Mag sich nun die von Herrn Ficker gebotene wertvolle historische Anmerkung durch Urkunden bestätigen lassen oder nicht, sie macht uns den reizenden Lenzesboten des Drebacher Krokus sicherlich noch lieber, und die Freude an dem lilaen Blütenteppich der »nackten Jungfern« des lieben Erzgebirgsdörfchens soll uns kein Zweifel verkümmern!
Fußnote:
[1] Die früher zu Heilzwecken gebrauchten »Wurzeln von Ornithogalum«: radix Ornithogali waren von Gagea, dem Goldstern, und zwar von den Arten lutea und arvensis.
Grenzland
Von Dr. Alfons Diener von Schönberg
Bilder von Max Nowak, Dresden
Wenn die Eisenbahn von Flöha flußaufwärts sich durch das enge Tal gewunden hat – so eng, daß nur auf kurze Strecken noch Platz für eine Fahrstraße neben den Schienen zu finden war –, tut sich plötzlich kurz vor der Haltestelle Blumenau ein weiter, lieblicher Talkessel auf. In vorgeschichtlicher Zeit ist er ein See gewesen, dessen Wogen weithin an waldige Ufer schlugen. Aber im Laufe der Jahrhunderte hat sich sein Abfluß immer tiefer in den dammartig vorgelagerten Gneisfelsen hineingefressen, sein Spiegel sank, und heute bedecken Wiesen und Felder den Grund, während grüne Wälder die Höhen säumen.
Inmitten so geschenkten Bodens hat sich dann bald der Mensch angesiedelt, und die windgeschützte Lage hat ihrer immer mehr hierher gelockt. Bei einer Windung des Zuges sieht man zwischen Bäumen schon Gebäude hervorlugen, ein Dach hinter dem anderen hebt sich empor, die Häuser rücken enger zusammen, ein Kirchturm, behäbig und stark, reckt sich zum Himmel und fleißige Essen lassen weißen Rauch in die Lüfte wehen: Olbernhau. Das streckt sich weithin talauf, aber da nimmt den Blick die ferne Höhe gefangen, die im Südosten das Tal zu schließen scheint. Winzige weiße Häuschen schimmern enggedrängt vom Kamme herab, und nadeldünn sticht ein Turm in den blauen Himmel: Katharinaberg mit der Franz-Joseph-Warte. Aber so eng das völkisch mit unserem deutschen Lande verbunden ist, wir wissen: Dort herrscht schon der Tscheche. Jäh überkommt einen das Gefühl von der Bedrängnis deutscher Art, und man senkt den Blick, ihn ausruhen lassend an dieser Stätte deutschen Wesens und deutschen Fleißes hier. –
Der Zug strebt weiter flöhaaufwärts, Neuhausen zu. Aber der Wanderer, der hier in Olbernhau aussteigt, findet eine Fülle des Lockenden, so viel, daß er erst kaum weiß, nach welcher Richtung des weiten Tales er die Schritte lenken soll.
In solchem Schwanken gibt es nichts besseres, als sich des schönen Wortes zu erinnern, das Gerhard Platz geprägt hat: Vom Wandern und Weilen im Heimatland. Nur wer zu weilen versteht, wird recht wandern und nichts abseits liegen lassen, was des Anschauens wert ist.