Abb. 15. Trockenpochwerk nach Agrikola

Da ist draußen das große Wasserrad, vom strömenden Wasser in Bewegung gesetzt. Da ist vor uns die riesenhafte, aus einem Urwaldsstamm mit der Axt zurechtgehauene und geglättete Welle, welche langsam ächzend und knarrend vom großen Wasserrad gedreht wird. Da sind die eisernen Daumen an der Welle, welche die Stempel an eisernen Ansätzen fassen, in die Höhe heben während der Drehung der Welle und abgleitend wieder fallen lassen. Im Trockenpochwerk zermalmen sie die Erzbrocken zu Sand und Staub, im Naßpochwerk zu Schlamm. Wir hören das Dröhnen der Stempel und sehen die Arbeit der ungefügen und doch so wuchtig eindrucksvollen, einfachen Maschinen, wie Agrikola sie schildert, und wie vor mehr als dreihundert Jahren einst die schlichten Bergleute lange vor dem Dreißigjährigen Kriege sie schon sahen. Die Zeit, die Entwicklung hat hier scheinbar stille gestanden, die Stempel nicht. Sie pochen und malmen heute wie einst! Ist nicht diese Welle die rollende Zeit, der niemand Halt gebieten kann? Gleicht sie nicht dem Schicksal, dem unerbittlichen, unentrinnbaren? Seine Daumen heben sich, seine Stempel fallen, und auf und nieder gehen die Geschicke der Menschen und Geschlechter und Völker, und zu Staub und Schlamm wird alles, was einst glänzte und im blanken Schimmer prangte. Draußen rauschen die Jahrhunderte vorüber, die Welle aber dreht sich und dreht sich und am Heben und Senken ihrer Daumen hängt, ach, das Eintagsdasein des armen Menschentums:

»Erde gleißt auf Erden

In Gold und Pracht;

Erde wird Erde

Bevor es gedacht;

Erde türmt auf Erden

Schloß, Burg, Stein;

Erde spricht zur Erde: