[6] Wisente im Zwinger. Zoologischer Beobachter 57–60, 1916–19 besonders 60, 1919, Seite 124 folg., 149 folg.

[7] Eine der bekanntesten und trotz einer gewissen Steifheit in der Darstellung auch wertvollsten Abbildung verdanken wir dem österreichischen Gesandten Freiherrn von Herberstain, der um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts den Ur sowohl wie auch den Wisent in Polen kennen lernte und beide (wohl noch in seinem Besitze befindlichen ausgestopften Stücke) zeichnen ließ und die Zeichnungen mit Beschreibungen der Tiere in seiner 1557 in Wien erschienenen »Moscovia« veröffentlichte. Ein anderes Urbild ist das sogenannte »Augsburger Urbild«, das der englische Zoologe Smith gegen Anfang des vergangenen Jahrhunderts bei einem Augsburger Altertumshändler entdeckte und 1827 in einer guten Wiedergabe veröffentlichte. Leider aber ist das Original inzwischen wieder verloren gegangen. – Die Herberstainschen Abbildungen sowohl wie das Augsburger Urbild habe ich unseren Ausführungen beigegeben.

[8] Der für den Ur (oder das Urrind) vor allem nach dem Vorbilde Nehrings gebrauchte Name Auerochs bezieht sich gar nicht auf diesen, sondern ist, wie der gründlich schürfende Szalay nachgewiesen hat, eine erst um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts in Aufnahme gekommene Bezeichnung für den Wisent, dessen Name seit etwa 1600 so gut wie vergessen war und erst nach 1850 wieder gebraucht wurde, sich allgemeiner aber erst nach 1870 einbürgerte. Seiner verhängnisvollen Doppelsinnigkeit wegen (er hat in der Tat auch bereits große Verwirrungen angerichtet) sollte der Name Auerochs daher zugunsten der klaren Bezeichnungen Ur und Wisent auch gar nicht mehr gebraucht werden.

[9] Beilage zum Jahresbericht des Vitzthumschen Gymnasiums in Dresden aus dem Schuljahre 1913/14, Dresden 1914. – Es ist allerdings bedauerlich, ja direkt unverständlich, daß der Verfasser auf die bei allen derartigen Arbeiten ganz selbstverständliche Standortsangabe der von ihm benutzten Archivalien verzichtet. Dadurch hat er nicht nur die Benutzung seiner sonst so verdienstvollen Arbeit ungemein erschwert, sondern auch ihren Wert künstlich erheblich herabgedrückt.

[10] Ist in dem, erst nach der vom Kurfürsten Friedrich August bereits im Juni angeordneten Überführung von Wisenten nach der Liebenwerdaer Heide, am 21. Juli veröffentlichten Patent, das keinerlei Angaben über den oder die Orte der Aussetzungen enthält, schon ein unausgesprochener Hinweis auf die Grethener Aussetzung enthalten? Szalays Angabe (Wisente im Zwinger): »1746 (mit Fußnote: »Oder etwas früher«) hat man in Grethen bei Grimma einige Wisente … ausgesetzt«, muß nach dem oben gehörten in »Einige Jahre vor 1746« abgeändert werden.

Vom Aschberg zum Kiel

Von Paul Apitzsch, Oelsnitz i. V.

Mit sieben photographischen Aufnahmen von Curt Sippel, Plauen

Ein klarer Wintertag liegt über den Waldbergen des südöstlichen Vogtlandes. Ich steige mutterseelenallein von Klingenthal auf steilen, eisbekrusteten Pfaden zum Ortsteil Körnerberg empor. Im Schnee vergraben, hocken am Hange die letzten Hütten. Tief unten das engbebaute Zwotatal. Gegenüber ein blendendweißes, dunkelgesäumtes Wiesenband zu beiden Seiten des Markhausener Baches mit dem bewaldeten Nebelberg (758,9 Meter) und dem kahlen Falkenberg (744,3 Meter). Südostwärts weiterwandernd, ändert sich urplötzlich die Szenerie. Von den gewundenen Wegen der »Quittenbachalpen« aus wird ein wahrhaft alpiner Tief- und Fernblick gegen Süden frei. Kurz hinter Kamerun wird zum ersten Male die Schneekuppe des Aschberges sichtbar. Rechts, gegen Süden, erscheinen die Graslitzer Berge: Hausberg, Eibenberg und Grünberg; dahinter breitgelagert Glasberg und Muckenbühl sowie die prachtvolle Silhouette des Königs im Grenzgebirge, des Silberbacher Spitzberges (994,3 Meter). Jenseits des Waldgutes Untersachsenberg nimmt die sächsisch-böhmische Grenzstraße den Charakter eines ausgesprochenen Kammweges an. Schneidender Höhenwind peitscht und biegt die Vogelbeerebereschen am Wege. Brennendrote Fruchtbündel hängen noch immer im Geäst, und schillernde Krammetsvögel streichen lautlos von dannen beim Nahen menschlicher Tritte. Allmählich erschließt sich nordwärts der Blick in die Täler des Brunndöbra- und Steindöbrabaches, während anderseits immer noch das böhmische Gipfeltriumvirat Glasberg-Muckenbühl-Spitzberg das Landschaftsbild beherrscht. Ein alter, siebzigjähriger Schwaderbacher Einwohner, der mit schwerer Bürde am Gestänge des Wegrandes ausruht, bezeichnet mir die Grenzstraße als »evangelische Strassen«. Tatsächlich ist hier die politische Grenze identisch mit der konfessionellen.