Und nun steigen wir noch ein Stockwerk höher, hinauf zu den Glocken. Die Kirche zu Straßberg gehört zu den wenigen vogtländischen Gotteshäusern, denen es vergönnt war, ihr vollständiges Geläut, trotz der Metallknappheit des letzten großen Krieges, behalten zu dürfen. Die größte der drei Glocken außer einer kurzen Widmung die Inschrift:

Durchs Feuer bin ich geflossen,

Christoph Salomon Graulich von Hof hat mich gegossen.

1725.

Die mittlere ist die älteste. Sie stammt aus dem Jahre 1673, und der Glockengießer heißt Hiob Breitinger.

Die kleine Glocke, gestiftet vom Kurfürstlichen Sächsischen Rittmeister Adolph Hauboldt Reibold, hat Daniel Hendel aus Zwickau anno 1688 gegossen.

Abb. 6 Straßberg mit Kirche

Statten wir zuletzt dem alten Friedhofe, der rings um die Kirche sich breitet, einen Besuch ab. Ehrwürdige Lebensbäume verleihen ihm ein düsteres Gepräge ([Abb. 3]). Eingesunkene Steinmale und rostkranke schmiedeeiserne Grabkreuze ragen aus einer Wildnis von Blättern und Blüten. Wundersam schmiegt sich aus dem Ostgiebel der Kirche die alte Sakristei an ([Abb. 5]). Unter den Steinfließen des kleinen Gebäudes ruhen seit 1821 im herrschaftlichen Erbbegräbnis die Gebeine der Rittergutsfamilie Golle auf Neundorf. Später wurde eine Gruft an der im Bilde sichtbaren Außenseite der Sakristei angelegt. Hier wurden Rittergutsbesitzer Karl Bruno Golle (gestorben 1917), Hauptmann Bruno Herbert Golle (gestorben 1917) und Rechtsanwalt Karl Hans Golle (gestorben 1921), beigesetzt. Wilder Wein rankt am bröckelnden Gemäuer empor, und von der Kalktünche des Ostgiebels rieselt an nebelfeuchten Tagen Körnlein um Körnlein. Die seit 1832 nicht erneuerte Kirche zu Straßberg bedarf, soll sie nicht völlig dem Verfall entgegengehen, innen und außen einer gründlichen Erneuerung. Die Kirchgemeinde hat keine Mittel hierzu. Es ist Pflicht der staatlichen Behörden, des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, des Landesamtes für Denkmalpflege und des Finanzministeriums, helfend einzugreifen und das gefährdete Kunst- und Kulturdenkmal zu retten, ehe es zu spät ist.

Die Abendglocke hebt an zu klingen. Weich weht der Talwind um die schlanken Pyramiden der Friedhofszypressen. Ich steige hinab ins Getriebe des Alltags, und lang noch im Weiterwandern muß ich gedenken des Schicksals der Kirche zu Straßberg.