiner Landschaftsmalerei widmen, die sich längst die Aufmerksamkeit ernsthafter Kunstfreunde erworben hatte. Als er nach Siebenlehn ging und seine Staffelei um Reinsberg und Biberstein aufstellte, sagte er sich aber nicht von den Birken und Kiefern der Hellerlandschaft los. Immer wieder kehrt er seitdem für kürzere oder längere Zeit nach Dresden zurück, um »auf den Heller« zu gehen und zu malen, umgeben von der kleinen Welt, in der er die kleinen Birken zu großen Birken und die Schulmädchen aus der alten Kaserne zu jungen Müttern hat heranwachsen sehen. Und dort, unter den einfachen Leuten dieses abgelegenen Lebenskreises, kennt man den Professor Altenkirch so gut, wie er die rissigen Stämme der alten Schatzeichen und die schlanken Kiefern des Trompeterwäldchens kennt.

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Das ist sein Weg, der Lebensweg eines Meisters, der sich aus kleinbürgerlicher, fast proletarischer Herkunft zäh und zum guten Teil aus eigener Kraft zum Künstler von Ruf und Geltung heraufgearbeitet hat. Es ist der Weg, der ihn immer wieder und schließlich für dauernd in die sächsische Landschaft zurückführt, in der in fleißiger Arbeit und in schier unübersehbarer Folge seine Bilder entstehen.

Er malt sie mit den Mitteln einer reifen Kunst. Seine Bilder zeigen noch in jedem Quadratzentimeter tüchtiges handwerkliches Können. Sie sind Zoll um Zoll gediegene Malerei. Der alte Schadow pflegte seinen Schülern auf die Frage, wie sie malen sollten, zu antworten: »Setzt die richtigen Farben auf den richtigen Fleck.« Darum allein handelt es sich bei der Malerei. Und diese Kunst beherrscht Altenkirch mit einer Selbstverständlichkeit, die den kritischen Betrachter entzückt.