Nach all dem vom Drebacher Krokus gehörten, ist es wohl angängig, ihn als eine besondere, im Laufe der Jahrhunderte herausgebildete Lokalform anzusprechen und ihn botanisch als Crocus vernus Wulf. forma drebachensis zu bezeichnen.
Abb. 3. Zwei botanische Seltenheiten in Drebach: Frühlingssafran, im Volksmunde »Nackte Jungfer« genannt, darüber die 400jährige »Eibe«.
Aufnahme des Erzgebirgszweigvereins in Drebach
Nun noch einige Worte zur Frage der Verbreitungsmöglichkeit. Auch die Krokus pflanzen sich, wie andere Pflanzen, durch Samen fort, welche nach einem Befruchtungsvorgang entwickelt werden. Zur Befruchtung muß der Blütenstaub aus den Staubbeuteln auf die dreiteilige Narbe gelangen. Hier muß dies Stäubchen auskeimen und einen seidenfeinen Keimfaden (Pollenschlauch) in den mit Samenknospen erfüllten Fruchtknoten senden.
Abb. 4. Vorfrühling in Drebach
Beim Eindringen in die Samenknospen spielen sich noch geheimnisvolle Teilungsvorgänge ab, und erst dann ist die zur Frucht- und Samenbildung nötige geschlechtliche Vereinigung erfolgt. Wie aber gelangt der Blütenstaub auf die meist höher stehende Narbe? ([Abb. 1] n). Bei unserem Krokus könnte es nur durch Zufall mit eignem Pollen geschehen. Die lange, honigerfüllte Kronenröhre deutet darauf hin, daß die langrüsseligen Schmetterlinge beim Saugen des Nektars die Übertragung des Blütenstaubes besorgen. Aber bei der frühen Blütezeit sind die erwarteten Falter wohl ganz seltene Blütengäste, so daß eben eine Samenbildung meist unterbleiben wird. Allerdings kann die lange Kronenröhre bis zum Überlaufen mit Honig gefüllt sein, so daß auch Bienen und Hummeln, die ersten Frühjahrsbummler der Insektenwelt, mit ihrem kürzeren Rüssel zu Gaste gehen können. Trotz alledem wird wohl eine Samenbildung, sicherlich aber auch eine richtige Samenreife äußerst selten sein. Es wäre jedoch wertvoll, wenn Drebacher Ortsbewohner Beobachtungen anstellen würden, ob etwa im Juni die dreiklappige häutige Kapsel mit ihrem schlaffen bleichen Stiel und ihren zahlreichen kugeligen Samen im Grase dieser Krokuswiesen aufzufinden ist. Undenkbar ist es nicht, zumal ja auch Selbstbefruchtung in den Blüten eintreten könnte.
Abb. 5. Teilaufnahme der Drebacher Krokuswiesen
Die im vorhergehenden Aufsatz ausgesprochene Vermutung, daß eine Verbreitung der Pflanze auf ungeschlechtlichem Wege durch die Knollen erfolgt, ist nicht von der Hand zu weisen.