Abb. 6 Das Augsburger Bild des Urs nach Hamilton Smith
Abb. 7 Siegelmarke der Gemeinde Taura bei Burgstädt mit Wisent-(nicht Ur-)Darstellung
Des Interesses halber sei hier noch erwähnt, daß in den Jahren um 1770 in den europäischen Großstädten ein nordamerikanischer Bison herumgeführt und zur Schau gestellt wurde. Auch in Dresden wurde er gezeigt, scheint hier aber nicht allzuviel Interesse gefunden zu haben. In »Einige Nachricht von dem allhier, und neuerlich zu Leipzig fürs Geld gezeigten Bisont oder Buckelochsen« in den Misc. Saxonia VI, 1772, S. 162–164 nämlich lesen wir: »Da dieses Thier hier unter dem Namen eines Americaners herumgeführt und aus denselben eine so große Seltenheit gemacht worden; So hat ein gewisses inländisches Wochenblatt eine kurze und richtige Beschreibung desselben gegeben, worinnen zugleich gezeigt wird, daß der Bison jubatus eben kein so fremdes Thier gewesen sei. Der Name ist … wahrscheinlicherweise deutschen Ursprunges. Das Thier selbst ist vom Auerochsen [= Wisent. Der Verf.] wenig unterschieden. Masecov hat … das Bild des Bisont (Wisent, oder Wesent, wie es von alters hier in Deutschland hieß) stechen lassen, und es hat mit dem herumgeführten alle Aehnlichkeit … Hieraus erhellet einigermaßen, daß der hier so genannte Americanische Bison jubatus nichts anders als der große wilde Auerochse, oder Waldochse, den man sonst in Litthauen, in der Ukraine, in Pohlen, Preußen, Pommern u. s. w., also ganz in der Nähe findet, und daß dieses eigentliche Vaterland etwan die nördliche Gegend von Europa sey. Hier in Dresden hat der Herumführer nicht eben viel Beyfall und fast gar keine Bewunderer seines Bisonts gefunden, und die ihn ja für sehenswert gehalten, werden eben nicht bedauern, daß er nunmehr in Berlin mit Hunden und einem seiner Stiefgeschwister, dem Auerochsen, gehetzt werden soll … Beydes also, die wenige Seltenheit sowohl, als die gegenwärtigen Zeitläufte, machen uns dergleichen Neuigkeiten vollkommen entbehrlich«.
Etwas eigentümlich mutet es an, daß dem ungenannten Verfasser der »Nachricht« es nicht bekannt gewesen zu sein scheint, daß Wisente noch kurz vor seiner Zeit in Dresden zu den Kampfjagden verwendet wurden und daß sie lebend jedenfalls noch in unmittelbarster Nähe der Stadt, im Kreyener Auergarten vorhanden waren. Denn dieser wurde ja erst 1793 aufgelöst und enthielt zu dieser Zeit bestimmt noch einige Wisente.
Fußnoten:
[3] Europas letzte Wisente. Zeitschr. f. Vogelsch. u. a. Gebiete des Naturschutzes 2, Berlin 1921, 63–73. – Meine Begegnung mit dem Wisent in Bialowies und die Geschichte seines Unterganges. a) Pallasia, Zeitschr. f. Wirbeltierkunde, herausgeg. v. Rud. Zimmermann. 1, 1923/24, 55–64. b) Helft uns den Wisent erhalten! Eine Werbeschrift, herausgeg. v. d. Int. Gesellsch. z. Erhaltung d. Wisents, 1923, 15–25.
[4] »Die Wisente, die anscheinend durch die ständige Fütterung vollkommen an den Menschen gewöhnt waren, trotteten (beim Einmarsch der deutschen Truppen) teilweise neben den Kolonnen her, vielleicht in der Annahme, daß es Futterwagen wären. Es machte keine Schwierigkeiten, bis auf zehn Schritte an die Herden heranzukommen … Leider wurde bei dieser Gelegenheit so manches Stück dieses fast ganz ausgestorbenen Wildes … niedergeknallt« (Hpt. Gruber in »Bialowies i. d. V.«, S. 6).
[5] »Stumpfsinnig standen die Kolosse dem Futterstadel zugewandt im nahen Stangenholz. Nahezu unbeweglich, das mächtige Haupt gesenkt, warteten sie dort, eigene Nahrungssuche verschmähend, daß ihnen der Tisch gedeckt werde« (G. Escherich, Bialowies i. d. V., S. 200).