Ehrenfriedersdorf ist ein echt erzgebirgisches Städtchen, lang hingestreckt in eine Talsohle eingebettet, rings vom Walde umgeben. Brände haben die Stadt zuletzt 1802 und 1866 verheert und die alten vordem errichteten niedrigen Häuser sind nur noch vereinzelt zu finden. Das Städtchen macht auf den Fremdling einen freundlichen, sauberen und geräumigen Eindruck, die Straßen sind tadellos instand gehalten, der Markt nimmt die ganze Breite der Talsohle ein, hüben und drüben müssen die Straßen steigen.
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Eine der steilen Straßen steigt zur Kirche hinauf, die seit fünfhundert Jahren wie eine kleine kantige Burg am Hang die Stadt bewacht.
Im weißen Schiff unter gotischen Gewölben steht ein Kunstwerk, das die Besucher von weither in das entlegene Städtchen lockt: der Ehrenfriedersdorfer Altar.
Fünf Jahre lang, von 1916 bis 1921 war er nach vollzogener Ausbesserung kleiner Schäden in der Dresdner Gemäldegalerie untergebracht. Dresden wollte ihn behalten, aber die Ehrenfriedersdorfer ließen nicht locker und haben ihn nun wieder.
In der Galerie stand er im deutschen Pavillon, in der Gesellschaft Cranachs. Ein glanzvolles Museumsstück, vor dem die Kunstfreunde verweilten. Aber ein Museumsstück unter tausend Bildern, von der Sixtina, von Dürer, Holbein, Rembrandt, Rubens, Correggio, Giorgione, Tizian, von allen großen Sternen überstrahlt.
Nun steht er wieder in der kleinen weißgetünchten Kirche, in die er gehört. Orgelklang rauscht wieder über das alte vergoldete Holz. Beim Eintritt sieht man ihn im Durchblick unter einem Mauerbogen zwischen schweren Pfeilern leuchten. Im weißen Raum, in dessen Gewinkel an diesem Tage Schneelicht und Sonnenschein durch klare Fenster fiel.
Tritt man, des Blickes über die weiten winterlichen Flächen, über das weiße Tal mit der kleinen blaugedächerten Stadt noch gewärtig, in die weiße Halle der Kirche ein, so leuchtet der edle Goldglanz des Altars wie eine milde Sonne über den weißen Höhen der herben erzgebirgischen Landschaft.
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