Der künstlerisch sehr gelungene Einband ist vom Professor Georg Erler gezeichnet, die Geleitsworte sind von Otto Eduard Schmidt und Karl Reuschel geschrieben worden. Der Preis des in Halbleinen gebundenen Buches ist 3 M., bei direkter Übersendung vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24, ausschließlich 30 Pfg. Postgeld und Verpackung.
Außerdem vermittelt auch jede Buchhandlung die Bestellung.
»Aus grauen Mauern und grünen Weiten«
Schauen und Sinnen auf Heimatwegen
von Gustav Rieß
5. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A.
»Endlich!« rief ich frohgelaunt aus, als ich in der Vereinsleitung die Neuerscheinungen mir ansah – »endlich ein Buch von Gustav Rieß!« Und gleich nahm ich es unter den Arm und machte mich daheim drüber her. Daß es etwas Gediegenes sein würde, dafür bürgte mir ja der Name des Verfassers, daß er mir aber Augenblicke so hohen Genusses bereiten würde, das hätte ich selbst bei meiner hochgespannten Erwartung nicht zu hoffen gewagt.
»Wer ist Gustav Rieß?« höre ich aus dem Leserkreis fragen? Nun, lieber Vereinsbruder, du stehst sicher noch nicht lange in unseren Reihen, sonst müßtest du’s wissen. Zu deiner Entschuldigung sei immerhin zugegeben, daß der Träger dieses Namens in letzter Zeit seinen Mund in unseren Vereinsberichten lange nicht aufgetan hat, aber wir Älteren und Alten aus der Heimschutzarbeit, wir wissen, wer Gustav Rieß ist! Wir wissen, welche Fülle von Liebe, von Treue und Aufopferung für den Heimatschutz in diesem Manne sich einet. Haben wir nicht oft schon in den Vereinsabenden zu seinen Füßen gesessen und seinen Vorträgen gelauscht, haben wir nicht so oft seine Beiträge in den grünen Heften gelesen, und war es uns nicht dabei immer, als müßten wir dem Manne, der solches zu sagen und zu schreiben wußte, die Hand drücken in Verehrung und Dankbarkeit, ihn, den die Liebe zur Heimat zum Dichter macht, aber auch zum berufenen, klug wägenden Berater in allem, was der Heimat frommt; zum Vorkämpfer und Führer in den Reihen unseres Vereins?
Wie es nicht mehr gut angängig ist, den Namen Kursachsen auszusprechen oder zu lesen, ohne dabei an den Kursächsischen Wandersmann Otto Eduard Schmidt zu denken, so wird es nach Erscheinen dieses Buches und seinem hoffentlich recht tiefen Eindringen in die Bevölkerung nicht mehr möglich sein, den Namen der alten Bergstadt Freiberg zu nennen, ohne dabei sich an Gustav Rieß zu erinnern.
Denn dieser altersgrauen Stadt droben im Erzgebirge gehört Dienst, Lebe und Leben unseres Verfassers. Als technischer wissenschaftlicher Beamter, als Stadtbaurat, wirkt er in Freiberg. Und fürwahr, in keine treuere Hand, an kein wärmeres Herz hätte der Rat wohl das bauliche Geschick seiner Stadt legen können. Denn der Posten eines Stadtbaurates ist gerade in unserer Zeit, die zu erwachen begonnen hat aus dem bleiernen Schlafe, des Stumpfsinns in Kunst- und Bausachen, im Rate wohl jeder deutschen Stadt einer der wichtigsten. Auf wie viele Spuren am segensreichen Wirken unseres Freundes trifft der aufmerksame Beobachter, der Kenner von Freiberg, bei seinen Gängen durch die alte Stadt! Und hätte Rieß weiter nichts getan, als das in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, in spießbürgerlichem Sinne so arg verschandelte Rathaus wieder herauszureißen aus Kleinlichkeit und Kümmerlichkeit, sein Name würde allein dieserhalb in der Stadtgeschichte leben. Mit seinem Buch aber tritt Gustav Rieß weit hinaus aus dem Mauerring von Altfreiberg.