Im übrigen möge unser Respekt, den wir vor den hier in Betracht stehenden Kamenzer Bemühungen haben, damit erwiesen sein, daß wir hier – wir nehmen an, sehr offensichtlich – in ernstester Weise suchten, die vielen (gewiß nicht immer leichten) Fragen behilflich zu beantworten, um die es sich mit unseren neuesten städtischen Hausanstrichen handelt.

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Schließlich sei hier gleich noch bemerkt, daß der »Landesverein Sächsischer Heimatschutz« im Verfolg dieser Kamenzer Hausanstriche beschlossen hat, unter der Leitung des Herrn Geheimrat Professor Gußmann und des Herrn Professor Rößler, Dresden, einzelne Farbtöne und Tonzusammenstellungen zu bestimmen, die im allgemeinen für neue Hausanstriche als empfehlenswert gelten können; es ist hierbei besonders daran gedacht, daß innerhalb der kleineren und kleinsten Ortschaften in den allermeisten Fällen ohne weiteres kaum die Möglichkeit besteht, sich für die Ausführung geplanter Hausanstriche sehr gut beraten zu lassen; und so wird nun von nächster Zeit ab die »Bauberatungsstelle des Sächsischen Heimatschutzes« mit den genannten Farbentönen in neuer Weise praktisch behilflich sein können, was hier besonders auch den Gemeindeämtern mitgeteilt sein möge.

Ehrenfriedersdorf

Von Edgar Hahnewald

Über die halbdunklen Bahnsteige des Dresdner Hauptbahnhofes strömten schweigsame Arbeiterscharen hinaus in den schlüpfrigen Tauschmutz des Januarmorgens, den die Gaslaternen verdrießlich und übernächtig beleuchteten.

Fünf Stunden später, nach langsam steigender Fahrt durch weißen Winterglanz liegt die kleine erzgebirgische Stadt vor uns. Wir stehen über ihren Dächern. Jenseits steigt der Sauberg auf. Über seiner weißen Fläche schweben die Halden der verlassenen Bergwerke beschneit und blaubeschattet wie blumenblaue Wolken am helleren Himmel. Schachtanlagen sind schwarz in das Schattengewölk eingezeichnet.

Dort oben begab sich die »lange Schicht« von Ehrenfriedersdorf. Ein junger Bergmann Oswald Barthel wurde im Jahre 1508, nach andrer Lesart 1507 verschüttet. Sechzig Jahre später fand man ihn wieder, unversehrt und mit allen Kleidern. Der Pfarrer, der ihm die Grabrede hielt, begann sie: Es ist groß zu verwundern, daß ein Pfarrer einem die Leichenpredigt tun soll, welcher fünfunddreißig Jahre eher, als der Pfarrer geboren, gestorben ist. Die Legende erzählt, daß der Bergmann so jung und blühend, wie er gewesen, als der Berg ihn in sich begrub, wiedergefunden worden sei, und sie dichtete nach einer ähnlichen viel späteren Begebenheit im Bergwerk zu Falun, die von Friedrich Rückert, Johann Peter Hebel und E. T. A. Hoffmann dichterisch bearbeitet worden ist, auch die treue Braut hinzu, die als zitternde Greisin an der Bahre des Wiedergefundenen die späte Brautmyrte sich ins weiße Haar flicht und sterbend niedersinkt. So erlebten wir als Kinder die lange Schicht zu Ehrenfriedersdorf in Apels Marionettentheater und so hat sie Widar Ziehnert in den sächsischen Volkssagen in einem Gedicht von vierundvierzig Strophen besungen.

Der Bergbau ist erloschen. Da und dort steht in Museen noch ein Gerät aus Ehrenfriedersdorfer Zinn. Während des Weltkrieges wurden die Halden und Schächte noch einmal nach Wolfram und letzten Zinnresten durchwühlt. Nun ist auch das vorbei, und »Ehrndorf« begnügt sich wieder wie vordem damit, Schuhe, Spielbälle, Posamenten und Strümpfe zu fabrizieren.

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