Nach der Andacht belebt sich der schmucklose, kreuzüberfüllte Friedhof. Vor den Kreuzen aus Holz und Eisen weilen die Kirchgänger, entblößten Hauptes die Männer, und ein murmelnd Bittgebet für des Verstorbenen Seele geht über ihre Lippen. Sich bekreuzend gehen sie hinweg. Auch zur Winterszeit, wenn nur des Kreuzes Spitze das Grab verrät, kommen die Beter an die verborgene Ruhestatt ihrer Lieben.

Im Plaudern kürzt sich der Heimweg. Mitteilsam wird immer der Heimgang vom Erntedank. Das macht die Vorfreude auf den farbenbunten Ernteumzug am Nachmittag. Auf dem Erntewagen stehen Hafergarben. Wohlgeschüttet lagern die Kartoffeln. In gelbem Blattgefieder hängen schwer der Eberesche rote Trauben. Marschmusik strafft den Gang bei alt und jung. Und abends gibts Erntetanz in des Dorfes »Schanknahrung«, wo der Baßgeiger ohne baumelnde Pfeife streicht, die bei der Übung am Samstagabend immer im Munde hing, wo der kleine »Schlagwerker« mit Händen und Füßen Töne schafft und mit dem Kinn den Takt zuckt.

Wenn nebelverhüllt das Kammland düstert, der Eberesche Blätter verwesend unterm kahlen Baum liegen, dann kommt ein ernster Tag. Jeder Grabhügel hat seinen Schmuck, auf jedem brennt ein Flämmlein, zuweilen in einer Nische, und durch des Türleins Scheibe quillt aus farbigem Glase ein milder Schein. Lautlos wandeln die Menschen. Versonnene Beter knien ungestört.

Wieder ist der Heimgang plaudersam. Doch viel wird heute erzählt vom kurzen Leben und raschen Tod, vom frühverschiedenen Kind, das vor wenig Wochen erst dem Knospenschlaf entsprungen, vom rastlos schaffenden Vater, von der liebegebenden Mutter, von Bruder und Schwester, von Greis und Greisin.

Am irdischen Vergehen hängt der Gedankenlauf.

Und einmal im Jahre wirds auf dem schneeverschütteten Hochland beim Sternenglanz lebendig. Schwarze Gestalten, vermummt gegen den schneidenden Nachtwind, schreiten dem Scheine des wegstampfenden Lichtträgers nach. »Heilige Weihnacht« wollen die Hochsiedler feiern um diese Stunde im kerzenerleuchteten Gotteshaus.

Im dämmervollen Winkel belauscht der Fremde das mitternächtliche Hochamt.

Sehnend Erinnern

Immer wieder ziehts mich hin auf die Kammweiten, wo der Wetterkräfte Spuren jedem Blicke eigen sind, wo dürftig Ackerland mit jungfräulichem Boden raint, wo stille Kämpfer um deutsche Art, ausgesöhnt mit ihrer kargen Heimat, wurzelfest die väterliche Scholle hüten, wo kleiner Leute Kunst und Glaube herbe Einsamkeit beseelt.

Vogelkundliches aus alten sächsischen Chroniken