Abb. 6. Krokuswiese in Stürza bei Stolpen

Die neue Knolle, sogenannte Verjüngungsknolle, sitzt der abgeblühten Knolle obenauf ([Abb. 1] Ek) und müßte sich derart der Bodenoberfläche immer mehr nähern, wenn nicht Wurzeln sie herabziehen würden. Es ist aber möglich, daß einige so nahe der Oberfläche gelangen, daß sie beim jährlichen Rechen der Wiesen oder durch reißende Niederschlagswässer herausgerissen und über die Wiesen verbreitet werden.

Abb. 7. Krokusblüte im Schloßgarten zu Moritzburg

Daß auch Maulwürfe zur Verbreitung beitragen können, zeigt eine Bemerkung von Schoenach, der bei Bad Schartl (Vorarlberg) auf den Maulwurfshügeln Hunderte herausgewühlter Krokusknollen sah, die beim Breitziehen der Haufen oder auch durch Regengüsse weitergeführt werden und derart zur Verbreitung der interessanten Pflanze beitragen.

Abb. 8. Krokuswiese in Langenwolmsdorf

Auch anderwärts hat in Sachsen durch gelegentliches Anpflanzen einzelner Krokusstöcke im Laufe der Zeit eine starke Verbreitung stattgefunden, so daß wir auch außer Drebach ganz nette, wenn auch nicht so umfangreiche Krokuswiesen besitzen. Wir finden solche noch im Moritzburger Schloßpark und auf einer Gutswiese von Langenwolmsdorf sowie von Stürza. ([Abb. 6][8].) Vor kurzem sah ich eine Krokuswiese an der Grenze zwischen Ober- und Niederbobritzsch bei Freiberg, welche ebenfalls eine recht kleinblütige Form führte. Bei der sehr interessanten, etwas legendenhaften Erzählung von den, Herrn Pfarrer Rebentrost in Gnaden gewährten drei Pflanzenarten: Krokus, Eibe und Vogelmilch (Ornithogalum umbellatum) würde es von Wert sein, zu wissen, ob noch Aufzeichnungen, Briefe oder Urkunden bestehen, welche diese Mitteilung stützen könnten.

Es will mir bedenklich erscheinen, daß Professor Reichenbach in seiner vor etwa hundert Jahren erschienenen Flora Saxonica den Drebacher Standort nicht nennt. Unwahrscheinlich mutet es mich auch an, daß in dem kurfürstlichen Garten unter den Heilpflanzen die Vogelmilch aufgenommen war, von welcher mir bisher keine Heilwirkung bekannt geworden ist[1]. Im östlichen Erzgebirge steigt diese Pflanze nach meinen Beobachtungen zu Höhen von 450 Meter empor, im westlichen Erzgebirge scheint sie allerdings seltener zu sein, doch gibt Reichenbach einen Chemnitzer Standort und Frisch in der Flora des Pöhlberggebietes einen solchen vom Geyersdorfer Weg an.